< Zurück zur i.m.a.-Newsletter-Übersicht


 
Newsletter August/September 2015

www.ima-agrar.de

 
  i.m.a - information.medien.agrar e.V.

i.m.a
information.medien.agrar e.V.

Wilhelmsaue 37
10713 Berlin
Tel.: 030 8105602-0
Fax: 030 8105602-15
info@ima-agrar.de
www.ima-agrar.de

  

Newsletter August/September 2015

i.m.a aktuell

  • Jetzt lesen: Neue Ausgabe vom Lehrermagazin
  • Jetzt testen: Experimente aus dem Bodenposter
  • Jetzt planen: Hausaufgabenheft online bestellen
  • Jetzt vorbereiten: Bald ist Erntedank

Aktionen und Termine

  • Tipp: Bauernmarktmeile in München
  • Fotowettbewerb: Was ist typisch Landwirt?
  • GemüseAckerdemie: Gärtnern auf Facebook
  • Norla: Beispiel vorbildlicher Zielgruppenkommunikation

Für Sie gelesen und getestet

  • Schulbuch: "Natura 1"
  • Kinderbuch: "Wir Kinder vom Hof. Entdeckt mit uns die Landwirtschaft"

Exkursionen in die Landwirtschaft

  • Betriebe stellen sich vor: Der Bassenhof

WissensWerte zur Landwirtschaft

  • Neue Serie: Die Landwirtschaft in ... Thüringen

i.m.a aktuell

Jetzt lesen: Neue Ausgabe vom Lehrermagazin

Die neue Ausgabe vom "lebens.mittel.punkt" stellt einmal mehr ein Thema zu dem von den UN ausgerufenen "Jahr der Böden" in den Mittelpunkt: "Kalk für gesunden Boden" informiert über diese traditionelle Form der Düngung in der Landwirtschaft. Der begleitende Unterrichtsbaustein für die Sekundarstufe ist für den Einsatz im naturwissenschaftlichen Unterricht konzipiert.

Weitere Schwerpunktthemen: "Nützliche Bestäuber" - über den Lebensraum von Bienen, Schmetterlingen und anderen Nützlingen, "Blatt, Stiel, Kohl und Knolle - Basiswissen zum Gemüse" (beide Themen mit Unterrichtsbausteinen für die Primarstufe) sowie "Kennzeichnung von Lebensmitteln" (für die Sekundarstufe).

Außerdem im Heft: Tipps zur Ausbildung und zu Praktika in den "Grünen Berufen" sowie weitere Service-Themen. Das Magazin "lebens.mittel.punkt" kann hier kostenlos abonniert oder online gelesen werden. Zögern Sie nicht, uns Ihre Ideen und Kommentare zum Magazin mitzuteilen. Die Redaktion erreichen Sie über redaktion@ima-lehrermagazin.de oder per Fax: (030) 810 560 215.

Jetzt testen: Experimente aus dem Bodenposter

Wie spannend das Leben unter der Erde ist, verdeutlicht das neue i.m.a-Bodenposter. Mehr als 3,3 Billionen Lebewesen finden sich auf einer Fläche, die nicht größer ist als ein menschlicher Fußabdruck. Was dies für Lebewesen sind und welche Bedeutung sie für die Qualität des Bodens und damit den Ertrag haben, veranschaulicht das DIN-A-1-Poster.

Es vermittelt alles Wissenswerte über den Nährstoffkreislauf auf dem Acker und wie die "Bodenbewohner" dem Landwirt helfen. Auf der Poster-Rückseite gibt es Arbeitsblätter, die sich für den Einsatz im Schulunterricht ab der dritten Klasse eignen. Neben dem theoretischen Wissen, das mit dem i.m.a-Bodenposter vermittelt wird, regt es auch zu Experimenten an, die leicht nachvollzogen werden können. Das Bodenposter ist kostenlos im i.m.a-webshop erhältlich.

Jetzt planen: Hausaufgabenheft online bestellen

Jedes Jahr zum Schulbeginn gibt es einen Ansturm auf das i.m.a-Hausaufgabenheft. In diesen Tagen wird die neue Lieferung aus der Druckerei erwartet, so dass es in Kürze wieder bestellt werden kann. Darum unser Tipp: Regelmäßig im i.m.a-webshop nachschauen, wann das Verfügbarkeitssymbol auf "Grün" steht und dann eine Bestellung aufgeben.

