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Newsletter Mai/Juni 2016

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Newsletter Mai/Juni 2016

i.m.a aktuell

  • Wirtschaftskunde: Lebensmittelpreise und Verbraucherverhalten
  • Ernährungsbildung: Neues Arbeitsheft rund um den Rohstoff Milch
  • Landfraß: Auf Beton wächst kein Brot

Aktionen und Termine

  • Betriebsbesuche: Landwirte laden ein zum "Tag des offenen Hofes"
  • Lernen auf dem Bauernhof: Landfrauen machen Schule

Für Sie gelesen und getestet

  • Lehrer-Ratgeber: "Mehr Gelassenheit und Achtsamkeit im Schulalltag..."
  • Lernset: "Kuh + Du macht Schule"

Exkursionen in die Landwirtschaft

  • Gemüseanbau online: Ackern am Bildschirm

WissensWerte zur Landwirtschaft

  • Die Landwirtschaft in ... Hamburg

i.m.a aktuell

Wirtschaftskunde: Lebensmittelpreise und Verbraucherverhalten

Schülern die Zusammenhänge zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen zu erläutern, geht jetzt ganz anschaulich mit dem neuen Flyer "Lebensmittel Preis - wert", der in der "3-Minuten-Info"-Reihe des i.m.a e.V.erschienen ist. Lehrkräfte können ihn im i.m.a-Shop kostenlos anfordern. Auf vier Seiten wird verständlich erklärt, warum die Existenz vieler Landwirte aufgrund sinkender Lebensmittelpreise gefährdet ist. Wenn heute in den TV-Nachrichten über eine "Preiskrise in der Landwirtschaft" berichtet wird, erläutert der Flyer die Hintergründe; z.B., warum Getreide, Milch und Schweinefleisch kaum noch kostendeckend produziert werden können, wie lange die Menschen früher für den Kauf von ein paar Eiern oder einem Päckchen Butter gearbeitet haben und wie viel Arbeitszeit sie heute dafür aufwenden müssen. Damit eignet sich der Info-Flyer ideal für den Einsatz im Wirtschaftskundeunterricht, aber auch in anderen Fächern, die sich mit der Marktwirtschaft befassen.

 

Ernährungsbildung: Neues Arbeitsheft rund um den Rohstoff Milch

So vielfältig wie die Milchprodukte sind, so vielseitig ist das neue Arbeitsheft "Unsere Milch" an weiterführenden Schulen einsetzbar. Die darin behandelten Themen eignen sich sowohl für den Einsatz im Biologie- und Chemie-Unterricht als auch für den Geographie-, Politik-, Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Unterricht oder in der Hauswirtschaft und Ernährungskunde. Immer steht der Rohstoff Milch im Mittelpunkt, von dem in deutschen Ställen jährlich mehr als 32 Millionen Tonnen von 4,3 Millionen Kühen erzeugt werden und der in unserer Ernährung eine so wichtige Rolle spielt.

In sieben Kapiteln werden in dem Arbeitsheft die Bereiche Produktvielfalt, Ernährung, Milchwirtschaft, Technik, Statistik, Umwelt und Berufe ausführlich behandelt. Auch für Schüler, die keine Milchprodukte konsumieren, sei es wegen einer Unverträglichkeit oder aus anderen Gründen, finden sich in der "Milchmappe" ausführliche Sachinformationen.

Lehrkräften bietet das Heft umfassende methodisch-didaktische Anregungen, um das Thema im Unterricht aufzugreifen. Beigelegte Arbeitsblätter dienen als Kopiervorlagen für individuelle Schüleraufgaben. Das vom i.m.a e.V. und der Gemeinschaft der Milchwirtschaftlichen Landesvereinigungen e.V. aufgelegte Arbeitsheft ist deutschlandweit das einzige derart umfassende und kostenlose Unterrichtsmaterial zum Thema "Milch", das auch von Lehrplänen unabhängig einsetzbar ist. Lehrkräfte können es im i.m.a-shop kostenlos anfordern.

