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Newsletter Februar/März 2016

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Newsletter Februar/März 2016

i.m.a aktuell

  • didacta 2016: Erfolgreiche Gemeinschaftsschau
  • Äpfel & Tomaten: Obst-Gemüse-Hits
  • Gesund ernähren: "SchmExperte" werden
  • Umwelt: Wald-Frevler
  • Lebensmittelsicherheit: Wissensdefizite
  • Mehr Landwirte: Lehre lohnt sich

Aktionen und Termine

  • Land & Genuss: Verbraucher lernen die Landwirtschaft kennen
  • Lernort Bauerhof: Neue Perspektiven
  • Gesucht: Landwirt des Jahres

Für Sie gelesen und getestet

  • Schulbuch: "Erdkunde 7/8 Gymnasium Niedersachsen"
  • Kinderbuch: "Die Milch kommt aus der Kuh"

Exkursionen in die Landwirtschaft

  • Gesamtkonzept: Gärtnern zur Konfliktbewältigung

WissensWerte zur Landwirtschaft

  • Die Landwirtschaft in ... Nordrhein-Westfalen

i.m.a aktuell

didacta 2016: Erfolgreiche Gemeinschaftsschau

Europas größte Bildungsmesse, die didacta, war auch in diesem Jahr wieder ein großer Erfolg für den i.m.a e.V.: Rund 100.000 Lehrkräfte und Erzieherinnen waren nach Köln gekommen, um sich über Neuheiten in den Bereichen der Kindererziehung und Schulbildung zu informieren. Viele der Besucher führte der Weg zur Gemeinschaftsschau "Landwirtschaft & Ernährung - erleben lernen", die vom i.m.a e.V. bereits im 17. Jahr organisiert wurde.

Zwölf Partner boten den Pädagogen vielseitiges Lehr- und Lernmaterial für die Arbeit im Kindergarten oder Schulunterricht. Der i.m.a e.V. hatte hundert verschiedene Materialien dabei, darunter auch zwei Neuheiten: den Leitfaden "Gesundes Frühstück mit Getreide im Kindergarten" und das Arbeitsheft "Unsere Milch - Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe I und II". Beide Materialien stießen bei den Erzieherinnen und Lehrkräften auf großes Interesse. In den Diskussionen mit den Pädagogen wurde deutlich, dass Ernährungsthemen aktuell eine große Rolle in den Kitas und Schulen spielen und Fachmaterialien deshalb sehr gefragt seien.

Äpfel & Tomaten: Obst-Gemüse-Hits

Äpfel, Bananen und Orangen sind der Deutschen liebstes Obst. Bei Gemüse stehen Tomaten ganz oben auf der Hitliste, gefolgt von Möhren und Gurken. Ein durchschnittlicher Haushalt kauft pro Jahr etwa 155 Kilo Obst und Gemüse. Doch die Produktion ist rückläufig, wie die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft resümiert. Die Obsternte in Deutschland ging im vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf 1,3 Millionen Tonnen zurück, bei Gemüse um knapp vier Prozent auf 3,6 Millionen Tonnen. Gleichwohl sind die Umsätze gestiegen; bei Obst um acht Prozent auf 6,5 Milliarden Euro und bei Gemüse um sechs Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Der Grund: Höhere Preise trotz stagnierender Absatzmengen. - Alles, was man zu Obst und Gemüse wissen sollte, vermitteln die Unterrichtsposter, die im i.m.a-shop kostenlos erhältlich sind.

Gesund ernähren: "SchmExperte" werden

Schulkinder und Lehrkräfte sind die Zielgruppe des neuen Landfrauen-Videos "So werden Kinder zu SchmExperten". Darin gibt es theoretische und praktische Anleitungen, wie man sich gesund ernährt und was dafür zu tun ist. Das Video ist hier zu sehen.

