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Newsletter März/April 2015

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Newsletter März/April 2015

i.m.a aktuell

  • Neuer Rhythmus: In der Mitte des Monats
  • Jetzt beim i.m.a: Bauer Willi schreibt, was Sache ist
  • LandYOUs: Mehr als ein Spiel
  • Neues Projekt: Mehr Aufmerksamkeit für das, was eh da ist
  • Außerschulisches Lernen: "Lehrer" Landwirt

Aktionen und Termine

  • Die GemüseAckerdemie: Ackern schafft Wissen!

Für Sie gelesen und getestet

  • Schulbuch: "Xa-Lando 3"
  • Schulbuch: "Unsere Erde"
  • Video: "Landwirtschaft – Gestern und Heute"

Exkursionen in die Landwirtschaft

  • Betriebe stellen sich vor: Der Hähnchenmastbetrieb Berthold Tenkmann

WissensWerte zur Landwirtschaft

  • Öko-Landbau in Deutschland

Bauer Willi

  • Alles Bio oder was?

i.m.a aktuell

Neuer Rhythmus: In der Mitte des Monats

Ab sofort erscheint der i.m.a Newsletter immer in der Mitte eines Monats. Damit eröffnen sich mehr Themen für die Berichterstattung sowohl mit Blick auf das, was zurückliegt, als auch auf bevorstehende Ereignisse.

Nach diesem Newsletter für März/April folgt also Mitte Mai der Newsletter für April/Mai.

 

Jetzt beim i.m.a: Bauer Willi schreibt, was Sache ist

Er ist streitbar. Und beliebt. Denn das, was Bauer Willi zu sagen hat, oder besser: was er (be)schreibt, trifft immer wieder den Kern eines Problems. Ob Lebensmittelpreise oder deren Qualität, ob Tierhaltung oder Umweltschutz, immer legt Willi den Finger in die Wunde. Dabei seziert er Argumente, beschreibt die Realität in der Landwirtschaft und stellt sie manchem Wunschdenken gegenüber.

Bauer Willi ist die neue Kult-Figur der Landwirtschaft. Und jetzt die kritische Stimme in unserem Newsletter. Von heute an setzt er sich hier mit der Agrar-Welt auseinander und fordert zum Dialog auf. Schreiben Sie an Willi, was Sie bewegt, was Sie zu seinen Beiträgen zu sagen haben oder welche Themen Sie vermissen: presse@ima-agrar.de.

LandYOUs: Mehr als ein Spiel

Wie muss ein Politiker handeln, damit es dem Land gut geht, für das er verantwortlich ist? Um diese Frage dreht sich ein Spiel, das vom Bereich Landschaftsökologie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung entwickelt wird. Der i.m.a e.V. beteiligt sich an diesem wissenschaftlichen Projekt beratend.

In dem Spiel geht es auch um die Landwirtschaft. Wie viel Fläche eines Landes ist notwendig, um für die Bürger eine ausreichende Agrarproduktion zu etablieren, wie viel Wald und Naturschutzgebiete kann man sich leisten, wie viel Lebensraum für Menschen in Städten und Dörfern? Und was darf das alles kosten? Zu diesen Fragen muss ein Spieler in zehn Runden Entscheidungen treffen und dabei auch die Einflüsse berücksichtigen, die von außen auf eine Gesellschaft einwirken.

Anders als bei den herkömmlichen Strategie-Spielen, in denen Landnahme und Expansion der Inhalt sind, sollen mit dem "LandYOUs online-Spiel" Studenten und älteren Schülern (z.B. Sekundarstufe 2) Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen Investitionen, Landnutzung und Erfolgsindikatoren vermittelt werden. Ein anspruchsvolles Vorhaben, das man hier kennenlernen kann.

Neues Projekt: Mehr Aufmerksamkeit für das, was eh da ist

Jeder kennt sie, doch kaum einer nimmt sie bewusst wahr: die Grünflächen im öffentlichen Raum, auf Verkehrsinseln oder am Straßenrand. Einen direkten wirtschaftlichen Nutzen bieten sie nicht; sie sind eben "eh da". Vielleicht werden sie von der Kommune gepflegt, viel mehr Aufmerksamkeit wird ihnen jedoch meistens nicht zuteil. Das soll jetzt anders werden.

