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Studien, Analysen und Recherchen

Den Überblick behalten

Wer erfolgreich kommunizieren möchte, sollte seine Arbeit immer wieder auf den Prüfstand stellen. Darum sind die Meinungsforschung, die Analyse von Lehrplänen oder das Rezensieren von Schulbüchern ein weiteres wichtiges Handlungsfeld des i.m.a e.V.

Für die Umsetzung bedient er sich dabei externer Unterstützung. Experten, die von außen auf Sachverhalte schauen, verfügen häufig über Blickwinkel, die neue Sichtweisen auf die eigene Arbeit eröffnen. So werden Demoskopen mit der Meinungsforschung beauftragt, Sozialwissenschaftler mit der Analyse von Lehrplänen oder Didaktiker mit der Rezension von Lehrmaterialien. Zudem begleitet und fördert der i.m.a e.V. die akademischen Arbeiten von Studenten im Agrar-Bereich und verwandten Ausbildungszweigen.

Aus der Vielfalt der Erhebungen gewinnt der i.m.a e.V. Erkenntnisse, die ihm bei der Ausrichtung seiner Arbeit helfen. So können z.B. Inhalte von Lehr- und Lernmaterialien immer wieder den wechselnden Anforderungen der Lehrkräfte und den Interessen der Schüler angepasst sowie Informationen für Verbraucher auf den Kommunikationsbedarf der Landwirte ausgerichtet werden.

Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft

Ausblick statt Rückschau zum Jubiläum

  • Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft

  • Was die Masse will

    Kapitel 1

  • Wasser darf was kosten

    Kapitel 2

  • Gute Herkunft

    Kapitel 3

  • Anders essen

    Kapitel 4

  • Wie weiter?

    Kapitel 5

  • Fremde Hilfe

    Kapitel 6

  • Alternativlos

    Kapitel 7

Wie wird die Landwirtschaft der Zukunft aussehen und was sind die Herausforderungen, die in sechzig Jahren auf die Bauernfamilien zukommen? Dieser Blick in die Zukunft erscheint uns anlässlich des sechzigjährigen Bestehens des i.m.a e.V. interessanter als eine Rückschau auf die vergangenen sechs Jahrzehnte.

Bekannt ist: Immer mehr Menschen wissen immer weniger über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauernfamilien. Waren es vor sechzig Jahren vor allem die Menschen in den Städten, die den Kontakt zur Landwirtschaft verloren hatten, so gilt das heute auch für Bevölkerungskreise, die auf dem Land leben.

Anlässlich des i.m.a-Jubiläums 2020 haben wir den Blick in die Zukunft gerichtet. Wir wollten wissen, wie sich die Menschen die Zukunft der deutschen Landwirtschaft vorstellen. Dass die Befragungen stattgefunden haben, als die Beschränkungen aufgrund der Covid-19-Pandemie Einfluss auf das Leben in Deutschland hatten, gibt manchen Aussagen eine ganz besondere Brisanz.

Studie 2020 Website

Meinungsforschung

Das Image der deutschen Landwirtschaft

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Was denkt die Gesellschaft über die Landwirtschaft und welches Image haben die Bauern und Bäuerinnen bei der Bevölkerung. Diese stets wiederkehrende Kernfrage durchzieht alle Meinungsumfragen, die der i.m.a e.V. seit Jahrzehnten von Demoskopen ermitteln lässt.

Die repräsentativen Umfragen, durchgeführt von renommierten Markt- und Meinungsforschungsinstituten, spiegeln die Ansichten der Bevölkerung zu vielen Aspekten der Landwirtschaft, Ernährung und Schulbildung wider. Sie sind damit für die Arbeit aller landwirtschaftlichen Institutionen nützlich und geben darüber hinaus den Entscheidern auf politischer Ebene wertvolle Anhaltspunkte.

Für die speziellen Schwerpunkte der i.m.a-Arbeit bieten einzelne Fragekomplexe wertvolle Erkenntnisse; z.B. hinsichtlich der Einstellung der Bevölkerung zur Vermittlung landwirtschaftlichen Wissens im Schulunterricht oder der praktischen Erfahrungen von Schülern auf Bauernhöfen als außerschulische Lernorte.

Neben den regelmäßigen Meinungsumfragen führt der i.m.a e.V. auch thematisch eingegrenzte Erhebungen durch; etwa zur Naturbildung oder dem Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen. Dabei kooperiert der Verein mit Partner-Institutionen.