Umwelt: Wald-Frevler

Mountainbike-Radler und Quad-Motorradfahrer richten in Wäldern große Schäden an. Darauf hat der Waldbesitzerverband Niedersachsen hingewiesen. So würden illegale Downhill-Strecken angelegt und Biotope befahren. Der Wald als Erholungsgebiet solle auch weiterhin frei zugänglich sein, betonen die Waldbesitzer, doch dürfe dies nicht zu Lasten des Naturschutzes und der Bewirtschaftung gehen. Von ähnlichen Problemen berichten immer wieder auch Landwirte, deren Felder als "Abenteuerspielplätze" benutzt würden. Der i.m.a-"Knigge für Feld und Flur" gibt Empfehlungen, was erlaubt ist und was unterlassen werden sollte.

Lebensmittelsicherheit: Wissensdefizite

Wie sicher sind unsere Lebensmittel - dazu geht die Meinung vieler Verbraucher weit auseinander. Viele Menschen seien durch irreführende Informationen von Interessengruppen oder Medienberichte verunsichert, was heute noch bedenkenlos konsumiert werden könne, kritisiert Professor Hensel vom Bundesinstitut für Risikobewertung. So würde in Umfragen geäußert, Nahrungsmittel dürften keinerlei Rückstände von Pflanzenschutzmitteln enthalten - ein Irrtum. Immer modernere Messmethoden würden jedoch noch so kleinste Rückstände nachweisen, die man mit dem Fund eines Zuckerwürfels im Bodensee vergleichen könne, was zur Verbraucherverunsicherung beitrüge. Für den Menschen seien diese Konzentrationen jedoch unbedenklich. Hensel wünscht sich daher eine Verbesserung der Verbraucherbildung hinsichtlich der Risikoeinschätzung.

Mehr Landwirte: Lehre lohnt sich

Jeder zweite "Landwirtschaftsmeister" in Deutschland kommt aus Bayern. Fast vierhundert Männer und Frauen haben sich im vergangenen Jahr entsprechend qualifiziert. Auch bei den Berufseinsteigern gab es mit 814 Auszubildenden einen Zuwachs wie seit 15 Jahren nicht mehr. Die Ausbildung zum Landwirt hat sich auch finanziell positiv entwickelt: 723 Euro erhält ein Auszubildender im Westen, 625 im Osten Deutschlands. Die Vergütungen liegen damit durchschnittlich höher als im Handwerk.

Aktionen und Termine

Land & Genuss: Verbraucher lernen die Landwirtschaft kennen

Am 26. Februar 2016 ist es wieder soweit: Dann öffnet der "ErlebnisBauernhof mobil" in Frankfurt am Main seine Hoftore. Auf der Verbrauchermesse "Land & Genuss" wird der i.m.a e.V. drei Tage lang den kleinen und großen Verbrauchern die Landwirtschaft nahe bringen. Dies geschieht für Kinder spielerisch - mit Melkkühen aus Holz, Butter schütteln oder Hafer quetschen - und anschaulich für die Erwachsenen - mit Info-Material zu aktuellen Themen wie z.B. der Tierhaltung.

Von allen Besuchern immer wieder dicht umlagert dürfte die i.m.a-Getreidetheke sein, an der anschaulich vermittelt wird, worin sich Dinkel, Gerste, Hafer und Weizen unterscheiden. Damit dürfte die i.m.a-Beteiligung an der Verbrauchermesse wie bereits in den vergangenen Jahren wieder ein Publikumsmagnet der nachhaltigen Information über die Landwirtschaft sein - für Lehrer und ihre Klassen eine tolle Gelegenheit bei einer Exkursion das Messegelände als außerschulischen Lernort zu nutzen.

Lernort Bauerhof: Neue Perspektiven

Schulen, die Landwirtschaft betreiben, Bauernhöfe, die in der nachhaltigen Umweltbildung aktiv sind oder Lehrkräfte, die Erfahrungen mit tiergestützer Pädagogik haben - das sind nur drei Themenschwerpunkte der Bundestagung Lernort Bauernhof, die vom 4. bis 6. März 2016 in Vallendar bei Koblenz stattfindet. Das Treffen von Akteuren, die den Bauernhof als außerschulischen Lernort für Kinder und Jugendliche weiter entwickeln wollen, ist auch für Lehrkräfte und Landwirte interessant, die sich mit dem Thema neu befassen wollen. Alle Infos gibt es hier.