Mit dem neuen Milch-Arbeitsheft schließt der i.m.a e.V. die Lücke zur bereits sehr erfolgreichen "Milchmappe" für die Primarstufe. Damit bietet der Verein umfassendes Lehr- und Lernmaterial zum Thema "Milch" für alle Altersstufen an.

Landfraß: Auf Beton wächst kein Brot

Immer mehr Fläche geht der Landwirtschaft verloren. Täglich sind es etwa 73 Hektar, mehr als 102 Fußballfelder, auf denen kein Getreide mehr wächst und keine Tiere Futter finden. Stattdessen entstehen Gewerbegebiete und Autobahnen, aber auch Wohnsiedlungen. Es ist vor allem die Zersiedelung, die der Landwirtschaft Sorgen bereitet. Auch dort, wo Landwirtschaftsflächen zerschnitten werden, kann nicht mehr effizient produziert werden.

Ein Beispiel: die Errichtung von Windkraftanlagen. Die riesigen Windräder stehen auf massiven Betonsockeln, die bis zu zwanzig Meter tief im Ackerboden verankert sind - und im Falle eines Rückbaus der Anlagen nicht entfernt werden müssen, beanstanden Kritiker. Jedes Windrad erschwert die Bestellung des Ackerbodens und Vieh lässt sich auf diesen Flächen ohnehin kaum noch halten.

So haben Milchbauern jetzt in Nordrhein-Westfalen kritisiert, dass in ihrem Bundesland täglich 15 Hektar Ackerfläche zubetoniert werden; aktuell sind es zehn von fünfzig Hektar nördlich von Wuppertal. Nicht anders sieht es in Bederkesa-Alfstedt nordöstlich von Bremerhaven aus. Überall formieren sich Initiativen gegen den "Landfraß", von denen viele unter dem Motto "Auf Beton wächst kein Brot" auf die Situation aufmerksam machen.

Wer mehr wissen möchte, findet in unserer "3-Minuten-Info Flächenverbrauch" kompakte Fakten zum Thema sowie weiterführende Informationen auf der Internetseite vom Umweltbundesamt.

Aktionen und Termine

Betriebsbesuche: Landwirte laden ein zum "Tag des offenen Hofes"

Am 21. Mai hat wieder die bundesweite Aktion "Tag des offenen Hofes" begonnen. In den kommenden Wochen und Monaten öffnen immer wieder Landwirte ihre Höfe und zeigen Verbrauchern, wie sie arbeiten und wo unsere Nahrungsmittel herkommen. Der Auftakt zu der alle zwei Jahre neu aufgelegten Aktion hat in diesem Jahr im baden-württembergischen Schlat bei Göppingen stattgefunden. Eingeladen hatten Milchviehhalter Christoph Glaser, die Landjugend und Landfrauen, der Bauernverband und die "Kuh Karla", das Aktionsmaskottchen.

Der i.m.a e.V. unterstützt die Bäuerinnen und Bauern im Dialog mit den Verbrauchern: Bis zum Ende der Aktion werden sich wieder tausende Hofbesucher "live" auf den Bauernhöfen orientiert und anhand der i.m.a-Materialen informiert haben. Besonders beliebt sind Sachinfos über landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Getreide, Informationen zur Tierhaltung und Malhefte für Kinder.

Alle Informationen zum "Tag des offenen Hofes" sowie Adressen der Betriebe, die einladen, finden sich hier.

 

Lernen auf dem Bauernhof: Landfrauen machen Schule

Bereits mehr als 60.000 Kinder aus bayerischen Grund- und Förderschulen wurden in den vergangenen 14 Jahren mit dem Projekt "Landfrauen machen Schule" erreicht. Aktuell sind es 230 Klassen in 63 Grundschulen, die sich an der jetzt wieder neu gestarteten Aktion beteiligen. Im Rahmen der Ernährungs- und Gesundheitsbildung lernen sie von den Landfrauen, wie Nahrungsmittel entstehen, wie sie zubereitet werden und wie man sich gesund ernähren kann.