Image-Studie 2017

Fokus Naturbildung

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Bei der Durchführung von Studien und Umfragen ist der i.m.a e.V. ein beliebter Partner von Institutionen, die sich ebenso in der Bildungsarbeit engagieren. Mit dem Deutschen Jagdverband e.V. und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V. wurde z.B. die repräsentative Studie „Fokus Naturbildung“ entwickelt und durchgeführt. Die Ergebnisse räumen mit Vorurteilen über die Jugend auf.

Wer bislang glaubte, die „Generation Selfie“ habe kein Interesse an der Natur und Landwirtschaft, wird durch die Studie eines Besseren belehrt: Am liebsten sucht die Jugend Spaß und Action sowie einen Ausgleich zum Schulalltag (jeweils 74 %) in der Natur. Mit ihr werden Freiheit (71 %) und Abenteuer (74 %) verbunden, aber auch Stille (53 %) und Gesundheit (42 %). Für achtzig Prozent der Befragten steht die Landwirtschaft für den Erhalt von Natur und Landschaft.

Befragt wurden tausend Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 15 Jahren in zwei qualitativen und einer quantitativen Studie.

Studie Fokus Naturbildung 2017

Lehrplan-Analysen

Die Kultusministerien der Bundesländer veröffentlichten Lehrpläne, in denen vorgegeben wird, welche Bildungsziele durch den Schulunterricht erreicht werden sollen. Deutschlandweit gibt es mehr als 2000 Lehrpläne, „Curricula“ genannt, die von der Grund- bis zur Berufsschule festlegen bzw. empfehlen, welchen Unterrichtsstoff die Lehrkräfte durchnehmen sollen. An diesen Curricula orientieren sich Schulbuchverlage bei der Produktion ihrer Lehr- und Lernmaterialien.

Die vom i.m.a e.V. beauftragten Wissenschaftler analysieren die Lehrpläne unter verschiedenen Aspekten. Zunächst ist es wichtig zu erkennen, welchen Stellenwert die Landwirtschaft im Schulunterricht hat. Wird sie ausreichend behandelt und wo gibt es ggf. Defizite? Aus den Erkenntnissen können sich Forderungen der Bauernverbände an die Politik ergeben. Da die Curricula auf der Ebene der Bundesländer analysiert und ausgewertet werden, können diese Erhebungen insbesondere einen Beitrag für die regionale Bildungsarbeit der i.m.a-Mitgliedsverbände leisten.

Für die zielgenaue Produktion der i.m.a-Materialien ist es wichtig zu erkennen, welcher Bedarf an den Schulen im Unterricht besteht. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit nach der Produktion geeigneter Lehrmaterialien, wie z.B. den Unterrichtsbausteinen im i.m.a-Lehrermagazin „lebens.mittel.punkt“.

Schulbuch-Analysen

Landwirtschaft in Schulbüchern und Lehrmaterialien

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Regelmäßig analysieren Pädagogen und Didaktiker die Schul- und Kinderbücher, in denen Themen der Landwirtschaft behandelt werden. Überprüft wird, ob die verschiedenen landwirtschaftlichen Systeme sachlich und wertneutral dargestellt werden und ob die landwirtschaftliche Praxis korrekt erläutert wird. Kurzformen der Rezensionen werden im i.m.a-Lehrermagazin „lebens.mittel.punkt“ veröffentlicht, das vier Mal im Jahr erscheint. Die ausführlichen Rezensionen findet sich hier nachstehend.

Große Aufmerksamkeit wird auch der didaktischen Umsetzung gewidmet. Hierbei wird detailliert beschrieben, wie sich die Lehr- und Lernaspekte des Buchs in der Unterrichtspraxis einsetzen lassen. Die Rezension erfolgt dabei sowohl aus Sicht der Lehrkraft, die mit dem Buch ihren Unterricht gestalten möchte, als auch aus Sicht der Schüler und den Rezeptionsmöglichkeiten, die das Buch bietet.

Unsere Schulbuchanalysen dienen auch dazu, im Kontakt mit den Verlagen und Autoren auf Korrekturen und Verbesserungen hinzuweisen bzw. an deren Umsetzung mitzuwirken. Ziel aller Bemühungen ist es, einerseits den Lehrkräften Orientierung bei der Auswahl ihrer Lehrmaterialien zu bieten und andererseits dazu beizutragen, dass in den Schulen sachlich korrekt und unvoreingenommen über die Landwirtschaft unterrichtet wird.