Gesucht: Landwirt des Jahres

Von "A" wie Ackerbauer über "B" wie Bio-Landwirt bis "U" wie Unternehmerin reichen die Kategorien, in denen beim "CeresAward" der "Landwirt des Jahres" gesucht wird. Bís zum 15. April können sich interessierte Männer und Frauen am Wettbwerb vom "dlz agrarmagazin" beteiligen. Dem Gesamtsieger winkt eine Projektförderung in Höhe von 10.000 Euro, in den Kategorien sind jeweils tausend Euro ausgelobt. Außerdem stiftet Deutz Fahr fünfzig Schlepper-Einsatzstunden. Die Siegerehrung findet am 18. Oktober in Berlin statt.

Für Sie gelesen und getestet

Schulbuch: "Erdkunde 7/8 Gymnasium Niedersachsen"

Den Schülern werden in diesem Buch zahlreiche Themenseiten geboten, auf denen Lernmethoden eingeübt werden, sowie Seiten zur selbstständigen Wiederholung der Inhalte und ein Lexikon. Ergänzend zum Schulbuch stehen für Lehrkräfte ein Lehrerband sowie Kopiervorlagen zur Verfügung. Das Buch ist auch als digitale Einzellizenz erhältlich.

Das Thema "Landwirtschaft" wird im Kapitel "Leben in verschiedenen Klimazonen" an vielfältigen Beispielen behandelt, mit denen die Schüler ihr Wissen zum Leben in den verschiedenen Klimazonen aufbauen können. Das Thema entspricht dem Kerncurriculum Niedersachsens für das Fach Erdkunde an Gymnasien. Relevante Unterthemen sind "Landnutzung in unterschiedlichen Klimazonen" und "Folgen nicht angepasster Landnutzung". Im Rahmen dieser Unterthemen wird dann Landwirtschaft an verschiedenen Beispielen, wie "Obst und Gemüse aus Spanien", "Sahelzone - ein rettendes Ufer" oder "Plantagenwirtschaft - Massen für den Export" behandelt.

So informiert z.B. die Doppelseite "Obst und Gemüse aus Spanien das ganze Jahr" über den Bewässerungsfeldbau an der spanischen Küste. Neben dem neuen Einsatz von wassersparenden Bewässerungstechniken, wird die knappe Verfügbarkeit von Wasser in der Region angesprochen. Zudem wird vom "Plastikmeer" durch den Anbau in Gewächshäusern gesprochen. Insgesamt gibt es elf ergänzende Materialien, mit denen die Aussagen des Textes vertieft und visualisiert werden. Die Quellentexte problematisieren die intensive Bewässerungslandwirtschaft, da viele Landwirte unter dem Preisdruck leiden und die Umwelt aufgrund der großen Abfallmenge an Plastik, dem Einsatz von Pestiziden sowie dem hohen Wasserbedarf beeinflusst wird.

Bei Betrachtung der Doppelseite fällt auf, dass die Schüler aufgrund der zahlreichen Materialien zwar viele Informationen erhalten, diese aber sehr fragmentiert sind. Die Schüler müssen daher ein hohes Maß an Kenntnissen besitzen, um die zahlreichen Materialien auswerten und die Informationen verarbeiten zu können. Die Aufgaben auf der Seite thematisieren die Vor- und Nachteile des Anbaus in Plastikgewächshäusern und das Klima der Region. Eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Bewässerungslandwirtschaft wird durch die Aufgaben nicht gefördert. Wünschenswert wäre an dieser Stelle, die Anzahl der Materialien zu reduzieren und ausführlichere Informationen zur Verfügung zu stellen.

Seydlitz: "Erdkunde 7/8 Gymnasium Niedersachsen G9". Verlag Schroedel, 192 Seiten, ann. DIN-A-4-Format; Preis 21,95 Euro. ISBN: 978-3507530553. 

Die ungekürzte Rezension des Buches finden Sie hier als PDF-Datei.