Dazu gehen die bayerischen Landfrauen in die Schulen und unterstützen die Lehrkräfte. Diese haben zuvor festgelegt, welches Schwerpunktthema behandelt werden soll. Zur thematischen Auswahl stehen Eier, Fleisch, Gemüse, Getreide, Kartoffeln, Käse, Milch und Obst. Eine Ernährungsexpertin vom Bayerischen Bauernverband vermittelt den Kindern in der Schule die Vorzüge regional erzeugter Produkte stehen und wie sie zubereitet werden.

Bei einer Exkursion auf den Bauernhof wird "live" vor Ort gelernt. Hierbei erfahren die Kinder von Bäuerinnen und Bauern, wie unsere Nahrungsmittel entstehen und was die Landwirte tun, um hochwertige Produkte zu erzeugen.

Nicht nur in Bayern engagieren sich Landfrauen in der Fortbildung. Mit dem Projekt "SchmExperten" sind die Frauen aus der Landwirtschaft bundesweit aktiv und vermitteln Wissen und Fertigkeiten in der gesunden Ernährung für Schüler der fünften und sechsten Klassen. Kita-Erzieherinnen werden mit dem Projekt "Gartenkinder" in der Naturbildung unterstützt, um Vorschulkindern zu erläutern, wie Obst und Gemüse wachsen und wie wichtig sie für unsere Ernährung sind.

Weitere Informationen zu den Aktivitäten der Landfrauen finden Sie hier.

Für Sie gelesen und getestet

Lehrer-Ratgeber: "Mehr Gelassenheit und Achtsamkeit im Schulalltag…"

In letzter Zeit werden Lehrkräfte immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen Schulkinder von Landwirten durch Klassenkameraden diffamiert werden. Der Umgang mit Ausgrenzung und anderen Herausforderungen im Schulalltag stellt die Pädagogen vor neue Herausforderungen. Ein Ratgeber will ihnen mit praktischen Tipps Hilfestellungen geben, wie z.B. mit Unterrichtsstörungen umgegangen werden kann oder wie Vertretungsstunden und Elterngespräche zu meistern sind. Hilfreiche Gedanken und Erkenntnisse aus insgesamt fünfzig Jahren Berufserfahrungen werden von den beiden Autorinnen gebündelt, sodass möglichst viele Lehrkräfte erreicht, entlastet, unterhalten und informiert werden.

Das Buch gliedert sich in acht Kapitel. Neben gesellschaftlichen Bedingungen, etwa beim Umgang mit Diffamierungen unter den Schülern, der Lehrerrolle und der Schülerrolle werden auch der Lebensraum Schule sowie die Nachhaltigkeit des Lernens behandelt.

Das Kapitel "Natürliche Feinde oder die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler" zeigt in drei Unterkapiteln wesentliche Aspekte für eine gute Beziehung zwischen Lehrer und Schüler auf. Es beleuchtet typische Szenen im Unterrichtsalltag und beschreibt diese als "Kampfschauplätze". Der "Stopp-Abschnitt" will den Lehrkräften veranschaulichen, dass manch eine typische Verhaltensweise, die wenig gewinnbringend ist, und die Energie, die dabei investiert wird, besser an anderer Stelle gebraucht werden kann. Als Fallen im Schulalltag werden Situationen wie Nachsichtigkeit oder zu gute Noten benannt, die mitunter gegeben werden, um bei den Schülern beliebt zu sein. Zwar lassen sich hierdurch kurzfristige Erfolge erzielen, die jedoch nicht zu einer nachhaltig besseren Lehrer-Schüler-Beziehung führen, konstatieren die Autorinnen. Sie behandeln viele Aspekte, die im Schulalltag als selbstverständlich wahrgenommen werden, die jedoch bedeutsame Stellschrauben für eine harmonische Beziehung sein können.

Im Kapitel "Schule als Lebensraum" werden neue Einstellungen vermittelt, die den Lehrkräften empfehlen, die Schule nicht nur als Lernanstalt und Arbeitsplatz anzunehmen. Insbesondere die Anregung zu einem Perspektivwechsel und der Betrachtung der Schule als Lebensraum aus Schülersicht könne zu produktiven Veränderungen führen, sodass Schule für alle Beteiligten positiver erlebt werde.