Die Initiative "Innovation Naturhaushalt" und das "Forum Moderne Landwirtschaft e.V." engagieren sich für eine sinnvolle Nutzung dieser unbeachteten Grünflächen. Gerade am Straßenrand lassen sich mit wenig Aufwand nützliche Anpflanzungen realisieren, die der weiteren Entwicklung der heimischen Flora und Fauna zuträglich sind. Die so entstehende Biodiversität ist eine wichtige Basis für funktionierende Ökosysteme, die ihrerseits einen Beitrag für das menschliche Wohlergehen leisten. Insoweit ließe sich dieser Aspekt sogar auf seinen wirtschaftlichen Nutzen hin untersuchen.

Weil das Thema "Biodiversität" in den Lehrplänen von immer mehr Kultusministerien eine Rolle spielt (wenngleich es oft unter anderen Begriffen wie "Nachhaltigkeit" oder "Ökosysteme" erscheint), haben die Aktivitäten rund um die "eh-da"-Flächen auch für die Arbeit vom i.m.a e.V. Relevanz.

Daher lautet eine Empfehlung an die Lehrkräfte, sich im Rahmen ihres Unterrichts zum Thema "Biodiversität" mit den "eh-da"-Flächen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zu befassen. Buchstäblich vor der Tür jeder Schule befinden sich ungenutzte Grünflächen, die sich für die Projektarbeit eignen, wo sich "bunte Felder" mit Blühmischungen anlegen lassen, die Bienen, Schmetterlingen und Vögeln ein Zuhause bieten. Lehrmaterialien dazu, z.B. ein Unterrichtsbaustein im Lehrermagazin "lebens.mittel.punkt", ein Poster, thematische Kompendien oder Wettbewerbe sind Projekte, deren Umsetzung gerade vom i.m.a e.V. geprüft wird.

Vielleicht haben Sie schon eine konkrete Idee, was Sie mit der "eh da-Fläche" vor Ihrer Haustür machen könnten? Schicken Sie uns ein Foto davon und teilen Sie uns Ihre Idee mit. Wir sind gespannt.

Außerschulisches Lernen: "Lehrer" Landwirt

Als Koordinator vom "Forum Lernort Bauernhof" ist der i.m.a e.V. jetzt Mitglied im Fachausschuss für außerschulisches Lernen. Der Ausschuss ist Teil des didacta Fachverbandes, der die gleichnamige Bildungsmesse ausrichtet. Er kümmert sich um die Verbesserung der Zusammenarbeit mit Kultusministerien und Schulen. Ziel ist dabei unter anderem, die außerschulischen Lernorte stärker ins Bewusstsein der Bildungspolitik zu rücken, sie als wesentliche Elemente für einen praxisnahen Unterricht zu etablieren und das "Lernen auf dem Bauernhof" als Bestandteil der Lehrpläne zu verankern.

Bauernhöfe sind hervorragende Lernorte. Denn in der Landwirtschaft können Schüler gleichzeitig naturbezogene, soziale und ökonomische Kompetenzen erwerben. Das vom i.m.a e.V. betreute "Forum Lernort Bauernhof" ist dabei die zentrale Institution eines Netzwerks von Organisationen und Institutionen, die mit dem Vermitteln lernortbezogener Informationen und mit der Umsetzung von Aktionen auf Bauernhöfen befasst sind. In vielen Bundesländern existieren inzwischen gut funktionierende und untereinander vernetzte Gremien, die sich um die regionale Umsetzung der praktischen Organisation des "Lernorts Bauernhof" kümmern.

Dies geschieht u.a. durch die Qualifizierung von Landwirten als Vermittler von Wissen über die bäuerliche Arbeits- und Lebenswelt gegenüber Schulklassen und Kita-Gruppen. Mit dem neuen Curriculum "Bauernhof-Pädagoge" sollen diese Landwirte künftig noch besser auf ihre Rolle als Wissensvermittler vorbereitet werden.

 

Aktionen und Termine

Die "GemüseAckerdemie": Ackern schafft Wissen!

Lernen, was es bedeutet, Obst und Gemüse zu erzeugen und welcher Aufwand betrieben werden muss, bis alles wächst, geerntet und verkauft werden kann: Dieses Wissen wird in der "GemüseAckerdemie" vermittelt. Ihre Zielgruppe: Schüler und Kita-Kinder. Ihre Partner: Landwirte.