Schulbuch-Analysen

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Studien und Analysen

Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft

Repräsentative Bevölkerungsumfrage 2020 von KANTAR Emnid im Auftrag des information.medien.agrar e.V. anlässlich des 60-jährigen i.m.a-Jubiläums.

Was die Masse will

Regionalität ist bei der Bevölkerung Trumpf. Sie erwartet, dass die Versorgung mit regionalen Produkten von der Landwirtschaft sichergestellt wird. Auch in Krisenzeiten. Die Preisfrage stellt sich dabei für die meisten Bundesbürger nicht.

Welche der folgenden Aufgaben sollten die deutschen Landwirte jetzt und in Zukunft für unsere Gesellschaft erfüllen?


Tierwohl und billige Lebensmittel haben weniger Bedeutung

In Krisenzeiten sind den Menschen ihre persönlichen Bedürfnisse am wichtigsten. Das machen die Antworten auf die Frage nach dem Anspruch der Bevölkerung an die Landwirtschaft deutlich: Die Versorgung mit Nahrungsmitteln rangiert vor dem Einhalten von Tierwohlstandards und hat für die Menschen inzwischen ebenso viel Bedeutung wie der Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaften. Damit einher geht die Erwartung, dass sich die Landwirte für den Umwelt- und Klimaschutz engagieren und dabei zugleich fortschrittlich agieren, die Artenvielfalt fördern und zur Energieversorgung beitragen.

Die Verbraucher in Deutschland sind weniger an preiswerten Lebensmitteln interessiert, als bisher vermutet

Für 46 Prozent der Befragten scheint der Preis für Nahrungsmittel weniger wichtig zu sein. Nur für die Ostdeutschen war dies zu sechzig Prozent ein wichtiger Aspekt.

Der Wunsch nach regionalen Produkten ist nirgendwo in Deutschland größer als in der Hauptstadt

Hundert Prozent aller befragten Berliner erwarten künftig von der Landwirtschaft, dass sie ihnen regional erzeugte Produkte zur Verfügung stellt. Bundesweit am deutlichsten ist diese Erwartungshaltung bei Menschen zwischen 40 und 49 Jahren mit mittlerer Schulbildung ausgeprägt und in Drei-Personen- Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen zwischen 2.500 und 3.500 Euro. Für Schüler und Studenten hat die Herkunft der Produkte etwas weniger Relevanz, ebenso wie für Single- und Zwei- Personen-Haushalte.

Für die Norddeutschen haben Preise für Nahrungsmittel deutlich geringere Relevanz als für Ostdeutsche

Die Erzeugung günstiger Nahrungsmittel durch die Landwirtschaft hat bei den Menschen in Hamburg und Bremen, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein deutlich weniger Bedeutung als in allen anderen Bundesländern. Gerade mal für 25 Prozent der Befragten spielt der Preis eine Rolle. Mit 61 Prozent haben in dieser Frage die Menschen in Brandenburg, Mecklenburg- Vorpommern, Sachsen, Sachsen- Anhalt und Thüringen deutlich höhere Erwartungen an die Landwirtschaft.

  • Max Mustermann

    ↪ 91%: Landwirte sollen Kulturlandschaften pflegen

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    ↪ 90%: Landwirte sollen Klimaschutz verbessern

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    ↪ 90%: Landwirte sollen fortschrittlich sein

"Die Systemrelevanz der Landwirtschaft rückt in den Fokus"

Dr. Juliane Rumpf, Vorstandsvorsitzende der Agrarsozialen Gesellschaft e.V.

Die Ergebnisse der Umfrage überraschen mich nicht. Sie zeigen, wie sehr die Menschen die Arbeit der in der Landwirtschaft Tätigen wertschätzen und zwar insbesondere in Krisenzeiten, wie wir sie gerade mit der Corona-Pandemie erleben. Juliane RumpfDie Systemrelevanz der Landwirtschaft rückt in den Fokus. Es wird den Menschen klar, wie wichtig und wertvoll Landwirtschaft in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, in ihrer Region für die tägliche Versorgung mit Nahrungsmitteln ist. Dieses äußert sich zurzeit auch mit einem erfreulichen Absatzzuwachs der Betriebe mit Direktvermarktung.