Kinderbuch: "Die Milch kommt aus der Kuh"

Die Landwirtschaft wird nahezu im gesamten Buch anhand von vielen verschiedenen Beispielen thematisiert. Zudem sind im Buch zahlreiche Infoseiten zu Tier- und Pflanzenarten sowie zu Fachbegriffen und Verweise auf Adressen, Tipps, Anregungen und Buchempfehlungen vorzufinden. So können Kinder ab sechs Jahren spielerisch das Leben auf dem Land, zahlreiche Tier- und Pflanzenarten kennenlernen und den Zusammenhang von Landwirtschaft und Jagd entdecken. Die Texte lassen sich unabhängig vom Fach Sachunterricht oder anderer Fächer einsetzen, und es wird durch das Buch der Erwerb von Wissen gefördert. Insbesondere durch die Kombination von Text und Bild erhalten die Kinder die Möglichkeit, zahlreiche Informationen zu den heimischen Pflanzen- und Tierarten zu sammeln, dies unterstützt die Aneignung von unterrichtlichem Wissen.

Eine Untergliederung in Kapitel ist in diesem Buch nicht vorhanden. In der Geschichte der beiden Kinder Wiebke und Michael werden auf den Seiten beispielsweise Themen wie "Die Kälber haben Durst", "Ringelschwanz und Steckdosennase" oder "Landwirtschaft und Jagd" angesprochen. Inhaltlich passend folgt auf die jeweilige Geschichte eine Infoseite, die sich mit der Tier- oder Pflanzenart beschäftigt, die zuvor angesprochen wurde.
Die einzelnen Seiten zu den Themen sind neben dem Text mit zahlreichen Illustrationen und Bildern versehen. Auf der Seite "Der Schaden im Raps" sind zum Beispiel die Abdrücke von Wildschweinen, ein Rapsfeld sowie ein Bild von Wildschweinen abgebildet. Die Infoseiten enthalten auch zahlreiche Abbildungen. Zudem sind Foto-Doppelseiten vorhanden, auf denen es für die Kinder viel zu entdecken gibt.

Eine Besonderheit des Buches sind die Tipps, Ideen und Anregungen sowie die Buchempfehlungen am Ende des Buches. Sie liefern den Erwachsenen wertvolle Tipps, um das Interesse der Kinder an diesem Thema weiter zu fördern.  
Insgesamt informiert das Buch in den vielfältigen Abschnitten der Geschichte spannend und altersgemäß über die Themen. Die Info-Seiten ermöglichen eine Vertiefung der Inhalte. So erfahren die Kinder viel über die Landwirtschaft und die Jagd, die sich durch eine realitätsnahe Schilderung auszeichnet. Auch ernsthafte Themen werden kindgerecht aufbereitet. Die zahlreichen Abbildungen sorgen für die notwendige Visualisierung der Inhalte. Insbesondere die Tipps, Ideen und Adressen am Ende des Buches heben den regionalen Aspekt der Landwirtschaft hervor und geben Anregungen zum außerschulischen Lernen.

Niko Fux: "Die Milch kommt aus der Kuh". Verlag Neumann-Neudamm, 96 Seiten, ann. DIN-A-5-Querformat; Preis 14,95 Euro. ISBN: 978-3788817268.

Die ungekürzte Rezension des Buches finden Sie hier als PDF-Datei.

Exkursionen in die Landwirtschaft

Gesamtkonzept: Gärtnern zur Konfliktbewältigung

Gerade mal zweihundert Meter von der Edith-Stein-Realschule in Wegberg bei Mönchengladberg liegt der Schulgarten entfernt, in dem Schüler der fünften bis siebenten Klassen die Landwirtschaft kennenlernen. Mit Unterstützung eines ortsansässigen Landwirts wurden zweihundert Quadratmeter Ackerfläche so aufbereitet, dass die Kinder dort Gemüse anbauen können.

Immer mittwochs lernen dort 24 Jungen und Mädchen den Umgang mit Hacke und Spaten, Gießkanne und Pflanzstab. Dieser Schulgarten ist ein weiteres Projekt des i.m.a-Partners, der GemüseAckerdemie, mit dem Kinder und Jugendliche an die Zusammenhänge natürlicher Nahrungsmittelproduktion herangeführt werden.

Bei der Edith-Stein-Realschule ist der Schulgarten zugleich auch ein Teil des pädagogischen Gesamtkonzepts, mit dem man "junge Menschen zu verantwortlichem Handeln gegenüber der Gesellschaft befähigen" möchte. Dazu gehören u.a. die Vermittlung von Sachkompetenzen und das Trainieren eines toleranten und gewaltfreien Umgangs miteinander.