Gemeinsam mit den Profis vom Land setzen sich die Entwickler der "GemüseAckerdemie" seit 2013 für eine Steigerung der Wertschätzung von Nahrungsmitteln ein. Dafür unterstützen sie Schulklassen beim Anbau von bis zu dreißig Gemüsesorten auf Schuläckern oder bei Landwirten in der Nähe der Schulen. Neben dem Anbau und der Ernte gehört auch die Vermarktung der Lebensmittel zur Vermittlung von landwirtschaftlichem Basiswissen und der Funktion von Produktionsketten.

Bereits zwanzig Schulen in Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen nutzen das Bildungsangebot des gemeinnützigen Vereins Ackerdemia e.V. Den i.m.a e.V. hat das innovative Konzept überzeugt, so dass er gemeinsam mit Ackerdemia e.V. weitere Aktivitäten im Rahmen der "GemüseAckerdemie" plant, mit denen Kindern Basiswissen über die landwirtschaftliche Erzeugung von Gemüse vermittelt werden kann. Zuletzt war die "GemüseAckerdemie" beim i.m.a e.V. Gast auf der Bildungsmesse "didacta" und der "Internationalen Grünen Woche", wo das Projekt Lehrern und Schulklassen gleichermaßen vorgestellt wurde.

Inzwischen ist der Ackerdemia e.V. mit einer Crowdfunding-Kampagne auf der Suche nach Förderern, um den deutschlandweiten sowie konzeptionellen Ausbau der "GemüseAckerdemie" weiter voranzutreiben, damit noch mehr Kinder ihr Gemüse selbst anbauen, verzehren und vermarkten können. Mehr Infos finden Sie hier und hier.

Für Sie gelesen und getestet

Schulbuch: "Xa-Lando 3"

Das Schulbuch ist für den Deutsch- und Sachunterricht in den dritten Schuljahrgängen in allen Bundesländern mit Ausnahme von Bayern und Thüringen bestimmt. Es besteht aus elf Kapiteln, einer "Textwerkstatt", einer "Rechtschreibwerkstatt" sowie einer Wörterliste und einem Text- und Bildquellenverzeichnis. Das Thema "Landwirtschaft" wird im Rahmen der Kapitel "Von Straßen, Plätzen und anderen Orten" sowie "Knupser, knusper, knäuschen" thematisiert.

Die Kapitel beginnen jeweils mit einer "Auftaktseite", mit der die Schüler für das aktuelle Thema des jeweiligen Kapitels sensibilisiert werden sollen. Es folgen stets ein "Methodentraining" (z.B. Mind-Map, Lesetagebuch, Rollenspiel) sowie eine "Evaluation", in deren Rahmen das Erlernte angewendet und der Kenntnisstand überprüft werden können. Zur besseren Unterscheidung werden einzelne Kapitel auch durch Symbole gekennzeichnet (z.B. mit einem Weizenkorn das Kapitel "Knusper, knusper, knäuschen" oder mit einem Marienkäfer das Kapitel "Was krabbelt da?").

In diesen Kapiteln befasst sich z.B. die Doppelseite "Weizen und Co" mit Getreidesorten. Zunächst werden die Schüler dazu aufgefordert, im Rahmen des regionalen Lernens unterschiedliche Getreidesorten zu sammeln und zu bestimmen. Im Anschluss daran erarbeiten sie den Aufbau einer Getreidepflanze und fertigen Steckbriefe dazu an. Die folgenden Aufgaben animieren erneut zum entdeckenden Lernen, indem beispielsweise selbstständig Mehl hergestellt, Getreidesorten in unterschiedlichen Nahrungsmitteln identifiziert, Getreide angesät und aufgeschnittene Getreidekörner untersucht werden sollen. 

Mit den "Brot-Geschichten" wird dazu aufgefordert, sich Gedanken über Mahlzeiten zu machen, bei denen Brot gegessen wird und aus welchen Getreidesorten dieses besteht. Beim Themenschwerpunkt "Körner unter der Lupe" untersuchen die Schüler Mehlsorten, stellen Vermutungen zu Zutaten unterschiedlicher Brötchen an, führen Geschmackstests durch und erhalten Rezeptideen, z.B. zu Stockbrot, süßen Brötchen, Frischkorn-Müsli für die Anwendung in der Schule.