Daneben zeigt die Umfrage erwartungsgemäß auch den großen Umfang gesellschaftlicher Leistungen, die die Bevölkerung von der Landwirtschaft erwartet. Hier tut sich jedoch eine Kluft auf. Die Landwirte und Landwirtinnen müssen ihre Familien von ihrer Arbeit ernähren können. Daher ist es unabdingbar, dass diesen gesellschaftlichen Forderungen entsprechende Entlohnungsansätze gegenüberstehen. Hier erwarte ich mehr moderne, richtungsweisende Politik für die neue EU-Förderperiode. Mit einer stärkeren Betonung der zweiten Säule bei den Umwelt- und Klimaschutzprogrammen sowie einer Förderung von Maßnahmen zur Erhöhung der Tierwohlstandards könnten dieser gesellschaftliche Konflikt und zugleich die dringend erforderlichen Aufgabenstellungen im Umwelt- und Klimaschutz – endlich – gelöst werden. Denn die Landwirtschaft der Zukunft wird aus meiner Sicht so aussehen, dass wir auf den natürlichen Gunststandorten weiterhin intensiv Landwirtschaft betreiben und Nahrungsmittel in guter Qualität sowie Grundstoffe für erneuerbare Energien erzeugen. Dabei werden die Auflagen zum Schutz von Natur, Umwelt und Klima stetig steigen.

Daneben sehe ich die Landwirtschaft immer stärker im Dienst der Gesellschaft, indem sie Sonderleistungen für den Arten-, Boden-, Gewässer-, Klima- und Tierschutz erbringt. Diese Leistungen müssen künftig nicht nur mit dem Ausgleich entgangenen Nutzens und höherer Kosten (wie heute), sondern endlich auch mit einer angemessenen Einkommenskomponente bedacht werden. Nur dann sind die Programme attraktiv für die Landwirtschaft, nur dann erhöhen sie die Chancen von Landwirtinnen und Landwirten auf kleineren Betrieben und solchen mit ungünstigeren Produktionsbedingungen. Auch das ist eine breit getragene politische Zielsetzung. Die gesellschaftliche Kluft zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft könnte sich schließen. Eigentlich eine einfach zu lösende Aufgabe für alle politisch Verantwortlichen!

Und wie werden diese Aufgaben derzeit von den deutschen Landwirten Ihrer Ansicht nach erfüllt?


Fragt man die Bevölkerung, in welchen Punkten sie die von der Landwirtschaft erwarteten Leistungen heute bereits erfüllt sieht, steht die Versorgungssicherheit an erster Stelle. In allen Regionen, Alters- und Einkommensschichten sind die Menschen zu insgesamt 88 Prozent zufrieden. Schlusslicht bei der wahrgenommenen Realität ist das Tierwohl. Nur 39 Prozent der Bevölkerung erkennen an, dass die Standards eingehalten werden. Am wenigsten davon überzeugt sind die 30- bis 39-jährigen Befragten, die Gruppe der Schüler und die Menschen in Berlin.

"Wertschätzung, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit unserer Landwirtschaft erhalten"

Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Dieses Ute VolquardsenChart zeigt, dass die große Mehrheit der Bevölkerung in unserem Land mit der ureigenen Aufgabe der Landwirtschaft, nämlich die Ernährung zu sichern, darunter auch mit regionalen und ebenso bezahlbaren Lebensmitteln, zufrieden ist. Corona hat uns zuletzt allen eindringlich vor Augen geführt, wie wichtig regionale Lieferketten sind, wie groß teils die Abhängigkeiten vom Ausland sind, und wie fragil das globale System in der Krise sein kann. Plötzlich hieß es (endlich) wieder: Landwirtschaft ist systemrelevant! Das freut mich als Landwirtin und als Präsidentin einer Landwirtschaftskammer doppelt.

Dennoch müssen wir als Branche selbstkritisch zur Kenntnis nehmen, dass es gerade die jungen Verbraucher und Verbraucherinnen sind, - die Zukunft unserer Gesellschaft -, die der Landwirtschaft kritisch gegenüberstehen (siehe Chart). Das mag zum einen mit einer immer größeren Entfremdung von der modernen Arbeitsweise und dem Leben auf dem Lande zu tun haben, zum anderen aber auch mit unerfüllten Wünschen nach mehr Anstrengungen zum Klimaschutz, der Erhaltung der Artenvielfalt und Förderung des Tierwohls. Die Agrarbranche sollte sich hier auf der einen Seite lösungsorientiert zeigen und auf der anderen Seite noch mehr kommunizieren, dass sie ihren Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leistet und bereit ist, auch künftig zu leisten. Diese Anstrengungen dürfen, wenn sie politisch „verordnet“ werden, jedoch nicht dazu führen, dass bestimmte Betriebszweige unrentabel werden und ins Ausland verlagert werden. Letztlich geht es hier also um Wertschätzung, Wertschöpfung und die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen landwirtschaftlichen Produktion in unserem Land.

