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Newsletter November/Dezember 2015

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Newsletter November/Dezember 2015

i.m.a aktuell

  • Weihnachten 2015: Nicht ohne unsere Bauern
  • Internationale Grüne Woche: Erlebnisse auf dem i.m.a-Wissenshof
  • Lehr- und Lernmaterial: Garantiert nicht umsonst

Aktionen und Termine

  • Gute Tierhaltung: Das ist "Echt Kuh-l"
  • Landjugend: Zeig uns Dein Projekt

Für Sie gelesen und getestet

  • Kinderbuch: "Erntefest und Kartoffelfeuer"
  • Schulbuch: Ravensburger gelobt Besserung

Exkursionen in die Landwirtschaft

  • Philosophie auf dem Gemüseacker

WissensWerte zur Landwirtschaft

  • Die Landwirtschaft im ... Saarland

i.m.a aktuell

Weihnachten 2015: Nicht ohne unsere Bauern

Dieses Weihnachtsfest wird anders. Bei uns sind viele Menschen zu Gast, denen es wie dem jungen Paar geht, das einst von Haus zu Haus geirrt ist, um schließlich im Stall eines Landwirts Unterschlupf zu finden. Die Ställe unserer Tage sind Zelte, Turnhallen, Flugzeug-Hangars.

In Berlin ziehen jetzt tausend Flüchtlinge von einer Messehalle in ein Kongress-Zentrum um, weil die Halle für die Internationale Grüne Woche benötigt wird. Auch diese weltweit bedeutendste Messe der Land- und Ernährungswirtschaft wird eine andere sein. Sie wird die Frage behandeln, wie wir künftig mehr als sieben Milliarden Menschen satt bekommen. Wer dabei nur auf unser Land schaut, um sich beruhigt zurückzulehnen, dem fehlt der Weitblick. Die Grüne Woche wird dies thematisieren.

Dazu gehört auch, dass wir die Leistungen unserer Landwirte wieder mehr würdigen. Was wäre Weihnachten ohne Stollen und Plätzchen, Gans und Klöße, Kartoffelsalat und Würstchen? Unsere Bäuerinnen und Bauern sorgen dafür, dass wir unsere Tische reich decken können. Und das wir andere einladen können, daran Platz zu nehmen.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen frohe Festtage.

Ihr
i.m.a – information.medien.agrar e.V.

Internationale Grüne Woche: Erlebnisse auf dem i.m.a-Wissenshof

Schulklassen zieht es wieder auf die Grüne Woche nach Berlin, wo der i.m.a e.V. für sie ein spezielles Programm anbietet. Er organisiert Führungen über den "ErlebnisBauernhof", auf dem mehr als fünfzig Institutionen über die Landwirtschaft in den Themenbereichen "Pflanze", "Tier" und "Gesellschaft" informieren. Und beim i.m.a-Wissenshof können die Schüler auf fünfhundert Quadratmetern Ausstellungsfläche die Präsentationen von sieben Partnern und des i.m.a e.V. erkunden. Für die Expeditionen zu zwölf Erlebnisstationen erhalten die Schüler einen Wissenspass mit Aufgaben, die an den Stationen zu lösen sind. Für jede richtige Lösung gibt es einen Aufkleber, und wer alle komplett hat, kann sich ein kleines Präsent aussuchen.

Mit dem i.m.a-Wissensparcours wird z.B. die Verwertungskette von Getreide dargestellt. Sie beginnt beim Korn an der Getreidetheke, aus dem beim Verband Deutscher Mühlen Mehl entsteht, das die Bäcker in ihrer gläsernen Backstube zu Brot verarbeiten. Auch die Fleischer sind mit einem Schauraum dabei, in dem sie Fleisch zerlegen und Wurst herstellen. Das Grüne Labor Gatersleben lädt zum Experimentieren ein und die Gütegemeinschaft Kompost erläutert, wie mit Abfällen sinnvoll umgegangen wird oder warum Humus nicht gleich Hummus ist. Bei der Initiative Innovation & Naturhaushalt geht es um die "Eh-da-Flächen" als Lebensraum für Bienen und andere Insekten, und wie unsere Sinnesorgane funktionieren, vermittelt die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft. Der i.m.a e.V. hält auf dem Wissensparcours noch weitere Mitmach-Angebote bereit; z.B. den Eier-Frische-Test, das Butter schütteln oder das Erkennen von Tierarten.