Auch das in Deutschland häufig als schwierig erachtete Thema "Elternarbeit" wird in diesem Ratgeber einfach und humorvoll angegangen. Die Autorinnen regen an, die Eltern als Partner zu sehen, wenn es um das Wohl und Fortkommen des Schülers geht. Als Tipps werden beispielsweise das Nutzen der Erfahrungen der Eltern, das Entgegenbringen von Wertschätzung sowie transparentes Verhalten benannt.

Insgesamt besticht der Ratgeber, der sich vielen Themen widmet, durch seinen lockeren Sprachstil und seinen Humor. An vielen Stellen können reale Alltagssituationen nachempfunden werden. Insbesondere die Offenlegung gängiger negativer Denkweisen und Ansichten sowie das Aufzeigen von Stopp-Signalen, Fallen und neuer Herangehensweisen, ermöglicht es, Sichtweisen und Einstellungen zu wandeln und mit mehr Gelassenheit an den Berufsalltag heranzugehen.

Brosche, H./Kasten, J. "Mehr Gelassenheit und Achtsamkeit im Schulalltag. So können wir es packen", Cornelsen Verlag 2015, 118 Seiten, ann. DIN-A-4-Format, Preis 12,99 Euro. ISBN: 978-3-589-16045-7.

Die ungekürzte Rezension des Buches finden Sie hier als PDF-Datei.

Lernset: "Kuh + Du macht Schule"

Mit einem "Lernset" will der Welttierschutzgesellschaft e.V. in Schulklassen vorstoßen, um dort für seine Kampagne zur Verbesserung der Haltungsbedingungen von Milchkühen zu werben. Lehrkräfte sollen motiviert werden, für 19 Euro eine Zusammenstellung aus Kunststoffbechern und -löffeln, laminierten Plastikkarten und weiterem Aktionsmaterial zu erwerben, um damit neun- bis zwölfjährige Kinder der vierten bis sechsten Schulklassen zu unterrichten. In einem ebenfalls beigelegten "Milchratgeber" wird versucht, die in der Landwirtschaft gebräuchlichen Arten der Tierhaltung von Milchkühen gegenüberzustellen. Dabei wird deutlich Reklame für drei Bio-Milchmarken gemacht. Zudem dient auch dieser tendenziöse "Ratgeber" zur Spendensammlung der Gesellschaft. Ferner finden sich Werbepostkarten und -Flyer in dem Pappkarton, mit denen um Fördermitgliedschaften geworben wird.

Problematisch erscheint der Einsatz der als Unterrichtsmaterialien gedachten Plastikkarten. Sie weisen scharfe Schnittkanten auf, an denen sich die Schulkinder leicht verletzen können. Auch wird nicht deutlich, wie diese Karten und weiteren Bestandteile des "Lernsets" im Unterricht eingesetzt werden sollen, weil eine didaktische Anleitung fehlt. Stattdessen wird empfohlen, eine "Tierschutzpädagogin" der Welttiergesellschaft in den Unterricht zu holen. Dabei können viele der mit dem "Lernset" empfohlenen Aufgabenstellungen von Lehrkräften auch ohne Einsatz der Materialien leicht realisiert werden; wie z.B. ein Geschmackstest unterschiedlicher Milchprodukte.

Bedenklich erscheint die Unterstützung des Projekts durch den niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer, der damit die gebotene Neutralität gegenüber Interessengruppen verlässt. Auch dass manche Institutionen und Medien der Landwirtschaft das "Lernset" bedenkenlos empfehlen, nährt den Verdacht, dass diese sich kaum mit den Inhalten auseinandergesetzt zu haben scheinen.

Exkursionen in die Landwirtschaft

Gemüseanbau online: Ackern am Bildschirm

Um die Landwirtschaft zu entdecken, ist es natürlich immer am besten, einen Bauernhof zu besuchen, einen Stall zu besichtigen oder die Feldarbeit auf dem Acker zu erleben. Aber für wen ein Besuch im größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiet Bayerns zu weit ist, der kann auch am heimischen Computerbildschirm auf die Reise gehen - ins Knoblauchsland. Dort produzieren 120 Betriebe auf 2100 Hektar Anbaufläche für die Region um Nürnberg und darüber hinaus.

