< Zurück zur i.m.a.-Newsletter-Übersicht


 
Newsletter September/Oktober 2016

www.ima-agrar.de

 
  i.m.a - information.medien.agrar e.V.

i.m.a
information.medien.agrar e.V.

Wilhelmsaue 37
10713 Berlin
Tel.: 030 8105602-0
Fax: 030 8105602-15
info@ima-agrar.de
www.ima-agrar.de

  

Newsletter September/Oktober 2016

i.m.a aktuell

  • Nutztierhaltung: Seriös informiert
  • Zentral-Landwirtschaftsfest: Wissenstests für große und kleine Experten
  • Pokémon Go: Gefährliche Spielereien
  • Schulmaterialien: Umweltfreundlich lernen
  • Lebensmittel: Täglich ein Regio-Day

Aktionen und Termine

  • Land & Genuss: Mitmachen lautet die Devise
  • Bonn & Bauernhof: Dialog mit Landwirten
  • Baum & Borke: Grüner Erfahrungsaustausch

Für Sie gelesen und getestet

  • Schulbuch: "Biologie Heute 1 Hessen/Braunschweig"
  • Lese-Lernbuch: "Bauernhofgeschichten"

Exkursionen in die Landwirtschaft

  • Kartoffel-Klasse: Kinder an die Knollen

WissensWerte zur Landwirtschaft

  • Die Landwirtschaft in ... Bayern

i.m.a aktuell

Nutztierhaltung: Seriös informiert

Bilder von kranken Tieren in Ställen erschüttern immer wieder Verbraucher. Und Fernsehsender nutzen sie gerne, denn schlechte Nachrichten treiben die Einschaltquoten. Was dabei aber immer wieder übersehen wird: Wie wir Menschen, so können auch Tiere erkranken. Und so wie wir uns ins Bett legen, um zu gesunden, werden auch kranke Tiere von der Herde isoliert und in eigenen Stallbuchten gehalten, damit sich Tierärzte um die Gesundung kümmern können.

All das zeigen und erklären die vermeintlich investigativen Filmaufnahmen nicht, die gerade wieder die Runde machen. Dass die Aufnahmen zudem bei kriminellen Einbrüchen entstanden sind, wird ebenfalls nicht von den Medien thematisiert, die sich der Filme bedienen.

Sicher, Transparenz ist wichtig, damit Missstände behoben werden. Verantwortungsvolle Tierhalter engagieren sich dabei bereits seit Jahren - etwa durch Stallkameras, die Bilder ins Internet übertragen. Oder sie öffnen ihre Höfe für Besucher im Rahmen von Projekten wie "EinSichten in die Tierhaltung". Wer sich wirklich für die Tierhaltung interessiert, sollte nicht Filmaufnahmen aus zweifelhaften Quellen vertrauen, sondern sich umfassend informieren. Und auch einmal zur Kenntnis nehmen, was die Tierhalter zu sagen haben. Hier zum Beispiel.

Zentral-Landwirtschaftsfest: Wissenstests für große und kleine Experten

Wie sieht die Wertschöpfungskette beim Getreide aus, wie das läuft das Wachstum bei Schweinen und Geflügel ab oder die Arbeitsweise von Bienen: Antworten auf diese Fragen sollten eigentlich als Unterrichtsstoff in den Schulen vermittelt werden. Doch auf Veranstaltungen wie dem Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) wird immer wieder deutlich, wo die Lerndefizite liegen. So hatten auch Erwachsene am i.m.a-Stand auf dem ZLF Probleme, Gerste von Roggen oder Dinkel- von Roggenbrot zu unterscheiden, sich bei der Ferkelaufzucht zu orientieren oder die Pollenaufnahme der Bienen von der Blütenbestäubung zu unterscheiden. Doch wer wollte, konnte sich an den i.m.a-Info-Stelen orientieren, die im Rahmen der Präsentation "Landwirtschaft macht Schule" Teil der Sonderschau des Bayerischen Bauernverbands auf der Münchner Theresienwiese waren.