Eine Anforderung per E-Mail oder Telefon ist nicht möglich. Jede Bestellung der i.m.a-Materialien muss online erfolgen. Die meisten Produkte sind kostenfrei erhältlich; lediglich eine Versandgebühr wird erhoben.

Wer es noch nicht wusste: Das Besondere am i.m.a-Hausaufgabenheft ist nicht nur der schlaue Hahn "Egon", der durch das Heft führt, sondern dessen Vielseitigkeit. Auf 64 Seiten finden sich neben einem Stundenplan und Vordrucken für die Organisation von Referaten oder Entschuldigungen für versäumten Unterricht viele Basteltipps, Rätsel, Rezepte und Spiele, die das Schülerleben bereichern. Zudem gibt es faktenreiche und ideologiefreie Sachinformationen über die Landwirtschaft. Damit hat sich das i.m.a-Hausaufgabenheft als ein pädagogisch sinnvolles und von Lehrkräften anerkanntes Medium für den Schulalltag positioniert.

Jetzt vorbereiten: Bald ist Erntedank

Am 4. Oktober ist es wieder soweit: Das Erntedankfest wird gefeiert; traditionell immer am ersten Sonntag im Oktober. Die Landwirte bedanken sich mit dem Fest für eine gute Ernte, und auch wer nicht religiös geprägt ist, begeht diesen Tag in Erinnerung an die zurückliegenden arbeitsreichen Monate.

Für die Menschen außerhalb der Landwirtschaft kann das Erntedankfest Anlass sein, über den Wert von Nahrungsmitteln nachzudenken und über die große Auswahl an Lebensmitteln, die uns hierzulande angeboten werden. Und nicht zuletzt auch über die Verschwendung und damit Missachtung gegenüber den Leistungen der Menschen, die mit ihrer Arbeitskraft mühevoll für den Erhalt unserer Nahrungsvielfalt sorgen.

Im i.m.a-Webshop gibt es eine Vielzahl von Materialien, die sich mit diesen Themen befassen – von der bäuerlichen Landwirtschaft, über den Weg der Lebensmittel von den Erzeugern zum Supermarkt, bis zur Globalisierung der Märkte. Es lohnt sich, nach den Themen zu stöbern; und sollte die eine oder andere Broschüre vergriffen sein, kann sie online heruntergeladen oder gelesen werden. Speziell zu diesem Thema lohnt sich Ihre Recherche hier in den Ausgaben unseres Lehrermagazins.
__

Aktionen und Termine

Tipp: Bauernmarktmeile in München

Immer wenn in München das Oktoberfest gefeiert wird, laden die Landwirte zur "Bauernmarktmeile" abseits der "Wiesn" ein. So gibt es auch am 27. September 2015 wieder die vom Bayerischen Landesbauernverband und seinen Partnern organisierte "Bayerische Bauernmarktmeile" in der Innenstadt von München.

Auf dem Odeonsplatz und in der Ludwigstraße entsteht dann der größte Bauernmarkt Deutschlands. Von 10.00 bis 17.00 Uhr bieten rund 120 Bäuerinnen und Bauern ihre selbst erzeugten Produkte an; darunter viele regionale Spezialitäten. Begleitet wird dieses "landwirtschaftliche Leistungsfestival" von bayerischen Musikgruppen und anderen Darbietungen.

Fotowettbewerb: "Typisch Landwirt"!

Jeder Mensch hat seine Vorstellungen von der Landwirtschaft. Und sicher auch, was ein "typischer" Landwirt ist. Jetzt kann man mit der fotografischen Umsetzung dieser Vorstellungen gewinnen! Beim Fotowettbewerb "Typisch Landwirt(schaft)?!" von der Zukunftsstiftung Rheinische Landwirtschaft sind sowohl Landwirte als auch Laien aufgerufen, sich ein Bild vom Thema zu machen – und dieses bis zum 10. November 2015 einzusenden. Die dreißig besten Fotos werden prämiert – mit Sach- und Geldpreisen. Alle Details zum Wettbewerb stehen hier.