WissensWerte zur deutschen Landwirtschaft

Serie: Die Landwirtschaft in...

Nordrhein-Westfalen

Was ist typisch für die Landwirtschaft in einem Bundesland, was prägt sie besonders? In unserer Serie ergründen wir Klischees und listen Fakten auf. So entsteht ein Bild von unserer Landwirtschaft, wie es Statistiken allein nicht bieten können.

Der wohl berühmteste Westfale ist Pathologe. Er lebt in Münster und ist "ne fiese Möpp", wie die Nachbarn in Köln sagen würden. Doch 13 Millionen Deutsche sind Fans des arroganten Rechtsmediziners Boerne, der sonntags im TV-"Tatort" unterhaltsam Leichen seziert und Mörder aufspürt. Tatsächlich aber ist Boerne so wenig westfälisch wie jeder Kölner dazu auffordert "Drink doch eine met", obwohl das Lied seit 45 Jahren ein Hit im Rheinland ist.

Die Beispiele illustrieren die Vielschichtigkeit von Nordrhein-Westfalen, kurz "NRW". Dort lernen westfälische Kinder auf Kühen reiten, mischt sich die rheinische Frohnatur mit der "Hömma"-Sprache im Ruhrpott und die Zurückhaltung der Sauerländer mit der Mentalität der Lipper, die sich in Pölter beömmeln. In der norddeutschen Tiefebene und dem niederrheinischen Tiefland, dem mit 17,8 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten und mit 34.100 Quadratkilometern viertgrößten Bundesland, vereinen sich wie sonst nirgendwo in Deutschland viele Kulturen und Mentalitäten aus unterschiedlichsten Hemisphären.

Für die Ernährung der 8,7 Millionen Männer und 9,1 Millionen Frauen sorgen die 116.400 Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Sie wirken auf 34.303 Betrieben, von denen ein gutes Drittel jeweils zwischen zwanzig und fünfzig Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet. Kleine Betriebe mit weniger als fünf Hektar sind eher selten: Knapp 3.000 sind es, wobei dort der Anteil von fast 5.000 weiblichen gegenüber 6.600 männlichen Arbeitskräften überproportional hoch ist - ein Indiz für die familienbetriebene Landwirtschaft. Dort ist auch die Arbeitsleistung mit 157,5 "Arbeitskrafteinheiten" pro Hektar ungewöhnlich hoch - gegenüber zwei bis drei Einheiten bei Betrieben mit mehr als fünfzig Hektar Nutzfläche.

Etwa 65 Prozent aller Betriebsflächen in NRW sind Pachtland; bei steigender Tendenz. Acht Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschaften ausschließlich Pachtland. Im Bereich zwischen zwanzig und fünfzig Hektar Nutzfläche ist diese Wirtschaftsform besonders ausgeprägt. Zählt man die fast 23.000 Betriebe hinzu, die neben 492.000 Hektar Eigenland zusätzlich 665.000 Hektar Pachtflächen bewirtschaften, wird deutlich, dass kleinteilige Landwirtschaft auch in Nordrhein-Westfalen eher die Ausnahme ist. Das war 1960 noch ganz anders. Damals gab es mehr als 122.000 Betriebe mit jeweils weniger als fünf Hektar Nutzfläche, aber nur 403 Betriebe mit mehr als hundert Hektar. 

Von den etwa 7,4 Milliarden Euro, dem Produktionswert der Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen, wird fast die Hälfte in der Tierhaltung erwirtschaftet. Mit 20,5 Prozent hat die Schweinehaltung den größten Anteil, gefolgt von der Milchwirtschaft mit 14,7 Prozent.

Insgesamt wird in fast 26.000 landwirtschaftlichen Betrieben des Bundeslandes Tierhaltung betrieben, in knapp 1.300 nach ökologischen Regeln. In beiden Bereichen dominiert die Fleischrind- bzw. Milchviehhaltung. 13.685 konventionell wirtschaftende Betriebe haben sich darauf spezialisiert. In jedem Betrieb stehen durchschnittlich 97 Tiere, während es bei den Bio-Bauern jeweils etwa halb so viele sind.