Mit einem lehrreichen Film in leicht verständlicher Kindersprache wird die Arbeit der Gemüsebauern erläutert, die "Gärtner" als Berufsbezeichnung angeben. Es wird gezeigt und erläutert, welche Arbeitsschritte auf den Feldern und in den Gewächshäusern erforderlich sind, damit das Gemüse wächst und gedeiht. Dieser Film ist ein perfekter Einstieg in die Materie.

Weitere Filme vertiefen das Thema; z.B. zur Vermarktung des Gemüses oder zum Berufsbild des Gärtners. Immer gibt es dazu begleitendes Lehr- und Arbeitsmaterial, etwa über die Lage des Anbaugebiets oder das Klima, die Produkte, den Energieverbrauch und die Funktionsweise eines Gewächshauses oder der Absatzmärkte. Die Arbeitsblätter stehen als Word-Dateien zur Verfügung und können zum Selbstlernen genutzt oder von den Lehrkräften heruntergeladen werden. Diese kleine Entdeckungsreise in ein großes Anbaugebiet ist eine lehrreiche Idee vom Gemüseerzeugerverband Knoblauchsland e.V., um Kindern und interessierten Erwachsenen zu vermitteln, wie die moderne Landwirtschaft heute Nahrungsmittel produziert. Hier gibt es die Filme.

WissensWerte zur deutschen Landwirtschaft

Serie: Die Landwirtschaft in...

Hamburg

Was ist typisch für die Landwirtschaft in einem Bundesland, was prägt sie besonders? In unserer Serie ergründen wir Klischees und listen Fakten auf. So entsteht ein Bild von unserer Landwirtschaft, wie es Statistiken allein nicht bieten können.

Wer auf die Landwirtschaft in Hamburg schaut, wird schnell feststellen: Da haben wir den Salat! Denn nirgendwo in Deutschland wird auf so begrenztem Raum so viel Blattgemüse angebaut, wie in der Hansestadt. Überhaupt dominiert der Gartenbau in der Landwirtschaft links und rechts der Elbe. Fast neunzig Prozent der rund 800 landwirtschaftlichen Betriebe bauen Freilandgemüse an. Der durchschnittliche Ertrag liegt bei 11.000 Tonnen im Jahr, der neben dem dominierenden Salat auch durch weiteres Frucht- und Wurzelgemüse erzielt wird.

Nicht nur im Freilandanbau glänzen die Hanseaten mit Superlativen. Mit zwei Millionen Quadratmeter Gewächshausfläche besitzt Hamburg eines der größten Gewächshausgebiete Deutschlands. Auch die Zucht und der Anbau von Blumen ist spektakulär: Allein Rosen werden hier auf sechzig Hektar gezogen. Insgesamt ist die Blumenanbaufläche der Hansestadt so groß wie die entsprechenden Anbauflächen von Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland und Sachsen-Anhalt zusammen.

Dass Hamburg nicht nur das "Tor zur Welt" ist, sondern auch die deutsche Obsthauptstadt, ist mehr als ein "Klönsnack" bei Hafenrundfahrten. Pro Woche werden etwa eine Million Kartons mit Früchten aus aller Welt im Hafen umgeschlagen. Den kürzesten Transportweg haben Äpfel. Sie wachsen buchstäblich gleich hinter dem Hafen - im "Alten Land".

Seit dem 17. Jahrhundert wird dort Obst angebaut. Einst auf beschaulichen zweihundert, heute auf mehr als 10.700 Hektar. Der überwiegende Teil gehört zwar zu Niedersachsen, nur 1.196 Hektar liegen auf Hamburger Stadtgebiet, die von 140 Betrieben bewirtschaftet werden. Aber Hamburg rühmt sich, mehr Obstbäume als Schleswig-Holstein zu haben. In den letzten zwanzig Jahren habe sich der Bestand im Stadtgebiet auf mehr als 2,6 Millionen Obstbäume verdoppelt. Natürlich stehen die meisten im "Alten Land", das für viele Hansestädter damit der "Obstladen vor der Tür" ist.