Für das Schülerprogramm, das sich vor allem an die Jahrgänge bis zur sechsten Klasse richtet, gibt es noch ein paar freie Termine, die hier im Internet reserviert werden können. Die i.m.a-Angebote haben die Positionen 52 und 53.

 

Lehr- und Lernmaterial: Garantiert nicht umsonst

Mehr als 150 Lehr- und Lernmaterialien und andere Informationen hält der i.m.a e.V. in seinem Webshop bereit. Viele Lehrkräfte nutzen die didaktisch aufbereiteten Broschüren, Poster und Flyer für ihren Unterricht nicht umsonst. Denn die Lernerfolge werden immer wieder bestätigt.

Da die meisten Materialien dennoch kostenlos abgegeben werden und lediglich die Versandgebühr anfällt, nutzen immer mehr Lehrerinnen und Lehrer das umfassende i.m.a-Portfolio.

Doch die zunehmende Nachfrage und steigende Druckkosten stellen den gemeinnützigen Verein vor eine große Herausforderung: die Finanzierung. Daher sollten auch Lehrkräfte prüfen, was es ihnen Wert ist, mit den i.m.a-Materialien im Unterricht zu arbeiten. Spenden helfen dabei, auch künftig hochwertiges Lehr- und Lernmaterial zu entwickeln und für den Unterricht kostenfrei bereitzustellen.

Spendenkonto:
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IBAN: DE95 3806 0186 2102 7090 15 - BIC: GENODED1BRS.

Aktionen und Termine

Gute Tierhaltung: Das ist "Echt Kuh-l"

Dass "Tierwohl - Eine Frage der Haltung!" ist, dürfte sich längst herumgesprochen haben. Dennoch ist der Slogan jetzt Thema des neuen Wettbewerbs "Echt Kuh-l" vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Kinder der Altersstufen von der dritten bis zur zehnten Klasse sind aufgerufen, herauszufinden, wie Nutztiere gehalten werden. Dabei sollen Sie Fragen wie diesen nachgehen: Wie viel Platz benötigen Rinder, Schweine, Hühner, Ziegen und Schafe?, Was fressen sie?, Wie viel Luft und Licht brauchen sie im Stall?, Woran erkennt man, wenn es den Tieren gut geht und was geschieht, wenn sie krank sind? Vor allem aber sollen die Kinder ergründen, was tiergerechte Haltung mit unseren Lebensmitteln zu tun hat und den Preisen, die wir dafür bezahlen.

Die Wettbewerbsbeiträge werden nach Altersgruppen sortiert und anhand von vier Kriterien durch eine Jury bewertet. Zu gewinnen gibt es eine Berlin-Reise zur Preisverleihung, einen Tagesausflug sowie Überraschungspakete und Sachpreise - insgesamt mehr als vierzig Preise. Schulen können zudem auf einen Sonderpreis hoffen. Einsendeschluss ist am 11. April 2016; alle Details stehen hier.

Landjugend: Zeig uns dein Projekt!

"Was beflügelt das Land?" Diese Frage stellen der Bayerische Bauernverband und die Arbeitsgemeinschaft der Landjugend. Sie suchen nach interessanten, überraschenden, ungewöhnlichen Projekten von Jugendgruppen, die etwas für ihr Dorf oder ihre Gemeinde getan haben und damit dem ländlichen Raum zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Das können Ideen sein, die dem Erhalt der Lebensqualität auf dem Land dienen, das Image der Landwirtschaft fördern oder Werbung für landwirtschaftliche Berufe machen.

Mitmachen können nur Gruppen, die wenigstens drei Teilnehmer umfassen. Neben einer Beschreibung des Projekts sollen Fotos oder Filme eingereicht werden. Die besten Arbeiten werden auf dem Bayerischen Zentral-Landwirtschaftsfest, das zeitgleich mit dem Oktoberfest stattfindet, mit Preisen im Gesamtwert von 3000 Euro belohnt. Einsendeschluss ist am 30. Juni 2016, Details gibt es hier.