Die jährliche Leistung der Milchkühe ist in den vergangenen dreißig Jahren deutlich gestiegen (von knapp 5000 auf 7.600 Kilo pro Kuh), so dass heute bei etwa einem Drittel weniger Tiere mit 3,171 Millionen Tonnen annährend die gleiche Menge Milch erzeugt wird. Milchkühe stehen vor allem am Niederrhein und z.B. in den Mittelgebirgslagen, wie dem Sauer- und Siegerland.

Dagegen sind die Schweinehalter vor allem im Münsterland zuhause. Fast die Hälfte aller Betriebe dort halten Schweine. Mit 7,2 Millionen Tieren in 9.136 Betrieben sind die konventionell wirtschaftenden Schweinehalter eine starke Fraktion. In der Bio-Landwirtschaft sind es gerade mal 132 Betriebe mit 21.500 Schweinen.

Elf Prozent der etwa 56.600 deutschen Geflügelhalter wirtschaften in Nordrhein-Westfalen. Der Tierbestand beträgt 13,4 Millionen Hühner, Gänse, Enten, Truthühner (deutschlandweit etwa 177 Millionen Tiere), und die meisten Puten von NRW leben im Kreis Kleve an der Grenze zu Holland.

Wie andernorts in Deutschland, so dominiert auch in Nordrhein-Westfalen der Weizenanbau. Er wächst je Landesteil auf 23 bis 32 Prozent der Anbauflächen und insgesamt auf mehr als 291.000 Hektar. Mit 282.000 Hektar belegt Mais den zweiten Platz in der „Hitliste“ der Getreidearten, deutlich vor Wintergerste mit 166.000 Hektar. Die Anbauflächen für Roggen, Hafer, Sommergerste oder Triticale liegen nur im zweistelligen Bereich und beanspruchen zusammen gerade mal 5,5 Prozent der Getreide-Anbaufläche.

Das Gebiet zwischen Aachen über Dortmund bis nach Münster gilt als die Heimat der Zuckerrüben. Dort startet jedes Jahr im September die "Rübenkampagne". Bis Ende des Jahres werden auf mehr als 54.000 Hektar Ackerfläche zwischen 3,6 und 4,1 Millionen Tonnen Rüben geerntet. Die Ernte wird geradezu generalstabsmäßig organisiert. Dabei kann es schon mal für die unbeteiligten Nachbarn der Landwirte zu Behinderungen im Straßenverkehr kommen. Wurden die Rüben früher von langen Eisenbahnzügen in die Zuckerfabriken transportiert, so sind es heute LKW-Kolonnen, die diese Arbeit übernehmen. NRW zählt neben Niedersachsen zu den größten Zuckerrüben-Anbaugebieten Deutschlands.

Unter den Kartoffelanbauregionen liegt der Nachbar Niedersachsen mit mehr als hunderttausend Hektar klar vorn. Doch zwischen dem Zweiten, Bayern mit etwas mehr als 41.000 Hektar, und Nordrhein-Westfalen beträgt der Abstand nur noch zehntausend Hektar. Entscheidend aber ist weniger die Anbaufläche als die darauf erzeugbare Sortenvielfalt und deren Geschmack. Die Landwirtschaftskammer nennt mehr als zwei Dutzend Sorten, die in den Versuchsstationen in Kerpen-Buir und Waldniel auf Ertrag, Resistenzen und andere Parameter untersucht werden. Ein Fazit, das auch andernorts Gültigkeit haben dürfte, lautet: "Wer über Beregnung verfügt, hat in qualitativer und ertraglicher Hinsicht Vorteile."

Eigentlich ist Nordrhein-Westfalen ein Bundesland mit gemäßigtem Klima. Doch die globalen Veränderungen sind auch hier spürbar. Für die Landwirtschaft sind die zunehmend trockenen Sommer und frostarmen Winter eine große Herausforderung im Hinblick auf den Pflanzenschutz und die Sicherung der Erträge. Manche Pflanzen blühen inzwischen bis zu zwanzig Tage früher als noch vor fünfzig Jahren. Die Zunahme der Niederschläge um 15 Prozent in den letzten hundert Jahren ist immer dann ein Problem, wenn in kurzer Zeit große Mengen Regen fallen, die den Boden auswaschen oder die Ernte schädigen. Hierbei teilt sich das Land in zwei Regionen. Als besonders regenreich bezeichnen Meteorologen das Sauer-, Sieger- und Weserbergland sowie die Eifel. So werden z.B. im Bergischen Land 1500 mm Niederschlag gemessen, in tiefen Lagen hingegen weniger als die Hälfte.