Das Bildmaterial, die Grafiken und Karten, überzeugen durch ihre Aussagekraft, Altersgemäßheit und Ansprache. Überdies fordern sie dazu auf, eigene Erkenntnisse auf Basis der Materialien zu gewinnen. Die Kombination des Deutsch- und Sachunterrichts erscheint in dem vorliegenden Werk sehr gelungen.

Ingeborg Propson (Hrsg.): "Xa-Lando 3". Deutsch- und Sachbuch, Neubearbeitung; Schöningh Verlag. 199 Seiten, ann. DIN-A-4-Format; Preis 19,95 Euro. ISBN 978-3-14-013354-8.

Schulbuch: "Unsere Erde"

Das für den Erdkundeunterricht bestimmte Lehrbuch im DIN-A4-Format vereint Schülerbuch und Atlas. Es fokussiert dabei auf die vier Kompetenzbereiche "Fachwissen und räumliche Orientierung", "Methodenkompetenz", "Handlungs- und Kommunikationskompetenz" sowie "Urteilskompetenz". Zielgruppen sind Schüler der 5. und 6. Jahrgänge an den Oberschulen in Niedersachsen. Das Unterrichtsthema "Landwirtschaft" wird thematisiert in den Kapiteln "Stadt und Land als Lebensräume vergleichen", "Landwirtschaftliche und industrielle Produktion kennen lernen" sowie "Europas Vielfalt erkennen".

Jedes Kapitel beginnt mit einer ausklappbaren Kartenseite. Auf den weiteren Doppelseiten befindet sich stets ein sogenannter "check-it"-Kasten. Ihm können die Schüler entnehmen, was sie nach der Bearbeitung der Aufgaben können sollten. Mithilfe eines "Webcodes" wird überdies die Möglichkeit gegeben, auf den Onlineseiten des Verlags differenzierte Zusatzinformationen und -materialien zu erhalten. Am Ende eines jeden Kapitels folgen die "Geo-Check"-Seiten. Hier werden die Schüler aufgefordert, die bearbeiteten Themeninhalte anzuwenden und ihr Wissen dadurch zu überprüfen.

Im Schwerpunkt "Stadt und Umland – eng verflochten" entnehmen die Schüler einem Diagramm, dass landwirtschaftliche Erzeugnisse aus den ländlichen in die städtischen Regionen geliefert werden. Dieser Aspekt wird im Rahmen der nächsten Doppelseite ("Vielfalt auf dem Land") aufgegriffen. Die Schüler erarbeiten, dass die Zahl der Landwirte in den letzten Jahren zurückgegangen ist und dass viele der kleineren Betriebe zum Nebenerwerbsbetrieb umstrukturiert wurden.

Im Kapitel "Landwirtschaftliche und industrielle Produktion kennenlernen" wird den Schülern vermittelt, dass Landschaften sowohl durch die Industrie als auch durch die Landwirtschaft geprägt werden, und dass beide Bereiche den Menschen die Möglichkeit geben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Weitere Themenbereiche sind u.a. "Grünlandwirtschaft im Allgäu", "Der Weg der Milch vom Bauern auf den Tisch", "Ökologische Landwirtschaft", "Spargel aus Niedersachsen".

Das Thema "Landwirtschaft" wird sehr facettenreich beschrieben, z.B. indem sowohl die intensive als auch die extensive Landwirtschaft dargestellt werden, oder durch das Vorstellen unterschiedlicher landwirtschaftlicher Produkte, die im europäischen Ausland hergestellt werden. Auf diese Weise können sich die Schüler unvoreingenommen ein Urteil über die unterschiedlichen Landwirtschaftsformen- und -bereiche bilden. Auch in das Themenfeld "Globalisierung" erhalten die Schüler erste Einblicke. Darüber hinaus wird die Wertschöpfungskette der unterschiedlichen landwirtschaftlichen Produkte von der Produktion bis zum Konsumenten transparent gemacht.