Welche der folgenden Aufgaben sollten die deutschen Landwirte jetzt und in Zukunft für unsere Gesellschaft erfüllen? = SOLL

Und wie werden diese Aufgaben derzeit von den deutschen Landwirten Ihrer Ansicht nach erfüllt? = IST


Tierwohl offenbart Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Nur 39 Prozent der Befragten sind mit der Einhaltung der Tierwohl- Standards in der Landwirtschaft zufrieden. Aber 91 Prozent der Bevölkerung erwarten, dass sich in diesem Punkt mehr verbessert. Mehr als die Hälfte der Menschen sind also mit der wahrgenommenen Realität unzufrieden. So groß ist die Diskrepanz bei keinem anderen Aspekt dieses Fragenkomplexes. Nur noch beim Schutz der Umwelt und des Klimas bzw. der Förderung der Artenvielfalt gehen mit 42 bzw. vierzig Prozent Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander. Weniger groß ist der Abstand in der Erwartung der Bevölkerung, dass die Landwirtschaft zur Energieversorgung beiträgt (17%) oder in der Einschätzung von deren Fortschrittlichkeit (15%).

In einem Punkt werden die Erwartungen der Bevölkerung an die Landwirtschaft übertroffen

Fast drei Viertel der Befragten erkennen an, dass die Landwirtschaft preiswerte Nahrungsmittel produziert. Erwartet hatten das gerade mal 46 Prozent der Bevölkerung.

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↪ 97%: Regionale Versorgung – besser als erwartet

In den persönlichen Erlebnisbereichen nähern sich Wunsch und Wirklichkeit einander deutlich an

Die wahrgenommene Realität kann durch Beiträge in Medien und Online-Netzwerken beeinflusst werden. Verfügen die Befragten jedoch über eigene Erfahrungen, fallen die Ergebnisse anders aus: Dann liegen z.B. nur noch acht oder zwölf Prozent zwischen dem Wunsch der Menschen nach einer Versorgung mit regionalen Lebensmitteln bzw. der Versorgung in Krisenzeiten und der wahrgenommenen Realität.

"Wir brauchen digitale Lösungen im Stall und auf dem Acker"

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft

Die Corona-Krise hat uns allen gezeigt, local marketdass volle Regale keine Selbstverständlichkeit sind. Vielen ist wieder stärker bewusst geworden, warum wir eine erfolgreiche heimische Land- und Ernährungswirtschaft brauchen. Den Umfragen unseres Ministeriums zufolge hat für fast 40 Prozent der Menschen durch Corona die Bedeutung der Landwirtschaft nochmals zugenommen. Dass diese systemrelevant ist, stellt sicher niemand mehr infrage. Das dokumentiert auch die Gegenüberstellung von Aufgabenanspruch und Aufgabenerfüllung dieser Studie. Sie zeigt, dass die Menschen sich von der Landwirtschaft gut versorgt fühlen, auch in der Krise. Und dass sie sich mehr regionale Produkte wünschen.

Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass die Bevölkerung einen hohen Anspruch an die Landwirtschaft im Hinblick auf den Schutz von Umwelt, Natur und Klima hat, dass Tierwohl einen hohen Stellenwert einnimmt. Die Ergebnisse zeigen aber, dass viele der Studienteilnehmer diesbezüglich noch mehr Leistungen von der Landwirtschaft erwarten. Wie das gelingen kann? Indem die Landwirtschaft noch nachhaltiger arbeitet, ökologisch-produktiv ist. Dazu brauchen wir digitale Lösungen im Stall und auf dem Acker, müssen bei der Züchtung auch mit neuen Technologien vorankommen und sollten auch bei der Düngung und im Pflanzenschutz noch besser und effektiver werden.