Auf den Info-Stelen konnten große und kleine Besucher alle wissenswerten Fakten nachlesen und dann kleine Bildtafeln korrekt in einem Puzzle anordnen. So wurde nützliches Wissen unterhaltsam vermittelt - und so manch ein Besucher vom benachbarten Oktoberfest hatte dann auch schnell rausgefunden, dass das Foto eines Bierglases nicht dem Weizen, sondern der Gerste zuzuordnen war.

Wer sich außerhalb von Messen wie dem ZLF orientieren und weiterbilden möchte, findet die Themen der Info-Stelen auch im i.m.a-shop: Einfach das Stichwort eingeben und aus einer Fülle an "3-Minuten-Infos"oder Lehr- und Lernpostern auswählen.

Pokémon Go: Gefährliche Spielereien

Inzwischen beschäftigt sich sogar der Deutsche Bundestag mit dem virtuellen "Pokémon"-Spiel auf Mobiltelefonen. Politiker wollen wissen, welche Gefahren das Spiel für den Straßenverkehr mit sich bringt. Sowohl Polizei und Bundeswehr als auch der Flughafenverband und die Deutsche Bahn haben bereits vor möglichen Sicherheitsgefährdungen gewarnt, die beim Spielen entstehen können. Auch die Landwirte weisen darauf hin, dass sich die Spieler beim Betreten von Bauernhöfen und landwirtschaftlichen Nutzflächen in Gefahr begeben, wenn beim Blick auf das Telefon-Display Nutzfahrzeuge oder Arbeitsgeräte übersehen werden. Zudem sei das Betreten von Höfen und das Übersteigen von Weidezäunen Hausfriedensbruch. Auch die "Pokémon"-Jagd in Feldrand- und Blühstreifen beeinträchtige den Lebensraum von Tieren.

Schulmaterialien: Umweltfreundlich lernen

Hefte, Stifte, Bastelmaterialien und vieles mehr, was für den Schulalltag unentbehrlich ist, gibt es inzwischen auch als umweltfreundliche Produkte. Darüber informiert das bayerische Landwirtschafts- und Kultusministerium in einem Info-Blatt. Den mit pflanzenbasierten Farben gedruckte Flyer hat das Centrale Agrar-Rohstoff-Marketing- und Energie-Netzwerk gestaltet. Neben Tipps zu einzelnen Produkten aus Bio- und Recyclingkunststoffen vermittelt der Flyer auch einen Überblick zu den verschiedenen Umweltsiegeln.

Lebensmittel: Täglich ein Regio-Day

Länderübergreifend haben Landwirte aus Deutschland, Österreich und Tirol darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig regionale Lebensmittel sind - für die Umwelt, die Region, die Erzeuger, Verarbeiter und Händler, und nicht zuletzt für die Konsumenten. Denn der Verzehr regionaler Produkte dort, wo sie herkommen, garantiert kürzeste Lieferwege und damit absolute Frische, dient der Existenzsicherung der Erzeuger und sichert Kulturlandschaften. Verbraucher sollten daher den "Regio Day" zum Alltag erheben und heimische Lebensmittel kaufen: Apfel statt Ananas und Schnitzel statt Sushi. - Zum Thema regionaler Lebensmittel gibt es im Lehrermagazin "lebens.mittel.punkt" 2012-03 einen Beitrag mit Unterrichtsbaustein.

Aktionen und Termine

Land & Genuss: Mitmachen lautet die Devise

Fünf Tage findet Landleben nicht in freier Natur, sondern in den Dortmunder Westfalenhallen statt. Bis zum "Tag der Deutschen Einheit" am 3. Oktober vereinen sich viele Agrar-Akteure in Dortmund, um den Stadtmenschen das Landleben nahezubringen. Auch der i.m.a e.V. ist wieder bei der Verbrauchermesse "Land & Genuss" dabei. An seinen Wissensstationen auf dem "ErlebnisBauernhof" lädt er zum Gemüse-Riechtest, der Produktion von Haferflocken, Weizenmehl und Butter sowie zur Einordnung von Nutztierfamilien ein. Mitmachen kann man täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr in Halle 3.