Durch die Methoden- und Materialvielfalt wird einerseits das entdeckende Lernen ermöglicht; insbesondere durch die Hinweise zum Besuch außerschulischer Lernorte. Andererseits kann das Erlernte selbstständig geübt, wiederholt und gefestigt werden. Die altersgemäßen und aussagekräftigen Bilder, Grafiken und Karten, die durch ihren hohen Aktualitätsbezug überzeugen, unterstützen den Aufbau von Urteilskompetenzen. Die Schüler werden dazu aufgefordert, eigene Erkenntnisse auf Basis der Materialien zu gewinnen und eine eigene Sichtweise zu formulieren.

Dr. Carolina Duda, Gabriele Diersen: "Unsere Erde – Niedersachsen", 5/6. Differenzierende Ausgabe. Cornelsen Schulverlage. 237 Seiten, ann. DIN-A-4-Format; Preis 21,50 Euro. ISBN 9783060644315, ISBN 978-3-06-064431-5.

 

Video: "Landwirtschaft - Gestern und Heute"

Zielgruppe dieses Lehrfilms für die Grundschule sind die Klassenstufen 3 und 4. Den Kindern werden in einfachen Worten Grundbegriffe der Landwirtschaft erläutert. Dabei werden die jungen Zuschauer dort angesprochen, wo sie zuhause sind. Weil dies nur selten die Welt der Landwirtschaft ist, sondern viel häufiger eine urbane Umgebung, in der Lebensmittel im Supermarkt gekauft werden, liegt dort auch der Ansatz, um den Bogen zur Erzeugung von Nahrungsmitteln zu spannen.

So beginnt ein Lehrfilm über Kartoffeln mit den bei Kindern beliebten Pommes Frites, um dann zu erläutern, dass die Kartoffel das Rohprodukt ist. Während ihr Anbau und die Ernte erläutert werden, gibt es auch einen Blick in die Historie der Landwirtschaft. Bei der Milch stellt sich die Frage, wie sie in die Kühltheke kommt und welche Produkte aus Milch erzeugt werden oder was Rinder noch an Nahrungsmitteln liefern. Alle diese Fragen beantwortet der Lehrfilm sehr anschaulich und leicht verständlich. Er orientiert sich dabei an den Bildungsplänen der Länder. Erfreulich: Weil auf erwachsene Sprecher verzichtet wird, entfällt das auf Kinder oft oberlehrerhaft wirkende Timbre dieser Stimmen. Stattdessen wurden die Texte von Kindern gesprochen, was der Zielgruppe auch akustisch gefallen dürfte.

"Landwirtschaft – Gestern und Heute", Lehrfilm Grundschule 3/4. Klasse, DVD PAL, Deutsch, 15 Min.; EUR 48,90 für Schulen mit Vorführrechten. Bestell-Nr. ZBB030.01-03; www.filmsortiment.de, Peutestraße 69, 20539 Hamburg, Tel. (040) 790 077 44

 

Exkursionen in die Landwirtschaft

Betriebe stellen sich vor: Der Hähnchenmastbetrieb Berthold Tenkmann

Eine ganz ungewöhnliche Idee hatte der Landwirt Berthold Tenkmann aus der Leerer Bauerschaft Ostendorf (Westfalen), um Besuchern Einblicke in seine Tierhaltung zu bieten. Während andere Teilnehmer des Projekts "EinSichten in die Tierhaltung" für den gewünschten Durchblick Stallfenster einbauen, stellte Tenkmann gleich ein ganzes Info-Zentrum vor seinem Hähnchenmastbetrieb auf.

Es besteht aus einem Container, in dem sich die Besucher anhand von Schautafeln und Fotos über seinen Betrieb informieren können, in dem Tierhalter Tenkmann seit 2009 jeweils knapp 40.000 Tiere aufzieht, bis sie kräftig genug sind, um an einen Frischgeflügelbetrieb in der Nähe abgegeben zu werden.

Im modernen Info-Zentrum auf dem Tenkmann-Hof informieren Tafeln über das Haltungssystem, die Futtersteuerung per Computer und weitere Details des spezialisierten Betriebs. Natürlich fehlen auch hier die Fenster zum Stall nicht. Sie wirken gleich in zwei Richtungen: Früher herrschte bei den Tieren immer große Aufregung, wenn Tenkmann den Stall für Besucher öffnete. Diesen Stress wollte er seinen Tieren ersparen. Seit die Besucher durch das Fenster verfolgen können, wie die Tiere im Stall leben, ist man zu beiden Seiten der Glasscheibe glücklich.