GemüseAckerdemie: Gärtnern auf Facebook

Gemeinsam mit der "Internationalen Grünen Woche" organisiert die "GemüseAckerdemie" einen Workshop in der Nürtingen Grundschule in Berlin. Im Rahmen der "Wertewochen Lebensmittel" wird am 23. September 2015 um 10.00 Uhr der Gartenbauexperte "Dr. T" alias Dr. Thomas Gladis zeigen, wie man auch auf einem Balkon Gemüse anbauen kann. So sollen Kinder und Jugendliche an die Zusammenhänge natürlicher Nahrungsmittelproduktion herangeführt werden.

Die Aktion wird über die Facebook-Seite der "Grünen Woche" begleitet, so dass sich darüber auch Interessierte informieren können, die nicht an der Veranstaltung "live" teilnehmen. Außerdem können ab sofort Fragen zum Thema über die Facebook-Seite der "GemüseAckerdemie" eingereicht werden.
_

Norla: Beispiel vorbildlicher Zielgruppenkommunikation

Auf der bedeutendsten Landwirtschaftsmesse in Schleswig-Holstein, der "Norla" haben sich 300 Lehrkräfte getroffen, um sich über das Thema "Der Boden - Grundlage des Lebens" zu informieren. Werner Schwarz, Präsident vom Landesbauernverband Schleswig-Holstein, verdeutlichte die Bedeutung des Themas mit dem Hinweis, dass "die gesamte Menschheit von der obersten Krume unserer Erde lebt".

Doch allein in Deutschland gehen täglich siebzig bis achtzig Hektar dieser wertvollen Lebensgrundlage verloren - durch Versiegelung und Strukturzerstörung oder Erosion. Auch der Naturschutz entzieht der Landwirtschaft fruchtbare Böden, erfuhren die Tagungsteilnehmer. Zudem mache der Boom bei Biogas und Windkraft den Boden für Investoren interessant, denen die Landwirte mangels Kapitalkraft nicht begegnen könnten.

Am Rande der Veranstaltung nutzten die Lehrkräfte die Gelegenheit, sich mit den vom i.m.a e.V. bereitgestellten Lehr- und Lernmaterialien vertraut zu machen. Auch die Broschüren und Flyer zu landwirtschaftlichen Themen, die nicht das Bodenthema zum Inhalt hatten, stießen auf großes Interesse.

Weil der i.m.a e.V. nicht an allen landwirtschaftlichen Ausstellungen und Verbrauchermessen mit eigenem Personal teilnehmen kann, sind es vielfach die Kreis- und Landesverbände, Landfrauen und anderen Institutionen der Landwirtschaft, die das Informationsmaterial des gemeinnützigen Vereins vor Ort bereitstellen.

Für Sie gelesen und getestet

Schulbuch: "Natura 1"

Das Schulbuch ist als Lehrwerk für den Einsatz im Biologieunterricht der 5. Jahrgangsstufe an den Gymnasien in Nordrhein-Westfalen geeignet. Die Umsetzung des Themas "Landwirtschaft" erfolgt in einigen Unterkapiteln. Das im Kernlehrplan ausgewiesene Inhaltsfeld "Vielfalt von Lebewesen" und der dazugehörige fachliche Kontext "Pflanzen und Tiere in verschiedenen Lebensräumen", erfährt eine exakte Umsetzung im Lehrwerk. Die ausgewiesene prozessbezogene Kompetenz, "die Schülerinnen und Schüler beurteilen und bewerten an ausgewählten Beispielen Daten und Informationen kritisch, auch hinsichtlich ihrer Grenzen und Tragweiten, u. a. die Haltung von Heim- und Nutztieren", wird durch das Kapitel "Tiere, die der Mensch nutzt" adressiert.

Die gesellschaftlichen, sehr kontrovers diskutierten Haltungsformen von Nutztieren werden in den jeweiligen Unterthemen zum Rind, Schwein und Huhn beschrieben. Dies geschieht stark vereinfacht aus Gründen der didaktischen Reduktion. Die vorangehend dargelegte Kompetenz, kann anhand des vorliegenden Text- und Bildmaterials nur schwer erreicht werden. Die zum Teil groben Vereinfachungen "Der Weidebetrieb ist für Rinder die artgemäße Haltung, denn so können sie sich wie ihre Vorfahren, die ausgestorbenen Auerochsen, von frischem Gras ernähren" oder "Die Kälber stehen in Boxen und haben nur so viel Bewegungsfreiheit, dass sie sich hinlegen und die Futterrinne erreichen können", führen ggf. zu einem entsprechend verkürzten Meinungsbild. Das Ziel, das Leben eines Kalbs in den ersten Wochen zu vergleichen, ist möglich, aber im Unterricht ist ein weiterer Vergleich über die gesamte Lebenszeit ratsam. Dies unterstützt das Schulbuch jedoch nicht.