Bonn & Bauernhof: Dialog mit Landwirten

Auf den historischen Münsterplatz laden Landwirte vom Rheinischen Landwirtschaftsverband zum "Bauernhof in der Stadt" ein. Auf mehr als 2.500 Quadratmetern wird vom 6. bis 8. Oktober gezeigt, was die Landwirtschaft leistet. Dabei vermittelt der "ErlebnisBauernhof" ein realistisches Bild der Arbeitswelt der Bauern und lädt die Besucher ein, an den i.m.a-Wissensstationen im Kleinen nachzuvollziehen, wie die Arbeit im Großen funktioniert. Kleinere Kinder können sich Führungen anschließen, größere eigenständig an einer Wissens-Rallye teilnehmen. An der Seite von Stadt und Land in NRW stellt der i.m.a e.V. außerschulische Lernangebote vor, die Landwirte im Rahmen des Projekts "Lernort Bauernhof" anbieten. Wer sich zudem über deren Arbeit auf dem Feld und im Stall informieren möchte, kann dies im Dialog mit sogenannten "AgrarScouts" tun. Die Ackerbauern und Tierhalter erläutern Details aus ihrem Arbeitsalltag, informieren über die moderne Tierhaltung und erklären auch die ausgestellte Landtechnik. Großer Anziehungspunkt dürften auch die Rinder und Schweine sein, die für einige Tage rund um das Beethoven-Denkmal Quartier beziehen.

Baum & Borke: Grüner Erfahrungsaustausch

Das "ambivalente Verhältnis der Deutschen zum Wald" ist eines der Themen auf dem ersten "Deutschen Waldtag", der zwei Tage dauert und zu dem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt am 18. und 19. Oktober nach Berlin eingeladen hat. Dann treffen sich Waldbauern, Forstverwalter und andere Repräsentanten des „grünen Wirtschaftszweiges“ zum Erfahrungsaustausch.

Dass gerade Deutschlands Jugend wenig ambivalent zum Wald und der Natur eingestellt ist, hatten der i.m.a e.V., der Deutsche Jagdverband und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gerade erst in einer Trend-Analyse der Studie "Fokus Naturbildung" festgestellt. Danach sind achtzig Prozent der Jungen und Mädchen zwischen zwölf und 15 Jahren gerne in der Natur, verbinden mit Aktivitäten in Wald und Flur mit "Freiheit" und "Abenteuer" (74 %) und sehen darin einen Ausgleich zu Schule und Elternhaus (71 %). Das klingt alles andere als ambivalent.

Für Sie gelesen und getestet

Schulbuch: "Biologie Heute 1 Hessen/Braunschweig"

Das Schulbuch ist für den Einsatz in hessischen Gymnasien bestimmt. Der Lehrplan fordert z.B., dass die Schüler die Haltung und Nutzung von Tieren beurteilen und eigenständig Recherchen durchführen sollen, um Aspekte einer artgerechten Tierhaltung zu erfahren, um die natürlichen Lebensweisen von verschiedenen Tieren kennenzulernen.

So wird z.B. im Kapitel "Haus-und Nutztiere" die Haltung der Rinder detailliert beschreiben, allerdings wird nur die Freilandhaltung von Rindern als artgerecht bezeichnet. Es erfolgt keine Klärung des Begriffs "artgerecht", welches für die Schüler wichtig wäre. Außerdem wird nicht die Notwendigkeit anderer Haltungsformen deutlich, stattdessen werden diese Formen in Teilen negativ beschrieben. Zudem werden Aspekte wie Verletzungen und der Ausbruch von Krankheiten nur in Verbindung mit der Stallhaltung gebracht. Die Aufgabe, Haltungsformen unter dem Aspekt einer artgerechten Rinderhaltung zu bewerten, scheint daher schwierig zu realisieren und kann zu einem verkürzten Meinungsbild führen. Eine sachgerechte und grundlegende Darstellung der Haltungsformen wäre an dieser Stelle wünschenswert, um den Schülern eine objektive Bewertung zu ermöglichen.