Eine Reaktion auf die Klimaveränderungen sind die Wasserkooperationen, die im Land gegründet wurden. Ihre Ziele sind neben dem Gewässerschutz durch Verringerung des Nährstoffeintrags und der Bodenerosion vor allem eine optimale landwirtschaftliche Bewirtschaftung.

 

Kartoffeln und Äpfel - es gibt wohl kaum bessere Symbole für die Verbundenheit der Landwirte mit ihrer Krume und der Frucht ihrer Arbeit als "Himmel und Äd". Das einfache Gericht aus Kartoffelstampf und Apfelmus, bereichert um Blutwurst und geröstete Zwiebeln, steht nahezu in ganz Nordrhein-Westfalen auf den Speisenkarten.

Doch man muss aufpassen: Wer sich mit den lukullischen Genüssen zwischen Weserbergland und rheinischem Schiefergebirge befasst, darf sich nicht von deren Bezeichnungen in die Irre führen lassen. So besteht ein "Blindhuhn" ebenso wenig wie der "Halve Hahn" aus Geflügel. Das eine ist ein Eintopf aus Schinken und Speck, Äpfeln und Birnen sowie weißen Bohnen - und der Name betont, dass selbst ein "blindes Huhn" darin etwas Leckeres finden sollte. Der "halbe Hahn" hingegen besteht aus einem Roggenbrötchen mit Käse, wobei auf der linken Rheinseite in Köln Gouda gereicht wird, auf der anderen in Düsseldorf hingegen Handkäse aus Sauermilch.

Alles andere als sauer ist hingegen der Rheinische Sauerbraten. Im Gegenteil, die darin verarbeiteten Rosinen geben dem Rindfleisch eine besonders pikant-liebliche Note. Sogar im fernen Chicago zementiert dieses Gericht seit 145 Jahren den Ruhm des Restaurants, den dort ein gewisser Hermann Berghoff aus Dortmund mit seinem deutschen Bier und Sauerbraten gelegt hat. Ebenfalls aus Dortmund kommt der Pfefferpotthast - ein Gulasch, den auch Boerne im westfälischen Münster zu seinen Lieblingsspeisen zählt.

Und zum Dessert? Natürlich Erdbeeren. NRW ist mit mehr als 2.600 Hektar ein Paradies für Sammler der Sammelnussfrüchte und zählt zusammen mit Baden-Württemberg und Niedersachsen zu den Hauptanbauregionen in Deutschland. Die Zahl der Landwirte, die zur Selbsternte einladen, südlich von Köln und nördlich vom Ruhrgebiet, am Niederrhein, im Münsterland und in Ostwestfalen, ist so groß, dass selbst einschlägigen Internetforen der Überblick fehlt.

Neben den roten Schlankmachern, die mehr Vitamin C als Orangen oder Zitronen enthalten, wird viel Freilandgemüse angebaut. An der Spitze liegen die verschiedenen Kohlsorten auf knapp 4.800 Hektar, doch dann folgt bereits ein Edelgewächs: Mehr als 3.700 Hektar werden für den Spargelanbau genutzt - und die Spargelstraße des Landes zieht sich von Bonn über Brüggen, Bottrop und Bocholt bis nach Bielefeld und weiter bis an die nördliche Grenze zu Niedersachsen.

Insgesamt werden in NRW mehr als 27.500 Hektar für den Anbau sogenannter Gartengewächse genutzt. Dass es nur 219 Hektar Treibhausfläche für Tomaten, Gurken oder Salat gibt, liegt auch an den niederländischen Nachbarn, die Treibhausgemüse viel preiswerter produzieren. Dieser Konkurrenzdruck auf die Gemüsebauern in NRW wird im Gebiet der niederrheinischen Industrie- und Handelskammer deutlich. Dort stammen sechzig Prozent aller im Handelsregister eingetragenen ausländischen Unternehmen aus den Niederlanden. Die meisten sitzen in Emmerich und Kleve, Orten in unmittelbarer Grenznähe.