Für Sie gelesen und getestet

Kinderbuch: "Erntefest und Kartoffelfeuer"

Die "Landwirtschaft" wird in dem Buch hauptsächlich im Kapitel "Wenn die Mähmaschine rattert" thematisiert, es lassen sich aber auch Bezüge in den Kapiteln "Vom Korn zum Brot", "Ernteschätze" und "Erntedank feiern" herstellen. Die bunt illustrierten Seiten fördern Kenntnisse und Fertigkeiten von Kindern ab vier Jahren. Wenngleich dieses Buch kein ausdrückliches Lehrwerk ist, unterstützt es doch den Erwerb von Kompetenzen im Sachunterricht.

Im Rahmen des ersten Kapitels zeigt sich, wie Kinder auf vielfältige Weise Informationen und Wissen zum Thema "Landwirtschaft" gewinnen können. Die Infotexte zu den einzelnen Punkten sind sehr kurz und umfassen nur wenige Sätze, was für die angesprochene Altersstufe angemessen ist. Bewusst wird im Abschnitt "Die Arbeit der Bauern" ein Vergleich zwischen der Landwirtschaft einst und heute angestellt und die voranschreitende Technisierung kindgerecht erklärt. Die Illustrationen unterstützen diese Abhandlung.

Im Abschnitt "Urlaub auf dem Bauernhof" wird zunächst allgemein über Bauernhöfe informiert; anschließend stehen jedoch nur noch Bio-Bauernhöfe im Fokus. Sie werden als Orte beschrieben, an denen behutsam mit der Natur umgegangen wird und Lebensmittel schonend hergestellt werden. Zudem wird erklärt, dass es den Tieren auf Bio-Bauernhöfen gut geht, da sie viel an der frischen Luft sind und genügend Platz haben. Die Formulierung suggeriert, dass dies auf konventionellen Betrieben generell nicht der Fall ist.

Das Würfelspiel "Vom Korn zum Brot" im gleichnamigen Kapitel bietet den Kindern die Möglichkeit, bereits erlernte Inhalte anzuwenden, da bei diesem Spiel auch Fragen beantwortet werden müssen, um vorzurücken. Eine spielerische Auseinandersetzung mit fachlichen Inhalten wird so ermöglicht.

Insgesamt können durch das Buch zahlreiche Kenntnisse und Fertigkeiten erlernt werden. Auffallend ist die abwechslungsreiche Gestaltung der Seiten, so dass es für Kinder viel zu entdecken gibt. Weiterführende Internetlinks, viele Bastelanleitungen und Rezepte animieren die Kinder, handelnd tätig zu werden. Wünschenswert wäre es jedoch, den regionalen Aspekt der Landwirtschaft einfließen zu lassen und Tipps und Ideen zum Lernen in der außerhäuslichen Lebenswelt zu geben.

R.Bestle-Körfer, A.Stollenwerk, H-G.Döring: "Erntefest und Kartoffelfeuer, Geschichten, Rezepte und Spielideen für den Herbst". Verlag Fischer Sauerländer. 48 Seiten, ann. DIN-A-4-Format; Preis 14,99 Euro. ISBN: 978-3-7373-6456-0.

Die ungekürzte Rezension des Buches finden Sie hier als PDF-Datei.

Kita-Buch: Ravensburger gelobt Besserung

Im Kinderbuch "Unser Essen" aus der Ravensburger Verlagsreihe "Wieso? Weshalb? Warum" gab es Kritik an einem Vergleich zwischen der konventionellen Tierhaltung und der Bio-Landwirtschaft, der in der unhaltbaren Aussage gipfelte "Bio-Fleisch schmeckt viel besser!" Der mit dieser falschen Behauptung konfrontierte Verlag hat inzwischen reagiert und will den kritisierten Textabschnitt in der nächsten Auflage des Buches korrigieren.

Es lohnt sich also, auf Fehler oder tendenziöse Darstellungen der Landwirtschaft in (Schul-)Büchern aufmerksam zu machen. Manch ein Lehrer reagiert selbst, indem er diese Fehler im Unterricht korrigiert. In jedem Fall nützt es jedoch, dem i.m.a e.V. derartige Beobachtungen mitzuteilen, damit wir uns für eine sachlich korrekte Darstellung bei den Verlagen einsetzen können.