Auch beim Huhn als Nutztier taucht der Begriff "artgerecht" wieder auf und wird nicht näher erläutert. Die verschiedenen Haltungsformen sind zwar sachlich beschrieben und beinhalten viele Zahlen, für Schüler dieser Jahrgangsstufe scheint es jedoch schwierig zu sein, die Größenangaben einzuschätzen und dementsprechend zu bewerten. Vergleichsmöglichkeiten könnten eine große Hilfe darstellen. Die Aufgabenseite zur Hühnerhaltung beinhaltet eine große Tabelle mit zahlreichen Aussagen zu verschiedenen Haltungsbedingungen in den einzelnen Haltungsformen, die auf Richtigkeit geprüft werden sollen. Anschließend sind die Schüler gefordert, die Aussagen grün oder rot zu markieren, je nachdem, ob ein Vorteil auf Seiten des Huhns oder des Menschen liegt. Anhand der grünen Markierungen sollen die Schüler prüfen, welche Haltungsform artgerecht ist. Auch hier liegt die Vermutung nahe, dass bei den Schülern ein verkürztes Meinungsbild entstehen kann. Die Vorzüge der Kleingruppen- und Bodenhaltung werden an dieser Stelle nur unzureichend erläutert. Wichtig wäre hier eine objektive Darstellung, um eine freie Meinungsbildung zu gewährleisten.

Auch sollte der regionale Aspekt des Themas "Landwirtschaft" aufgegriffen werden, indem Anregungen und Tipps zum außerschulischen Lernen bereitgestellt werden (z. B. Erkundung eines landwirtschaftlichen Betriebs), um den Schülern die Möglichkeit zu eröffnen, Primärerfahrungen zu sammeln.

Walory, M./Westendorf-Bröring, E. (Hrsg.): "Biologie Heute 1 Hessen/Braunschweig". Schroedel Verlag, 264 Seiten, ann. DIN-A-4-Format; Preis 25,95 Euro. ISBN: 978-3507873261.

Die ungekürzte Rezension des Buches finden Sie hier als PDF-Datei.

Lese-Lernbuch: "Bauernhofgeschichten"

Zum Schulanfang ist dieses Kinderbuch eine prima Empfehlung für Eltern, Großeltern und andere Verwandten, die "ABC-Schützen" ab sechs Jahren unterhaltsam beim Lesen lernen helfen wollen. Im Mittelpunkt des Buches stehen drei lustige Geschichten um ein verschwundenes Ferkel, einen frechen Eierdieb und einen tapsigen Detektiv.

Bei allen Geschichten sind die Schlüsselwörter durch Bilder ersetzt. So können die Kinder mitlesen, die gesuchten Begriffe identifizieren und dabei lernen, wie sie heißen. Zu jedem Kapitel gibt es ein Leserätsel, mit dem das Erlernte überprüft werden kann. Illustrierte Wörterlisten ergänzen das Lernangebot.

Zudem gibt es Infoseiten über die Tiere in der Landwirtschaft, wie sie leben und sich ernähren. Auch diese Informationen sind in ihrer Sachlichkeit kindgerecht formuliert und auf die wesentlichen Fakten korrekt reduziert, so dass die Kinder nicht mit Wissen überfrachtet werden.

Für die Erwachsenen gibt es am Ende des Buches Tipps, wie sie mit einem "10-Minuten-Lesepass" das Lesen lernen mit den Kindern trainieren können. Lese-Rituale und regelmäßiges Schreiben und Lesen gehören dazu, so einige der Empfehlungen.

Petra Wiese, Sigrid Leberer: "Bauernhof-Geschichten zum Lesenlernen". Carlsen Verlag, 96 Seiten, ann. DIN-A-5-Format; Preis 5,00 Euro. ISBN: 978-3-551-06627-5_

 

Exkursionen in die Landwirtschaft

Kartoffel-Klasse: Kinder an die Knollen

Pflanzen, pflegen, ernten, essen - diesen Vierklang beherrschen seit vier Jahren Schüler der Janusz-Korczak-Realschule in Schwalmtal. Seit 2013 ziehen jedes Jahr Siebtklässler des Bio-Neigungskurses aufs Feld im niederrheinischen Kartoffelanbaugebiet.