Berthold Tenkmann freut sich noch heute, wenn seine Besucher verwundert feststellen, dass die vielen Hähnchen nicht in Käfigen sitzen, sondern viel Bewegungsraum haben – und dass sie ein Federkleid tragen. Das Vorurteil, Tierhaltung in diesem Umfang, wie Tenkmann sie betreibt, müsse mit Tierquälerei einhergehen, löst sich laut Tenkmann bei jedem Besuch(er) im Einsichten-Container in Luft auf.

Das war auch eines der Hauptanliegen des Tierhalters, als er sich für das Projekt "EinSichten in die Tierhaltung" begeisterte: Aufklären und durch Einblicke transparent informieren. Das ist ein Credo, das sich auch Berthold Tenkmann gerne zu eigen macht. Als nächstes will er verstärkt Kindertagesstätten und Schulen einladen, seinen Hof zu besuchen und sich dort fortzubilden.

Kontakt: Hähnchenmast Berthold und Margret Tenkmann (Tel. 02551 - 7960).

 

WissensWerte zur deutschen Landwirtschaft

Öko-Landbau in Deutschland

Die ökologische Landwirtschaft kommt in Deutschland langsam voran. Erst 6,4 Prozent oder etwas mehr als eine Milliarde Hektar der gesamten Ackerfläche wurden 2013 ökologisch bewirtschaftet. Von 2012 auf 2013 stieg die Zahl der Öko-Betriebe um 239 auf 23.271 Unternehmen an. Insgesamt sind 8,2 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland auf Öko-Landbau spezialisiert. Die meisten gibt es in Baden-Württemberg und Bayern (jeweils mehr als 6.600).

An eine ökologisch betriebene Landwirtschaft werden besondere Anforderungen gestellt: Neben betrieblich geschlossenen Kreisläufen, bei denen Futter und Nährstoffe für Pflanzen und Tiere auf den eigenen Betriebsflächen erzeugt werden sollen, müssen auch zugekaufte Betriebsmittel aus ökologischer Erzeugung stammen. Ausnahmen gibt es nur wenige, die streng kontrolliert werden. Sowohl die landwirtschaftlichen Betriebe als auch die Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe und im Import müssen sich jährlichen Prüfungen unterziehen.

Ökologische Landwirtschaft ist teuer. Während z.B. eine Kuh in einem konventionellen Betrieb durchschnittlich 7.452 Kilogramm Milch im Jahr gibt, sind es bei einer Kuh auf einem Öko-Hof nur 5.880 Kilogramm. Der Weizenertrag aus ökologischem Anbau liegt bei 33,6 Dezitonnen, konventionell ist er mehr als doppelt so hoch.

Das wirkt sich auf die Preise und den Gewinn aus. Während in der konventionellen Landwirtschaft ein Kilogramm Milch 33,88 Euro kostet, müssen 42,82 Euro für Öko-Milch ausgegeben werden. Dadurch liegt der durchschnittliche Gewinn pro Arbeitskraft im Öko-Betrieb bei ca. 32.000 Euro, während er in der konventionellen Landwirtschaft 6.500 Euro höher ist. (Aus dem DBV-Situationsbericht zur Landwirtschaft).

Bauer Willi

Alles Bio oder was?

 

Wer mich nicht kennt: ich bin ein „normaler“ Ackerbauer im Rheinland, bewirtschafte vierzig Hektar, was nicht sonderlich viel ist und baue dort derzeit Zuckerrüben, Raps und Getreide an.

Jetzt stehe ich vor der Überlegung, ob ich meinen Betrieb auf Bio umstellen soll. Diese Frage kommt besonders dann hoch, wenn mal wieder in einer Talk-Show ein mehr oder weniger bekannter Schauspieler davon berichtet, dass er sich jetzt einen kleinen Bauernhof gekauft hat, auf dem er seine Lebensmittel selber anbaut; natürlich biologisch. Woraufhin dann der nächste erklärt, dass er ja jetzt auch möglichst auf Fleisch verzichtet, weil das gesünder sei und dazu beitrage, dem Hunger in der Welt zu begegnen. Und dann wird eifrig darüber geschimpft, dass die heutige Form der Nahrungsmittelproduktion unbedingt geändert werden müsste. Schnell sind sich alle einig. Das fällt nicht schwer, denn der Produzent der Lebensmittel, der Bauer, sitzt nicht mit in der Talkrunde.