Gut gelöst ist beim Thema "Haltung von Hühnern" die nicht einfache Aufgabe, Schülern einen Einblick zu vermitteln, Sachverhalte in einfacher Form darzulegen und trotzdem ein Bewerten und Beurteilen zu ermöglichen. Wünschenswert wäre es, den regionalen Aspekt des Themas "Landwirtschaft" aufzugreifen, indem auch Anregungen und Tipps zum außerschulischen Lernen bereitgestellt werden (z.B. Erkundung eines landwirtschaftlichen Betriebs), um den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu eröffnen, Primärerfahrungen zu sammeln.

Insgesamt ist das Lehrwerk ansprechend und zeitgemäß aufgebaut. Es eröffnet den Lernenden viele methodische und inhaltliche Zugänge für ein selbstgesteuertes Lernen. Die Ausführungen zu den Haltungsformen erscheinen sehr verkürzt und in Teilen nicht objektiv.

"Natura 1. Biologie für Gymnasien. Nordrhein-Westfalen I G8 Teilband A, 5. Schuljahr". Ernst Klett Verlag. 162 Seiten, ann. DIN-A-4-Format; Preis: 19,50 Euro. ISBN: 978-3-12-045472-4.

Kinderbuch: "Wir Kinder vom Hof. Entdeckt mit uns die Landwirtschaft"

In diesem Kinderbuch zeigen echte Familien die echte Landwirtschaft. Auf 56 Seiten führen zwei Familien den Leser ein Jahr lang durch ihren Arbeitsalltag auf ihren Höfen im Kreis Warendorf. Hierbei werden Themen wie die Ferkelaufzucht, Legehennen- und Milchviehhaltung realistisch dargestellt. Im Bereich Pflanzenbau wird auf die Futter- und Getreideernte näher eingegangen und es wird erklärt, wie Landwirte Strom aus erneuerbaren Energien produzieren. Daneben geben die Kinder der Familien Einblick in ihr Leben auf dem Land und nehmen den Leser mit durch ihren Alltag im Stall und in der Freizeit.

In zwanzig übersichtlichen Kapiteln ist es der Autorin gelungen, komplexe landwirtschaftliche Themen kinderleicht zu erklären. Mithilfe der vielen großformatigen Fotos und erklärenden Illustrationen werden die einzelnen Arbeitsschritte in der Landwirtschaft anschaulich und leicht nachvollziehbar dargestellt. Das Sachbilderbuch eignet sich für Kinder zwischen fünf und neun Jahren, um ihnen die moderne Landwirtschaft näher zu bringen.

Brigitte Laarmann, Bernadette Lütke Hockenbeck: "Wir Kinder vom Hof. Entdeckt mit uns die Landwirtschaft". Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup, 56 Seiten; 17,95 Euro. ISBN 978-3-7843-5392-0.
__

Exkursionen in die Landwirtschaft

Betriebe stellen sich vor: Der Bassenhof

Wer ins niedersächsische Scheeßel zur Familie Bassen kommt, wird gleich das "Kräuterstübchen" entdecken. Es ist ein gemütlicher Hofladen, in dem es neben Backwaren und Suppen auch Liköre und Säfte sowie andere Spezialitäten aus eigener Herstellung gibt. Und Bauernhofeis aus Rhabarber, Zwetschgen oder anderen Früchten, die gerade Saison haben!

Doch der Hofladen und das Eiscafé sind nicht der Haupterwerb der Familie. Als Tierhalter haben sie sich auf die Ferkelaufzucht spezialisiert. Auf einer Betriebsfläche von hundert Hektar leben 250 Sauen und 1200 Ferkel. Außerdem gibt es tausend Mastplätze. Auch 300 Legehennen halten die Bassens, und verkaufen die Eier im Hofladen. Neben der Grünlandbewirtschaftung wird auf achtzig Hektar Getreide angebaut. Und landwirtschaftlicher Nachwuchs wird auch auf dem Hof ausgebildet.