Organisiert von Mitarbeitern des Agrar-Dienstleisters Wilhelm Weuthen, für den mehr als 1.500 Landwirte Kartoffeln anbauen, lernen die Oberschüler die Wertschöpfungskette des Nachtschattengewächses kennen. Dazu gehören das Ausbringen der Pflanzkartoffeln im Frühjahr, die Bodenbearbeitung und Pflanzenpflege, Ernte und Qualitätsbestimmung, aber auch Verarbeitung - und Verzehr. In einem "Kartoffeltagebuch" tragen die Schüler alle Arbeitsschritte ein, so dass am Ende eines Schul- oder besser Kartoffeljahres alle Aspekte dokumentiert und viel Wissenswertes erlernt ist.

Das Weuthen-Engagement, ein Tochterunternehmen der genossenschaftlichen Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main, geht noch weiter: Älteren Schülern werden Betriebspraktika und Ausbildungsplätze angeboten, so dass für manch einen Kandidaten der Karriereweg bereits früh auf dem Kartoffelacker begonnen hat. Eine Dokumentation des "Lernens mit der Kartoffel" gibt es hier.

 

WissensWerte zur deutschen Landwirtschaft

Serie: Die Landwirtschaft in...

Bayern

Was ist typisch für die Landwirtschaft in einem Bundesland, was prägt sie besonders? In unserer Serie ergründen wir Klischees und listen Fakten auf. So entsteht ein Bild von unserer Landwirtschaft, wie es Statistiken allein nicht bieten können.

Das meiste, was aus Bayern kommt, ist Käse. - Nein, diese Behauptung kommt nicht aus politischen Kreisen der Bundeshauptstadt, sondern bezieht sich auf den Agraraußenhandel. Denn mit einem Ausfuhrwert von 1,5 Milliarden Euro (!) war bayerischer Käse im vergangenen Jahr der Exportschlager des Freistaates. Milch und Milcherzeugnisse erzielten einen Wert von 1,2 Milliarden Euro, Fleisch lag bei einer Milliarde. Insgesamt erreicht der Export bayerischer Agrar-Produkte einen Wert von fast 8,9 Milliarden Euro.

Diese beeindruckenden Zahlen belegen: Das Bundesland ganz unten auf der Deutschlandkarte steht ganz oben in der Gunst europäischer Genießer. Allen voran sind es die Italiener (1,6 Milliarden Euro), gefolgt von Österreichern (1,2 Milliarden Euro) und Niederländern (920 Millionen Euro), die bayerische Nahrungsmittel importieren.

Der Beweis für diese Fakten wurde gerade wieder in München angetreten. Auf dem Oktoberfest und dem benachbarten Zentral-Landwirtschaftsfest versammelten sich wieder Menschen aus aller Herren Länder, um bayerische Leckereien zu genießen - vom Edamer über Steckerlfisch‘ und Obatzen bis Brezn, Haxen und Schweinswürst‘ reichen immer wieder die Schmankerl-Platten, die ohne Landwirte leer bleiben würden.

Und wos is mit a Maß? Ja, das Bier, für das bayerische Bauern edlen Hopfen und kräftige Gerste liefern, ist ein Sorgenkind. Nicht nur, dass der Bierkonsum in Deutschland seit mehr als zehn Jahren rückläufig ist und momentan bei knapp 106 Liter pro Rachen liegt. Es ist ein anderer Freistaat, der Bayern vom Spitzenplatz im Bierabsatz verdrängt hat: Sachsen liegt um 1,9 Prozent vor Bayern.

Doch das schert die Bayern wenig. Sie sagen "Mia san mia" und verweisen darauf, dass es in keinem anderen Bundesland so viele Brauereien gibt, wie zwischen Weimarschmieden und Haldenwanger Eck: 577 - fast drei Mal so viel wie in Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen und zehn Mal mehr als in Sachsen. Das liegt an den vielen kleinen Brauereien, die ihr Bier zum Teil seit Generationen nur in der Region verkaufen und dabei offenbar gut existieren können.