Das sind solche Momente, in denen ich mich frage, ob ich in den letzten dreißig Jahren eigentlich alles verkehrt gemacht habe. Diese Art der Diskussionen, die Menge der Artikel in der Presse, die Berichterstattungen in Fernsehen und Rundfunk, nehmen immer mehr zu. Fast nie sind wir Landwirte dabei. Es wird nur über uns geredet, aber nicht mit uns. Auch in den Schulen ist es nicht viel anders. Die Schulbücher vermitteln oft ein Bild von einer Idylle, die es nur noch beim „Urlaub auf dem Bauernhof“ gibt, und dort ist die Idylle mit Hühnern, Kaninchen und Pony Teil des Marketingkonzeptes. Doch das Leben ist kein Ponyhof.

Ich kann mir mittlerweile diese Talkrunden und Fernsehberichte nicht mehr ansehen. Ich schalte um oder gehe ins Bett. Ich bin nicht nur frustriert, nein, mit der Zunahme solcher Sendungen bekomme ich immer mehr Angst. Angst davor, dass die gesellschaftliche Meinung eines Tages so weit kommt, dass die politischen Entscheidungsträger sich veranlasst sehen, dem öffentlichen Druck nachzugeben und dann sagen: Jetzt reicht’s. Und dass sie von heute auf morgen den Schalter umdrehen – so wie sie es bei der Atomkraft auch gemacht haben.

Darauf will ich vorbereitet sein. Doch bevor ich meinen kompletten Betrieb umstelle, will ich erst mal wissen, ob ich mit meinen Produkten im Biobereich eine Chance habe. Dazu macht man normalerweise erst einmal eine Marktanalyse. Als typischer Kapitalist, der ich nun mal bin, will ich nämlich mit meiner Arbeit Geld verdienen. Ich weiß, das gehört sich nicht, aber so bin ich nun mal erzogen, das ist meine Prägung durch das Elternhaus.

Also war ich jetzt in fünf Läden. Da es bei uns am Ort nur Supermärkte und Discounter gibt, ich aber nur unverarbeitete Produkte anbieten kann, habe ich mir mal das entsprechende Sortiment angesehen und vor allem, woher die Produkte kommen. Das Ergebnis: Von 24 Bio-Produkten stammten drei aus Deutschland. Das waren Dinkel-Körner (ungemahlen), Kartoffeln und Äpfel. Die meisten anderen Bio-Produkte kamen aus Spanien, Italien und den Niederlanden. Aber auch Dänemark, Polen, Ukraine, Bulgarien, China, Peru, Costa Rica, Israel und Mexiko waren auf der Liste zu finden. Ach ja, Argentinien hatte ich noch vergessen: Avocados, Bananen, Limetten, Mangos, und sogar Möhren, Gurken, Zwiebeln, Hirse und Paprika hatten einen Transportweg von mehr als tausend Kilometer zurückgelegt, bevor sie in unserem Dorf angekommen waren. Alles in Bio-Qualität.

Fazit: Für mich bleiben nach dieser Marktanalyse nur der Anbau von Dinkel und Kartoffeln übrig. Gut, Dinkel habe ich schon mal angebaut, es aber wegen fehlender Rentabilität wieder sein gelassen. Kartoffelanbau wäre machbar, dafür müsste ich halt die Maschinen zum Pflanzen und Ernten vom Nachbarn ausleihen. Ein Kartoffellager habe ich auch nicht, das müsste ich noch einrichten, was jedoch Geld kostet. Weil Kartoffeln und Dinkel nicht viel einbringen, müsste ich mir noch überlegen, welche anderen Kulturen ich zusätzlich anbaue. In Frage käme der Gemüsebau. Davon habe ich, ehrlich gesagt, nicht viel Ahnung, und sicherlich macht das auch ganz schön viel Arbeit. Maschinen für den Gemüsebau habe ich auch keine, die müsste ich also noch kaufen.

Wer soll das Gemüse pflanzen und ernten, wie soll ich das Unkraut in den Griff bekommen, ohne dafür Leute einzustellen? Und das zum Mindestlohn? Wer will denn noch die Handarbeit machen? Mein Hof liegt am Rande eines großen Ballungsgebietes und da gibt es einfachere Möglichkeiten, sein Geld zu verdienen. Soll ich wirklich osteuropäische Mitarbeiter einstellen? Und dann wieder als Ausbeuter tituliert werden?