Etwa 300 bis 400 Besucher kommen monatlich auf den Bassenhof. Viele informieren sich über die Tierhaltung, für die im Rahmen des "EinSichten"-Projekts Glastüren im Abferkelstall eingebaut wurden, und nehmen an Betriebsbesichtigungen teil. Dieses große Interesse an der Tierhaltung hat sicher auch seine Ursache in der aktiven Öffentlichkeitsarbeit der Frau des Hauses: Neben ihrer Arbeit in den Ställen und im Hofladen ist sie im Landfrauenverband aktiv und bringt mit einem Kinderprogramm die Landwirtschaft den Jüngsten nahe.

Tierhalter Bassen ist überzeugt, dass die Attraktivität der Hofbesichtigung durch den Einbau der Glastüren gesteigert wurde. Am Ende aber käme es auch darauf an, den Besuchern zu erklären, wie die Tierhaltung und die Arbeit auf dem Hof ablaufen. Bei Einzelbesuchern könne man keine Stallführungen organisieren, "aber wenn wir hier 19 Klassen haben, dann ist das natürlich was ganz anderes, dann gehen wir mit den Kindern in den Stall."

WissensWerte zur deutschen Landwirtschaft

Neue Serie: Die Landwirtschaft in...

Was ist typisch für die Landwirtschaft in einem Bundesland, was prägt sie besonders? In unserer Serie ergründen wir Klischees und listen Fakten auf.
So entsteht ein Bild von unserer Landwirtschaft, wie es Statistiken allein
nicht bieten können.


Thüringen ist die "Drogenkammer Deutschlands". Was erschreckend klingt, hat landwirtschaftliche Tradition. Denn in keinem anderen Bundesland werden seit Generationen so viele Heil- und Arzneikräuter angebaut. Im Freistaat liegt ein Viertel der deutschen Gesamtproduktionsfläche für Gewürz-, Duft- und Heilpflanzen. Dreißig Kulturarten wachsen auf den Feldern der Betriebe. Damit hat dieser weitgehend unbekannte landwirtschaftliche Produktionsbereich eine große Bedeutung für die Agrarstruktur des Landes.

Die Kräutervielfalt trägt auch zum Erfolg eines weiteren Produkts bei, für das Thüringen bekannt ist: die "Roster", landläufig als Rostbratwurst bekannt. Die Fülle der frisch verfügbaren Kräuter hat die Fleischer oder Metzger (beide Begriffe sind zwischen Südharz und Schiefergebirge gebräuchlich) stets zu besonderen Kreationen inspiriert, die den Ruhm der Thüringer Rostbratwurst vor mehr als 600 Jahren begründet haben. Sie ist zudem identitätsstiftend. Thüringer (Männer) gelten als "Grillmeister" Deutschlands, hier wird der König am Rost gekürt, hier lassen sich Grill-Eleven aus ganz Deutschland in Kursen an der "1. Deutschen Grill & BBQ Schule" fortbilden.

Das Schweinefleisch für die Rostbratwurst wächst in den Ställen von 200 Tierhaltern auf. Mehr als 800.000 Ferkel, Mastschweine, Zuchtsauen und Eber werden im Land gezählt. Gleichwohl ist Thüringen eher ein Land der Rinderhalter. Und Carolin Gebothe ist das Gesicht der thüringischen Milch. Die Königin der Branche kann stolz auf die Leistungen der Kühe sein. Durchschnittlich 8964 Kilogramm Milch produziert eine Kuh in Thüringen im Jahr – und damit elf Prozent mehr als ihre Artgenossinnen in Deutschland. Ein Indiz dafür, dass sich die 113.000 Milchkühe bei den Tierhaltern in Thüringen wohlfühlen. Die annähernd 900 Rinderhalter haben insgesamt 4.126 Tiere im Bestand.

Fast die Hälfte der Landesfläche des Freistaats, 780.000 Hektar, werden von 3.400 Betrieben landwirtschaftlich genutzt. Acker- und Futterbau dominieren, doch beachtliche 32 Prozent des Landes sind Wälder. Somit hat neben der Land- auch die Forstwirtschaft in Thüringen einen besonderen Stellenwert. Und mit 22 Prozent ist ein Großteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche Grünland. Beides, Grünland und Wälder, legitimieren das Image Thüringens als "Grünes Herz Deutschlands".