Jeder dritte deutsche Apfel kommt aus dieser Region, dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet in Mitteleuropa. Neben den mit 77 Prozent dominierenden Äpfeln bilden Kirschen mit 12,7 Prozent Anbaufläche einen weiteren Schwerpunkt. Und ein Ausflug während der Blütezeit oder zur "Altländer Kirschenwoche" ab 1. Juli 2016 steht bei vielen Hanseaten jedes Jahr im Kalender.

Wo viel Obst, Gemüse und Blumen wachsen, fühlen sich auch die Bienen wohl. Hamburgs 70 Imker betreuen mehr als 4.000 emsige Völker, die im Jahr durchschnittlich 130 Tonnen Honig produzieren.

Die Landwirtschaft in Hamburg ist aber nicht allein auf den Obst- und Gemüsebau oder die Blumenzucht ausgerichtet. Im Stadtstaat gibt es mit rund zweihundert Betrieben noch eine beachtliche Zahl an Tierhaltern. Bei mehr als hundert stehen 6.200 Rinder und zwanzig Unternehmen betreiben Milchwirtschaft mit durchschnittlich 46 Kühen, der Rest verteilt sich auf Schweine-, Geflügel- und Schafhaltung. Dabei handelt es sich um vergleichsweise kleine Betriebe. So halten z.B. dreißig Legehennenbetriebe zusammen 3.100 Hennen und ebenso viele Schafhalter 1.900 Tiere. Nur zwölf Betriebe unterhalten Schweineställe.

Geschlachtet werden vor allem Rinder. Bei der letzten Erhebung waren es etwa 1.900 Tiere pro Jahr. Während hier ein Rückgang um 16 Prozent zu verzeichnen war, nahm die Zahl beim Schlachtgeflügel um vier Prozent auf mehr als 1,5 Millionen Tonnen zu. Der gesamte Viehbestand hatte sich jedoch nur geringfügig um 0,5 Prozent auf knapp 6.300 Tiere verringert.

Hamburgs Bürgerschaft, das Stadtparlament, sieht Rinder gerne auf Weiden weiden. Darum wird die Sommerweidehaltung sowohl in konventionellen als auch in ökologisch wirtschaftenden Betrieben gefördert. Die Motivation dafür wird aber nicht allein mit dem Tierschutz begründet, sondern auch mit dem Erhalt von Grünland und einer "lebendigen ortstypischen Kulturlandschaft".

Die wird auch auf anderen Wegen gefördert; etwa wenn es darum geht, ländliche Strukturen zu erhalten und die landwirtschaftliche Produktion zu unterstützen. So wurden zwischen 2009 und 2012 fast 220.000 Euro in die Absatzförderung landwirtschaftlicher Erzeugnisse auf Hamburger Wochenmärkten investiert, um z.B. die Bewohner im Stadtteil Bergedorf für den Einkauf regionaler Produkte zu sensibilisieren. Kooperationen mit Einzelhändlern und Gastronomen ergänzten diese Form der Verbraucheraufklärung, die längst auch im Fernsehen Beachtung findet, wo immer häufiger Köche auf den Zusammenhang zwischen Produktfrische und Erzeugungsstandort verweisen.

Hamburgs Landwirtschaft bietet dafür beste Voraussetzungen: Sie ist durch überwiegend kleine Betriebe geprägt, die nahe beim Konsumenten durchschnittlich 19 Hektar bewirtschaften (Bundesdurchschnitt: drei Mal so viel). Über Flächen von mehr als hundert Hektar verfügen nur dreißig Landwirte. Mehr als sechzig Prozent aller landwirtschaftlich genutzten Flächen sind Pachtland. Der Getreideanbau findet auf gerade mal 2.400 Hektar statt, Hackfrüchte wie Kartoffeln oder Zuckerrüben werden auf weniger als vierzig Hektar angebaut. Von den 800 landwirtschaftlichen Betrieben betreiben 4,1 Prozent ökologischen Landbau auf durchschnittlich 37 Hektar. Unter den etwa 200 Tierhaltern wirtschaften 5,6 Prozent ökologisch.