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Bildquellen

Titelbild, Trecker Gemuese: adobeStock_© magdal3na
Chart-1, Aufgaben Soll: i.m.a-eV_© Sarah Kienapfel
Landschaft, Luftbild: adobeStock_© TRFilm
VW-Bus, Praxis-Theorie: adobeStock_© Thomas Reimer
Drohne Feld Landwirtin: adobeStock_© scharfsinn86
Dr. Juliane Rumpf: © Ulrike Baer
Chart-2, Aufgaben Ist: i.m.a-eV_© Sarah Kienapfel
Ute Volquardsen: LWK Schleswig-Holstein_© Iris Jäger
Chart-3, Soll-Ist-Vergleich: i.m.a-eV_© Sarah Kienapfel
Wochenmarkt Corona-Maske: adobeStock_© Valeria Schettino
Julia Klöckner: © CDU Rheinland-Pfalz

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Studien und Analysen

Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft

Repräsentative Bevölkerungsumfrage 2020 von KANTAR Emnid im Auftrag des information.medien.agrar e.V. anlässlich des 60-jährigen i.m.a-Jubiläums.

Gute Herkunft

Wo ihr Fleisch herkommt, ist den Verbrauchern in Deutschland wichtig. Größtes Vertrauen genießen heimische Produkte. Auch international ist die Herkunftsbezeichnung "Made in Germany" beim Fleisch ein Zertifikat für Qualität.

Einmal angenommen, Sie hätten beim Einkauf die Wahl zwischen einem Stück Fleisch aus Deutschland und einem gleichen Stück Fleisch aus dem Ausland. Für welches würden Sie sich entscheiden oder wäre Ihnen das egal?


Deutschland spielt(e) in der Export-Oberliga mit

Die Europäer lieben deutsches Schweinefleisch. Mehr als drei Viertel wird in die EU-Länder exportiert; besonders viel nach Italien. Inzwischen nimmt jedoch die Nachfrage aus China rapide zu. 2020 hat das Land erstmals Italien als Hauptabnehmer überholt - bis ein Exportstopp wegen der Afrikanischen Schweinepest den Handel zusammenbrechen ließ.

Bislang gehörte Deutschland zu den Top-3-Ländern beim Export von Schweinefleisch. Der Weltmarktanteil lag bei mehr als 15 Prozent. Die Unterschiede zu den Spitzenreitern Spanien und USA waren marginal und lagen im Nachkommabereich. Gegenüber Dänemark und den Niederlanden betrug der Abstand fast sieben Prozent. Das bewies: Deutsches Schweinefleisch ist international geschätzt.

Beim Fleischexport insgesamt belegt Deutschland mit einem Marktanteil von knapp sieben Prozent den fünften Rang; hinter den Niederlanden. Die drei Spitzenplätze teilen sich die USA, Brasilien und Australien. Die USA exportieren fast doppelt so viel Fleisch wie Deutschland.

Fleisch aus Deutschland wird vor allem von älteren Zielgruppen bevorzugt
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↪ 87%: Lieber Fleisch aus Deutschland

Auch hierzulande wissen die Verbraucher die Qualität einheimischen Fleisches zu schätzen. 87 Prozent der Bevölkerung würden deutsches Fleisch der Importware vorziehen. Bei den Menschen jenseits der Fünfzig sind es sogar 91 Prozent. Fleisch aus Deutschland ist zu 90 Prozent besonders in Bayern begehrt. Fleisch aus dem Ausland wird bei den Befragten in Brandenburg, Mecklenburg- Vorpommern und Sachsen-Anhalt geschätzt - auf einem geringen Niveau von acht Prozent. In den anderen Bundesländern liegt das Interesse gerade mal bei einem Prozent oder sogar unterhalb der Messgrenze.

Beim Fleisch hat allenfalls das Einkommen Einfluss auf die Frage nach der Herkunft

Mit 92 Prozent kaufen vor allem Haushalte Fleisch aus Deutschland, die über ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 3.500 Euro verfügen. Wo weniger als 1.500 Euro im Monat zur Verfügung stehen, sind es immer noch 74 Prozent der Haushalte, die einheimisches Fleisch bevorzugen. Aber auch 19 Prozent der Befragten geben an, die Herkunft sei ihnen egal - mehr als drei Mal so viel wie bei den Spitzenverdienern.

Fast sechzig Kilo Fleisch verzehrt der Bundesbürger im Jahr - Tendenz abnehmend. Nach Schweinefleisch mit mehr als 34 Kilo ist es vor allem Geflügel mit knapp 14 Kilo. Der Rindund Kalbfleischverzehr bringt es gerade mal auf zehn Kilo pro Jahr in der bundesdeutschen Bevölkerung.