Exkursionen in die Landwirtschaft

Philosophie auf dem Gemüseacker

Das Motto der Sekundarschule Jülich lautet "Vorweg mit Herz, Mut und Verstand". Was dies bedeutet, wird den Kindern nicht nur theoretisch im Unterricht, sondern auch praktisch vermittelt. Im Fall einer 7. Klasse geschieht dies auf einem Gemüseacker, den ein Landwirt zur Verfügung gestellt hat. Vier Stunden wird das Feld jede Woche von 25 Schülern "beackert". Dabei geht es nicht einfach nur darum, den Boden umzugraben, Samenkörner zu säen, Pflanzen zu setzen, zu düngen und zu gießen. Alle diese Tätigkeiten benötigen Sachverstand, um zu wissen, wie man den Acker richtig bestellt, Mut, anzupacken und dabei auch Fehler zu machen, und jenes Quäntchen Herzblut, das unverzichtbar ist, wenn man an eine Sache glaubt und sie konsequent verfolgt. Dann erst kann man die Früchte seiner Arbeit genießen - in diesem Fall das Gemüse auf dem Acker ernten.

Insoweit kann die Feldarbeit der Schüler analog zum Schulmotto philosophisch interpretiert werden. Die GemüseAckerdemie als Schulpartner hat dies erkannt und unterstützt die Lehrer bei dieser Form von Kompetenzvermittlung auf den zweihundert Quadratmetern Anbaufläche. Da sie in direkter Nachbarschaft zu anderen Äckern liegt, können die Kinder bei ihrer Arbeit auch verfolgen, wie die Profis der Landwirtschaft ihre Felder bestellen. Näher dran dürfte wohl kaum ein Schulgarten liegen.

WissensWerte zur deutschen Landwirtschaft

Neue Serie: Die Landwirtschaft im...

Saarland

 

Was ist typisch für die Landwirtschaft in einem Bundesland, was prägt sie besonders? In unserer Serie ergründen wir Klischees und listen Fakten auf.
So entsteht ein Bild von unserer Landwirtschaft, wie es Statistiken allein
nicht bieten können.

"Unn?" Wo immer man diese Frage hört, kann man sicher sein, sie wurde von einem Saarländer gestellt. Es ist ein universeller Satz, auf den man alles antworten kann. Mit "Unn?" oder auch "Onn?" begrüßen sich die Menschen im Saarland und erkundigen sich damit zugleich nach dem persönlichen Wohl, dem der Familie oder wie es um die Arbeit steht.

Würde man dieser Tage die Landwirte im Saarland fragen: "Unn?" - ihre Antwort dürfte nicht sehr froh klingen. Denn in einem Land, in dem die Milchwirtschaft der wichtigste Zweig der Landwirtschaft ist, können die Tierhalter nicht zufrieden sein, wenn die Erträge nicht die Kosten decken. Zwar steigt die Milchleistung der mehr als 15.000 Kühe im Saarland seit 1980 kontinuierlich, aber die Erlöse ziehen nicht mit.

 

Ackerbau findet auf knapp 16.000 Hektar statt, die 290 Betriebe bewirtschaften. Auf gut 22.000 Hektar bauen sie vor allem Getreide an, wobei Winterweizen auf mehr als 8.000 Hektar dominiert und in etwa der gleichen Pflanzenmenge entspricht, die zur Grünernte herangezogen wird. Die Erträge beim Brotgetreide sind in den letzten Jahren rückläufig - von durchschnittlich 85.000 Tonnen zwischen 2008 und 2013 auf 75.000 Tonnen im vergangenen Jahr. Das hängt nicht nur mit der geringfügigen Umstellung der Anbauflächen, sondern auch mit dem Hektarertrag zusammen, der um 300 Kilogramm pro Hektar zurückgegangen ist.

Eine der Ursachen für den Rückgang der Ernteerträge ist das Klima. Trockenheit begünstigt kein Wachstum. Forscher haben ermittelt, dass im Saarland, das zu den wärmsten Regionen Deutschlands zählt, die Temperaturen um 1,5 Grad Celsius im Jahresmittel steigen und die Frosttage deutlich weniger werden. Sonnentage mit mehr als dreißig Grad Celsius sollen langfristig sogar um dreißig Tage zunehmen. Weniger Regen im Sommer beeinträchtigt das Wachstum der Pflanzen auf den Muschelkalk- und Buntsandsteinböden, mehr Regen statt Schnee im Winter befördert die Bodenerosion.