Wo viel Grünland ist, lohnt sich die Schafhaltung. So zählt Thüringen zu den Bundesländern mit den meisten Schafen und Ziegen pro Flächeneinheit. 400 Betriebe halten zusammen mehr als 134.000 Schafe. Deren Wolle spielt jedoch für den wirtschaftlichen Ertrag kaum noch eine Rolle. Fleischerzeugung und Grünlandbewirtschaftung haben heute mehr Bedeutung.

Mehr als 120.000 Hektar werden statistisch als Weideflächen ausgewiesen, während im Pflanzenanbau der Weizen mit etwa 200.000 Hektar Anbaufläche dominiert, gefolgt von Gerste mit ca. 100.000 Hektar. Traditionell typischer für Thüringen ist der Gemüseanbau. Die Statistik nennt mehr als 240 Betriebe, die auf 1.743 Hektar von Erdbeeren bis Tomaten eine Vielzahl an Gartengewächsen erzeugen.

Für eine weitere Spezialität Thüringens bewirtschaften etwa 500 Betriebe 1.900 Hektar Ackerfläche: die Kartoffel. Sie ist unverzichtbar für die berühmten "Gleeß", "Hebes", "Höbes", "Hütes", "Kleese", "Klüeß" oder "Knölle", wie die "Thüringer Klöße" in den Regionen des Landes genannt werden. Wegen der Bedeutung der Kartoffel gibt es in Friemar bei Gotha seit mehr als 45 Jahren ein Schaufeld, auf dem fünfzig verschiedene Kartoffelsorten angebaut und immer wieder neue Sorten getestet werden. Alle zwölf Monate wird hier die "Thüringer Kartoffel des Jahres" gekürt.

Die Vielfalt landwirtschaftlicher Erzeugnisse wird von immer weniger Menschen produziert. Nur 2,3 Prozent aller Erwerbstätigen in Thüringen arbeiten in der Landwirtschaft. Hatten vor zehn Jahren noch 27.175 Menschen in rund 5.100 Betrieben 521.000 Hektar Agrarfläche zu bewirtschaften, so sind es heute 260.000 Hektar mehr, die durch 3.400 Betriebe und nur noch 22.300 Beschäftigte bearbeitet werden. Etwa ein Viertel davon sind Betriebsinhaber oder Familienangehörige.

Dabei erzielen die Menschen in Thüringens Landwirtschaft eine Bruttowertschöpfung von 763 Millionen Euro (2013) und tragen damit zu 1,7 Prozent an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung des Landes bei. Volkswirtschaftlich betrachtet, müsste dieses Ergebnis noch weit höher ausfallen, denn Mehrwerte wie Landschaftspflege, Umweltschutz etc. werden in die Berechnungen nicht einbezogen.

Somit leistet die Landwirtschaft im Freistaat Thüringen mehr als die Produktion von Nahrungsmitteln. Sie schafft Voraussetzungen, die für die Imagebildung des Landes unverzichtbar sind, bewahrt Traditionen und stellt sich den Herausforderungen einer zukunftsfähigen Agrarwirtschaft.

Hinweise

Redaktion: Bernd Schwintowski

Bildnachweise: Bayerischer Bauernverband, Petra Bork-/Andreas Hermsdorf-/Hans-Jürgen Steglich-/Jürgen Treiber/pixelio.de, GemüseAckerdemie, Klett Verlag, Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup, i.m.a, MedienDienst Schwintowski, privat, Zukunftsstiftung Rheinische Landwirtschaft.

Für einen besseren Lesefluss verwenden wir in unseren Beiträgen die gebräuchliche geschlechtliche Bezeichnung, in die jedoch immer auch alle anderen Geschlechter einbezogen sind.

Wir freuen uns jederzeit über Feedback, Vorschläge, Kritik und Kommentare unter:
newsletter@ima-agrar.de

Wenn Sie sich aus der Empfängerliste dieses Newsletters entfernen oder Ihre Einstellungen modifizieren möchten, klicken Sie bitte hier.

© information.medien.agrar (i.m.a) e.V., 2013