Insgesamt finden rund 3.700 Menschen Arbeit in der hansestädtischen Landwirtschaft, darunter 1.300 Saisonarbeitskräfte und 900 weitere Arbeitnehmer. Mit 1.500 Beschäftigten ist die familienbetriebene Landwirtschaft führend in der Hansestadt. Dort sind durchschnittlich 4,9 Arbeitskräfte in landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigt - 1,3 mehr als im bundesdeutschen Durchschnitt.

Zwei Drittel der Hamburger Betriebe wirtschaften im Haupterwerb, beim Rest dominieren Einkommenskombinationen aus Landwirtschaft, insbesondere im Bereich der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, sowie der Pensions- und Reitsportpferdehaltung. Fast 3.000 Tiere stehen in mehr als 130 Betrieben. Mit 3.800 Hektar bewirtschaften diese Betriebe mehr als die Hälfte des Dauergrünlands in der Hansestadt. Während in dem Stadtstaat insgesamt 46 Prozent der landwirtschaftlichen Bodennutzung durch Dauergrünland erfolgt, sind es im Bundesdurchschnitt gerade mal 28 Prozent.

Grünlandbewirtschaftung spielt in der Hansestadt auch in einem anderen Bereich eine beachtliche Rolle: Zwanzig Prozent der 755 Quadratkilometer Landesfläche gehören zu den 36 Landschaftsschutzgebieten im Hamburger Stadtgebiet, von denen zuletzt die Wilhelmsburger Elbinsel mit ihren 720 Hektar als Dauergrünland und Vogelbrutgebiet unter Schutz gestellt wurde. Insgesamt ist etwa ein Drittel der 6.400 Hektar Naturschutzfläche Dauergrünland, das nur für eine entsprechend angepasste landwirtschaftliche Nutzung bereitsteht. Auch hier erhalten Landwirte für Einschränkungen beim Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmitteln einen Ausgleich zur Gleichstellung gegenüber ihren Kollegen außerhalb der Schutzzonen.

Mit Fördermaßnahmen wird auch versucht, die Wirtschaftskraft und Lebensqualität im ländlichen Raum der Hansestadt zu erhalten. Dort, wo Landwirte nicht mehr Bauern sein wollen, werden mit "Investitionen zur Diversifizierung" und "Umnutzung land- und forstwirtschaftlicher Bausubstanz" die ehemals landwirtschaftlichen Leistungen in andere Wirtschaftsbereiche verlagert. Bis Ende 2014 wurden 59 Betriebe derart gefördert.

Ein Beispiel für Strukturveränderungen vor bereits mehr als vierzig Jahren liegt in Hamburg-Mitte. Es ist der kleine "Stadtteil" Neuwerk. Auf der Exklave, eine Insel 120 Kilometer westlich von Hamburg in der Helgoländer Bucht, wurde bis in die siebziger Jahre Landwirtschaft betrieben. Heute leben die 35 Bewohner der Nordseeinsel vom Tourismus und begleiten Gäste beim Wattwandern sicher ans andere Ufer.

Dass die Hansestadt insgesamt vor einem landwirtschaftlichen Strukturwandel steht, ist nicht zu befürchten. So lange wir weiterhin Obst, Salat und Rosen aus Hamburg beziehen, gibt es für die Landwirtschaft in der zweitgrößten Stadt Deutschlands noch viel zu ackern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinweise

Redaktion: Bernd Schwintowski

Bildnachweise: Archiv, BBV, BDL, Cornelsen Verlag, Gemüseerzeugerverband Knoblauchsland e.V. , GMH/M.Rusinger, i.m.a, KnoblGerritje Deterding-; M.Großmann-, Nick Herbold-, Joujou-, Jörg Klemme-, Barbara Nobis-, Gabriele Planthaber-, Marlies Schwarzin-, Rainer Sturm-, Virra-, Erich Westendarp/pixelio.de, privat, Welttierschutzgesellschaft e.V.

Für einen besseren Lesefluss verwenden wir in unseren Beiträgen die gebräuchliche geschlechtliche Bezeichnung, in die jedoch immer auch alle anderen Geschlechter einbezogen sind.

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