"Eine nachhaltigere und tiergerechtere Landwirtschaft ist unumgänglich"

Dörte Elß, Vorstand Verbraucherzentrale Berlin

Die vorliegende Umfrage zeigt, doerte elssdass Verbraucher und Verbraucherinnen heute bewusster konsumieren und sich immer mehr damit beschäftigen, woher ihre Lebensmittel kommen. Mit dem Einkauf des heimischen Fleischs wollen sie sowohl die heimischen Betriebe als auch regionale Wertschöpfungskreisläufe fördern. Dies wird wahrscheinlich in Zukunft noch verstärkt. Nicht nur die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass funktionierende Versorgungsstrukturen innerhalb eines Landes wichtig sind.

Die Zukunft der Landwirtschaft und damit auch der Lebensmittelproduktion wird einigen Wandel mit sich bringen. Nährstoffüberschüsse, Artenrückgang, Klimawandel und Tierwohl sind einige der Probleme, für die Lösungen gefunden werden müssen.

Eine nachhaltigere und tiergerechtere Landwirtschaft ist unumgänglich, um auch in Zukunft eine gute Versorgung der Bevölkerung gewährleisten zu können. Der Pflanzenbau sollte Umwelt und Naturschutz in Einklang bringen und gleichzeitig widerstandsfähig gegenüber Wetterereignissen sein. Die Tierhaltung muss insgesamt tiergerechter und für den Verbraucher transparenter, zum Beispiel über ein staatliches Tierwohllabel, gekennzeichnet werden. Dafür bedarf es neben Innovationen auch bewährter Techniken und Methoden, wie sie heutzutage zum Beispiel im Bio-Landbau schon angewendet werden.

Die EU-Agrarpolitik muss gezielt dafür eingesetzt werden, nachhaltige und tiergerechte Produktionsweisen zu fördern, denn nur so können Ressourcen langfristig genutzt werden. Die Initiierung und Stärkung regionaler Wertschöpfungskreisläufe fördert einerseits den für die Landwirtschaft wichtigen ländlichen Raum und führt gleichzeitig dazu, dass der Verbraucherwunsch nach regionalen Lebensmitteln erfüllt werden kann. Bei alldem ist es besonders wichtig, dass verlässliche gesetzliche Regelungen zur Kennzeichnung regionaler Lebensmittel entstehen, denn nur so können Verbraucher und Verbraucherinnen mit einer bewussten Kaufentscheidung diesen Wandel auch unterstützen.

Und einmal angenommen, das Stück Fleisch aus dem Ausland kostet Sie 5 Euro. Wie teuer dürfte das Fleisch aus Deutschland dann sein, sodass Sie es gerade noch kaufen?

Bei einem Angebotspreis von 5 Euro für ausländisches Fleisch liegt die maximale Zahlungsbereitschaft für deutsches Fleisch bei...

Für deutsches Fleisch wird gerne mehr Geld ausgegeben

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↪ 21%: Fleisch aus Deutschland dürfte bis zu sechs Euro teurer sein

Acht von zehn Befragten, die Fleisch aus Deutschland bevorzugen, würden dafür auch mehr Geld ausgeben. Durchschnittlich 8,71 Euro würden sich die Verbraucher ein Stück deutsches Fleisch kosten lassen, wenn ein vergleichbares Produkt aus dem Ausland fünf Euro kosten würde.

Senioren über sechzig Jahre würden im Durchschnitt drei Euro mehr und damit maximal 8,05 Euro bezahlen, während junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren die höchste Zahlungsbereitschaft haben. Sie würden für durchschnittlich 9,33 Euro ein Stück Fleisch aus heimischer Produktion kaufen. Ähnlich viel, 9,27 Euro, wären Befragte aus der Altersgruppe zwischen 40 und 49 Jahren bereit zu zahlen.

Mit dem Bildungsstand steigt auch die Zahlungsbereitschaft. Mit 8,86 Euro für ein Stück Fleisch aus Deutschland ist sie bei Menschen mit Abitur und Studium am höchsten. Beim monatlich verfügbaren Haushaltsnettoeinkommen gibt es diese Tendenz nicht. Hier sind zwar die Haushalte mit mehr als 3.500 Euro Monatseinkommen bereit, bis zu 4,02 Euro mehr zu bezahlen. Aber auch die Haushalte, denen maximal nur 1.500 Euro monatlich zur Verfügung stehen, wären immer noch bereit, 3,82 Euro draufzulegen.