Der Klimaveränderung zum Trotz ist das Saarland grün. Vierzig Prozent der Landesfläche sind Wälder. Damit gilt das Saarland nach Hessen und Rheinland-Pfalz als eines der waldreichsten Bundesländer. Dass sich die saarländischen Forsten gut entwickeln, hat selbst der in Umweltfragen kritische Naturschutzbund Deutschland anerkannt. Er zeichnete den Staatsforstbetrieb für den Schutz und die Förderung der Artenvielfalt aus, unter anderem auch deshalb, weil sich zehn Prozent der Waldflächen ohne menschliche Eingriffe zu "Urwäldern von morgen" entwickeln könnten.

In den naturbelassenen Wäldern gefällt es den Wildtieren. Rehe und Wildschweine tummeln sich nahezu flächendeckend in den saarländischen Forsten. Der hohe Bestand, insbesondere bei Schwarzwild, führt jedoch immer wieder zu großen Schäden in der Landwirtschaft. Sie können schnell sechsstellige Summen erreichen, wenn Wildschweine in Maisfelder einfallen oder Kartoffeläcker durchpflügen.

Apropos Kartoffeln. 4.661 Tonnen wurden im vergangenen Jahr geerntet, 865 mehr als 2013, dem Jahr, als die Wildschweinplage im Land groß thematisiert wurde. "Grumbeere" oder "Gromperen" sind für Saarländer Grundnahrungsmittel. Denn ohne sie gibt es kein "Dibbelabbes". Das einfache Gericht aus fein geriebenen und durch ein Leinentuch gedrückten Kartoffeln wird mit Lauch, Dörrfleisch und Gewürzen verfeinert und in einer gusseisernen Pfanne knusprig ausgebraten.

Einst galt es als preiswertes und nahrhaftes Essen der "Hartfüßler". So wurden jene Saarländer genannt, die in ihren schweren, genagelten Schuhen, stundenlang und kilometerweit durchs Land zu den Kohlegruben liefen, um dort in Zwölf-Stunden-Schichten in den Bergwerken zu arbeiten. Viele dieser Bergmänner arbeiteten danach auch noch auf ihren Feldern und zählten zu den sogenannten "Bergmannsbauern".

Der Steinkohlebergbau ist seit 2012 Geschichte, Nebenerwerbslandwirte gibt es noch heute. Aber auch deren Zahl ist rückläufig. Wurden 1935 noch 21.000 landwirtschaftliche Nebenerwerbsbetriebe gezählt, waren es 15 Jahre später 4.000 weniger. Heute werden von den 1.226 landwirtschaftlichen Betrieben im Saarland 743 im Nebenerwerb betrieben. Und von den 438 Haupterwerbsbetrieben sind 398 Einzelunternehmen. Die meisten, 245 Betriebe, bewirtschaften zwischen zwanzig und fünfzig Hektar. Es gibt nur sechzig große Betriebe mit mehr als 200 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, aber 257, die maximal zehn Hektar bewirtschaften. Immer mehr Landwirte entdecken die Pferdehaltung als zusätzliches Standbein. Insbesondere für die robusten Islandpferde ist das Saarland unter Züchtern und Reitern in Deutschland bekannt.

Die Kleinteiligkeit in der Landwirtschaft im Saarland hat nicht nur topographische Gründe. Auch die Realteilung, dessen Ursprung bis in das "Imperium Romanum" zurückreicht und bei der die Besitztümer unter den Kindern aufgeteilt und nicht an den ältesten Nachkommen übergeben werden, treibt die Parzellierung in der Landwirtschaft voran. Das hat wiederum zur Folge, dass Pachtland im kleinsten Flächenland Deutschlands günstiger als andernorts ist. Es gibt sogar etwa dreißig Betriebe, die beiderseits der deutsch-französischen Grenze wirtschaften, wobei es die französischen Landwirte aufgrund der hiesigen Gesetzeslage und Vorschriften ein wenig leichter haben, durch Landpacht im Saarland zu expandieren.