Auf diesen Konkurrenzdruck der Erzeuger aus dem Nachbarland haben die Gartenbauverbände Rheinland und Westfalen-Lippe reagiert, indem sie ab Juni 2016 als Gartenbau NRW gemeinsam agieren wollen. Als Grund für die Fusion nennen sie die verschärften Rahmenbedingungen und die Novellierung der Düngeverordnung. "Gärtner tragen gemeinsam mit der Landwirtschaft die Verantwortung, was mit Boden und Wasser passiert", heißt es, die man nicht aus der Hand geben wolle. Darum laute die Devise "Kooperation vor Ordnungsrecht".

Auch in der Landwirtschaft gibt es mit dem RLV und dem WLV zwei Verbände, die sich in ihren Regionen für die Interessen der Bauern einsetzen. Auch dort ist die Düngeverordnung ein heiß diskutiertes Thema. Neben vielen anderen.

Zum Beispiel der Landflucht, einem sehr großen Problem in Nordrhein-Westfalen: In den Dörfern wird die Bevölkerungszahl bis 2030 um zwanzig Prozent abnehmen, prognostizieren Wissenschaftler. Dabei ist es nicht nur der Tagebau, der Dörfer wie Borschemich zu Geisterorten macht und die in diesem Jahr den Abraumbaggern zum Opfer fallen sollen. Insgesamt sei der Leerstand in den ländlichen Regionen Westdeutschlands inzwischen sogar höher als in Ostdeutschland, weiß der Verband der Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

Zwei Drittel der NRW-Landesfläche sind ländliche Regionen, in denen mit etwa sechs Millionen Menschen nur ein Drittel der Gesamtbevölkerung lebt. Es werden immer weniger, denn junge Menschen zieht es in die Ballungsräume. Um dieser Landflucht zu begegnen, engagieren sich Bauernverbände und Landesregierung gleichermaßen. Während sich die Verbände mit ihren Institutionen wie Landjugend und Landfrauen darum kümmern, das Landleben attraktiver zu gestalten, hat das Umweltministerium rund 420 Millionen Euro Fördergelder bereitgestellt. Achtzig Prozent davon sollen in landwirtschaftliche Projekte investiert werden - für Umweltmaßnahmen, den Ökolandbau und Tierschutz. Bis 2020 werden sogar 1,2 Milliarden Euro bereitgestellt. Die Zukunft beginne auf dem Land, heißt es in der Landeshauptstadt, denn auf dem Land lägen die Produktionsstandorte gesunder Nahrungsmittel und nachwachsender Rohstoffe, dort befänden sich die Natur- und Landschaftsschutzgebiete, die ihre Beiträge zum Erhalt der Biodiversität leisten.

Gegen den demografischen Wandel im Land kämpft das westfälische Münster mittlerweile am erfolgreichsten. Prognosen besagen sogar, dass die Studentenstadt in 15 Jahren die zweitjüngste Stadt Deutschlands sein soll. Wenn dort nicht immer so viele Morde geschehen würden…

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinweise

Redaktion: Bernd Schwintowski

Bildnachweise: Archiv, BAGLoB, BfR, Bilderdienst Deutscher Bundestag, Deutscher Landwirtschaftsverlag, DLG Service GmbH, GemüseAckerdemie, Ludger Bütfering-, Peter Hensch-, Günter Kortmann-, Bernhard Rüb-, Uwe Spangenberg/Landwirtschaftskammer NRW, Sabine Jansen-Nöllenburg/LZ_Rheinland, Münsterland Tourismus, Neumann-Neudamm Verlag, Schroedel Verlag, privat, Schwintowski/i.m.a, Thomas Max Müller-, Rike-, Tanja Ritter-, Martin Schemm-, SiepmannH/pixelio.de, WDR.

Für einen besseren Lesefluss verwenden wir in unseren Beiträgen die gebräuchliche geschlechtliche Bezeichnung, in die jedoch immer auch alle anderen Geschlechter einbezogen sind.

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