Räume, um die Produkte verkaufsfertig zu machen, fehlen mir auch. Die müsste ich noch bauen. Da mein Hof aber im Landschaftsschutzgebiet liegt und unter Denkmalschutz steht, geht das nicht. Die Halle müsste also dort stehen, wo ich eine Baugenehmigung bekommen kann. Wahrscheinlich wäre das in einem Industriegebiet, wo ich dann hinfahren müsste. Da das Gemüse gewaschen werden muss, muss auch für das Waschwasser eine Lösung gefunden werden. Ob das einfach so in die Kanalisation abgeleitet werden darf, weiß ich nicht. Möglicherweise gibt es auch noch andere Auflagen, die ich noch gar nicht kenne. Wir leben schließlich in Deutschland.

Äpfel zu erzeugen, ist ebenfalls schwierig, weil ich keine Apfelbäume habe. Die müsste ich erst noch pflanzen, und bis sie die erste Ernte abwerfen, kann das ein paar Jahre dauern. Also müsste ich eine Menge Geld in die Hand nehmen, bevor der erste Ertrag eingefahren werden kann.

Dann ist da noch ein viel gravierenderes Problem. Ich habe kein Vieh! Um als Bio-Betrieb anerkannt zu werden, sollte ich möglichst den organischen Dünger aus dem eigenen Betrieb verwenden. Das geht aber nicht, wenn ich kein Vieh habe. Eventuell darf ich auch zugekauften Mist oder Gülle aus anderen Bio-Betrieben nehmen. Nur: hier im Umkreis gibt es keine.

Nun entscheiden sich immer mehr Menschen für die vegetarische oder vegane Lebensweise. Was würde ich also mit den Tieren machen, wenn ich welche anschaffe? Einen Stall müsste ich erst noch bauen, die Arbeitsbelastung würde noch höher, weil ich die Tiere ja versorgen muss. Ohnehin liegt der Marktanteil von Bio-Fleisch bei unter zwei Prozent. Außerdem: Wie viele Tiere darf ich denn halten, ohne dass ich mir den Vorwurf der Massentierhaltung anhören muss? Und ohne Vieh? Was mache ich dann mit dem Kleegras, das ich anbauen muss, um Stickstoff in den Boden zu bekommen? Kleegras verkaufen? Wer will das hier haben?

Wenn ich von konventioneller Landwirtschaft auf Bio umstelle, gibt es zusätzliche Subventionen. Dazu habe ich kürzlich in einer Studie des Umweltbundesamtes gelesen, dass der Anteil der Fläche, die auf Bio umgestellt wird, jährlich nur 0,25 Prozent beträgt, und dass die Mittel für die Umstellung unbedingt aufgestockt werden sollten. Also noch mehr Subventionen! Das will ich eigentlich auch nicht, denn das wird mir dann auch wieder aufs Butterbrot geschmiert.

Alle Investitionen, die für die Umstellung auf Bio notwendig sind, müssen sich schließlich auch rechnen. Normalerweise schreibt man diese auf 15 bis 20 Jahre steuerlich ab. Was ich also jetzt mache, muss auch in zwanzig Jahren noch sinnvoll sein. Ich möchte meinen Betrieb ja zukunftsfähig der nächsten Generation übergeben. Und die steht schon in den Startlöchern.

Könnt ihr mir einen Rat geben? Soll ich den Schritt wagen? Würdet ihr das machen?

Euer Bauer Willi

 

Hinweise

Redaktion: Bernd Schwintowski

Bildnachweise: aid infodienst, Archiv/i.m.a, Cornelsen Verlag, eh-da-Flächen, filmsortiment.de, GemüseAckerdemie, Helmholtz Zentrum für Umweltforschung/Landschaftsökologie, Forum Lernort Bauernhof, Franz Neugebauer, i.m.a, privat, Schöningh Verlag
Quellen: DBV/Statistisches Bundesamt

Für einen besseren Lesefluss verwenden wir in unseren Beiträgen die gebräuchliche geschlechtliche Bezeichnung, in die jedoch immer auch alle anderen Geschlechter einbezogen sind.

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