Überhaupt die Pendler: Wer glaubt, das "Savoir-vivre", die "Genussfreude" der Nachbarn in Frankreich und Luxemburg würde die Saarländer in Scharen über die Grenzen treiben, der irrt. Mit 55.538 Pendlern sind im vergangenen Jahr 16.132 mehr Franzosen und Luxemburger zum deutschen Nachbarn gekommen, als Saarländer in umgekehrter Richtung unterwegs waren. Die 12.309 im Saarland sozialversicherungspflichtig beschäftigten Franzosen und Luxemburger arbeiten allerdings eher in der prosperierenden Automobilbranche, dem Maschinenbau oder in der Stahlindustrie. Die Zahl der aktuell 2.500 Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei ist leicht rückläufig.

Ein Grund dafür dürften auch die Einkommen in der Landwirtschaft sein. Sie liegen um ein Viertel bis knapp ein Drittel unter denen anderer Wirtschaftszweige. Es bleibt auch wenig Spielraum für die Beschäftigung von Angestellten in der Landwirtschaft, wenn mit einem durchschnittlichen Gewinn von 13.400 Euro allein bei den Nebenerwerbsbetrieben der Gewinn im vergangenen Wirtschaftsjahr um zwanzig Prozent zurückgegangen ist. Da fällt es zunehmend schwerer, Nachwuchs zu gewinnen. Die Zahl der jungen Menschen, die ihre Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen haben, lässt sich an zwei Händen abzählen.

Dennoch gibt es Menschen, die den Schritt wagen. Zum Beispiel in der Öko-Landwirtschaft. Hier nimmt das Saarland einen Spitzenplatz in Deutschland ein. 13,6 Prozent der bäuerlichen Betriebe bewirtschaften 11,8 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch. In bundesweiten Durchschnitt sind es gerade mal 8,2 Prozent der Betriebe und 6,4 Prozent Fläche. Das Interesse am Öko-Landbau ist im Saarland so groß, dass der Öko-Anteil leicht bei zwanzig Prozent liegen könnte, wenn nicht jetzt das Landwirtschaftsministerium alle neuen Anträge zur Umstellung auf Ökolandbau ablehnen würde, weil die rund neun Millionen Euro EU-Fördermittel bis 2020 ausgeschöpft seien.

Wohl dem, der ausreichend Geld mitbringt, um investieren zu können, wie der wohl prominenteste Landwirt des Saarlands: Günther Jauch, der TV-Moderator, gehört seit 2010 zu den Bauern - zu den Weinbauern. In Kanzem, einem kleinen Dorf mit wenig mehr als 600 Seelen, hat Jauch seinerzeit das Gut seiner Großmutter übernommen. Und einen Fehler begangen, der ihn beim TV-Quiz "Wer wird Millionär" nicht weiterbringen würde: Jauch lässt seinen Wein vom Branchen-"Papst" Stuart Pigott als "...eine neue Dimension des herben Saarweins!" anpreisen. Doch ein Saarwein ist es nicht, der da am Altenberg wächst, einem der steilsten Weinberge der Welt mit 65 Grad Gefälle, das den Weinbauern viel Handarbeit abverlangt. Auch wenn die Saar am Fuße des Berges fließt – die korrekte Lagenbezeichnung müsste Mosel lauten, seit 2007 die ursprüngliche Bezeichnung "Mosel-Saar-Ruwer" abgeschafft wurde. Aber Jauch gesteht, dass er im Weinbau noch lernen müsse. "Viel trinken hilft", hätten ihm die Winzer aus der Region geraten. Inzwischen weiß Jauch schon, was er antworten muss, wenn ihn die Weinbauern fragen: "Unn?"

Hinweise

Redaktion: Bernd Schwintowski

Bildnachweise: Bayerischer Bauernverband, BMEL, Fischer Sauerländer, GemüseAckerdemie, Ammis-, Rosel Eckstein-, Birgit Lieske-, Jürgen Mees-, Peter Pleischl-, Ulla Trampert-, Wandersmann/pixelio.de, i.m.a, Martinas Kochküche, MedienDienst Schwintowski, privat, Ravensburger, Süddeutsche Klassenlotterie.

Für einen besseren Lesefluss verwenden wir in unseren Beiträgen die gebräuchliche geschlechtliche Bezeichnung, in die jedoch immer auch alle anderen Geschlechter einbezogen sind.

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