So kleinteilig wie die Brauerei-Szene ist die gesamte bayerische Landwirtschaft. Die rund 109.000 Betriebe bewirtschaften durchschnittlich dreißig Hektar; etwa die Hälfte der durchschnittlichen Betriebsgröße in Deutschland. Regionalität ist noch Trumpf im Freistaat. So kommen z.B. auf 100.000 Bayern 43 Metzgereien (im Bundesdurchschnitt sind es nur 27 Fleischereien).

Die bayerischen Metzger haben denn auch viel zu tun. Mehr als fünf Millionen Schweine und knapp 900.000 Rinder wurden 2015 im Freistaat geschlachtet. Zwar müssen Weißwürste längst nicht mehr bis mittags um zwölf Uhr verzehrt werden, weil sie dank moderner Fertigungsmethoden auch länger frisch bleiben. Aber die Erzeugung tierischer Produkte ist eine wichtige Existenzgrundlage bayerischer Landwirte. Tiere werden auf etwa drei Viertel der Betriebe ab fünf Hektar Wirtschaftsfläche gehalten. Aus der Tierhaltung erlösen die Bayern mehr als die Hälfte ihres Einkommens. Denn 34 Prozent der 3,5 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche sind Grünland, das nur für Wiederkäuer genutzt werden kann. Diese Tiere stehen vor allem in Südbayern und den ostbayerischen Mittelgebirgslagen sowie in Schwaben.

In Bayern gibt es rund 6.000 Schweinehalter, aber 33.000 Milchviehbetriebe. Hier sind Zweinutzungsrassen weit verbreitet; vor allem Fleckvieh und Braunvieh, aber auch "Exoten" wie "Schwarzbunte", die sonst eher im Norden Deutschlands zuhause sind. Oder das japanische Wagyū-Rind - das teuerste Hausrind der Welt. Ohne die Tierhalter wären längst auch Rassen ausgestorben, wie etwa das oberbayerische Murnau-Werdenfelser-Rind.

Fast jeder zweite Milchviehbetrieb und jede dritte Milchkuh Deutschlands sind in Bayern zuhause. Durchschnittlich sind es 37 Kühe, die ein bayerischer Milchbauer hält, die täglich etwa zwanzig Liter Milch liefern. Daraus lassen sich etwa zwei Kilo Käse, vier Päckchen Butter oder vier Kilo Quark herstellen. Und natürlich Trinkmilch. Deren Geschmack wird vom Futter bestimmt, und wer einmal Milch von Kühen getrunken hat, die auf den Bergweiden der Almen grasen, wird den Unterschied zu schätzen wissen.

Milch und Milchprodukte kommen aber nicht nur von bayerischen Kühen, sondern auch von Schafen und Ziegen. Rund 4.500 Bauern halten 60.000 Ziegen, vermarkten deren Fleisch und Milch. Eine Ziege kann pro Jahr bis zum zwanzigfachen ihres Körpergewichts an Milch geben. Damit vergleichbar ist auch die Milchleistung von Schafen. Die 6.500 Schafhalter haben mit ihren 215.000 Mutterschafen Bayern zum schafreichsten Bundesland gemacht. Während die Wollproduktion keine große wirtschaftliche Bedeutung hat, stehen Landschaftspflege und Fleischerzeugung im Fokus. Neben Molkereiprodukten ist vor allem Lammfleisch in der Direktvermarktung sehr gefragt.

Vielfach arbeiten die Betriebe nach Bio-Standards. Inzwischen gibt es in Bayern mehr als 8.000 Höfe (acht Prozent im Freistaat), die auf mehr als 250.000 Hektar ökologisch wirtschaften. Sowohl in Bezug auf die Anzahl der Betriebe als auch auf die Fläche ist Bayern deutscher Öko-Spitzenreiter. Im größten Flächenstaat der Bundesrepublik liegen ein Drittel aller deutschen Öko-Betriebe, zudem sind hier etwa 3.000 Unternehmen mit der Verarbeitung, dem Handel und weiteren nachgelagerten Aufgaben beschäftigt. Gleichwohl kann die heimische Bio-Produktion die Nachfrage nicht decken. So liegt der bundesweite Anteil bayerischer Bio-Milch bei knapp 59 Prozent von insgesamt mehr als 732.000 Tonnen, und die Nachfrage nimmt stetig zu. Auch darum wird versucht, mit dem Landesprogramm "BioRegio Bayern 2020" den Anteil an Biobetrieben in den kommenden vier Jahren zu verdoppeln, und auch deshalb wurde der Agrarhaushalt im Freistaat um fünf Prozent auf 1,4 Milliarden Euro pro Jahr aufgestockt.

Unterstützen möchte man damit unter anderem die Bergbauern: deren Heumilchproduktion und ihren Einsatz für den Erhalt wertvoller Lebensräume für seltene Tiere. Und natürlich insgesamt die familienbetriebene Landwirtschaft, die das Rückgrat der Branche bildet. Insgesamt sind 830.000 Menschen in der Land- und Forstwirtschaft Bayerns beschäftigt, was zwölf Prozent aller Erwerbstätigen im Freistaat entspricht. Nach dem Automobil- und Maschinenbau ist sie mit 115 Milliarden Euro Umsatz die drittwichtigste Branche des Landes.

Bedroht wird sie - wie andernorts in Deutschland auch - durch den Flächenverlust. Täglich gehen im Freistaat 18 Hektar Nutzfläche durch Siedlungs- und Verkehrsprojekte verloren. Darunter leiden auch der bayerische Wald - und die Bauern. Denn drei Viertel von ihnen gehören zu den 700.000 privaten Waldbesitzern. Ihnen gehören mehr als die Hälfte der rund 2,45 Millionen Hektar "grüner Lunge". Etwa eine Milliarde Festmeter Holz umfassen die bayerischen Wälder, in denen in jeder Sekunde ein Festmeter nachwächst. 28 Millionen davon werden jährlich wirtschaftlich genutzt. Nachhaltigkeit und Biodiversität stehen daher ganz oben auf der Agenda vom Aktionsbündnis "proHolz", in dem sich Waldbesitzer, Bauernverband, Staatsministerium und weitere Akteure zusammengeschlossen haben.

Überhaupt die Einigkeit: Wo andernorts Landwirte über Landwirtschaftsminister klagen, scheint in Bayern die Welt noch in Ordnung zu sein. Hier duzen sich auf landwirtschaftlicher Landesebene Präsident und Minister, und selbst ehemalige und aktive Bundeslandwirtschaftsminister rücken hier ganz nah zusammen. Irgendwie hat das "Mia san mia" wohl doch eine tiefsinnige Bedeutung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinweise

Redaktion: Bernd Schwintowski

Bildnachweise:

Archiv, Andrea Bahrenberg, Carlsen-Verlag, C.a.r.m.e.n e.V., Hofseeger.de, i.m.a, MedienDienst Schwintowski, Schroedel Verlag, afnewsgroup-, almpixel-, Axe77-, Fotomaker-, Oliver Mohr-, Moritz320-, Rami-, Dominik Schraudolf-, Tumisu-, Valiunic-, Werner22Brigitte-, Christoph Zimmermann/pixabay.com, Oliver Mohr-, Tim Reckmann/pixelio.de, Weuthen-gmbh.de, Alois Wohlfahrt/pixaybay.com.

Für einen besseren Lesefluss verwenden wir in unseren Beiträgen die gebräuchliche geschlechtliche Bezeichnung, in die jedoch immer auch alle anderen Geschlechter einbezogen sind.

Fördern auch Sie die Arbeit des gemeinnützigen Vereins i.m.a - information.medien.agrar e.V. durch Ihre Spende!

Spendenkonto
i.m.a - Information.medien.agrar e.V.
IBAN: DE95380601862102709015
BIC: GENODED1BRS

Wir freuen uns jederzeit über Feedback, Vorschläge, Kritik und Kommentare unter:
newsletter@ima-agrar.de

Wenn Sie sich aus der Empfängerliste dieses Newsletters entfernen oder Ihre Einstellungen modifizieren möchten, klicken Sie bitte hier.

© information.medien.agrar (i.m.a) e.V., 2013