Die Menschen mit der höchsten Zahlungsbereitschaft für einheimisches Fleisch leben in Sachsen und Thüringen. Dort ist man bereit, 9,38 Euro auszugeben - beinahe das Doppelte gegenüber importiertem Fleisch. Auch in Bayern liegt die Zahlungsbereitschaft mit 9,08 Euro deutlich über dem Durchschnitt. In allen anderen Bundesländern sind die Menschen nicht bereit, derart tief in die Tasche zu greifen. Am geringsten ist die Zahlungsbereitschaft in Baden- Württemberg, wo die Befragten 8,32 Euro ausgeben würden. Aber auch damit wäre ihnen ein Stück einheimisches Fleisch immer noch 3,32 Euro mehr wert als ausländische Ware.

"Preise für Fleisch- und Wurstwaren müssen mittel- bis langfristig steigen"

Sarah Dhem, Fleischermeisterin und Präsidentin Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie e.V.

Sarah Dhem

Qualitative Eigenschaften von Fleisch lassen sich nicht für ein gesamtes Land treffen und laufen dem Gedanken eines Binnenmarktes zutiefst zuwider, eine Abgrenzung innerhalb der EU ist aus hygienischen und gesundheitlichen Eigenschaften in keiner Weise begründbar. Unabhängig vom Wunsch vieler Verbraucher nach regionalen Produkten, dem wir selbstverständlich auch in der Lebensmittelindustrie gerne nachkommen: Es muss unsere gemeinsame Aufgabe sein, uns deutlich gegen eine aufkommende „Re-Nationalisierung“ der Märkte und einen Protektionismus auszusprechen, die den Wohlstand und den Zusammenhalt in Europa gefährden. Wir importieren innerhalb der EU und wir exportieren noch viel mehr. Die Landwirtschaft in Deutschland hatte durch diese Entwicklung starke Wachstumsmöglichkeiten in den letzten Jahren. Das sollten wir bei allen guten Gedanken zu den Themen Regionalität und kurzen Wegen nicht plötzlich vergessen.

Generell bin ich der festen Überzeugung, dass Preise für Fleischund Wurstwaren mittel- bis langfristig steigen müssen. Nur so können wir über die Landwirtschaft bis hin zur Verarbeitungsbranche im Hinblick auf Anforderungen an unsere Umwelt, das Wohl unserer Nutztiere und unsere Mitarbeiter nachhaltig erfolgreich arbeiten. Wir müssen gemeinsam viele Aufgaben angehen, das geht weder in Deutschland noch in Europa zu Schleuderpreisen. Also gilt es, die Wertigkeit für unsere Produkte in der Gesellschaft wieder voranzubringen – ohne daraus ein Luxusgut zu kreieren.

Es wird eine Gratwanderung in den nächsten Jahren, eine ausgewogene Ernährung auch mit Fleisch- und Wurstwaren in Einklang zu bringen mit unseren Ressourcen und unseren Ansprüchen. Was das angeht machen Ihre Umfrageergebnisse definitiv Mut! Zeigen sie doch, dass die Befragten in fast allen Fällen bereit sind, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben.

"Hohe Produktqualität und transparente Partnerschaft honorieren unsere Kunden"

Friedhelm Dornseifer, Selbstständiger Lebensmittelkaufmann und Präsident Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e.V.

Friedhelm Dornseifer

Neben dem Geschmack spielt Regionalität für die Lebensmittelwertschätzung der Verbraucher eine große Rolle. Für regionale Produkte zahlen sie gern einen Mehrpreis, weil die kurze Lieferkette transparent ist und weil sie sich mit den Erzeugern von nebenan emotional verbunden fühlen.

Als Lebensmittelkaufmann pflege ich mit vielen Bauern aus unserer Region seit Jahren gute und vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen. Sie erscheinen regelmäßig mit ihren Produkten in unseren Handzetteln. Neben der hohen Produktqualität ist es diese transparente Partnerschaft, die unsere Kunden honorieren. Solche regionalen Wertschöpfungskooperationen sind eine gute Möglichkeit, dass unsere Bauern auch in Zukunft als freie Unternehmer in einer wettbewerbsfähigen Landwirtschaft rentabel arbeiten können.

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Bildquellen

Fleisch-Weltkartel: adobeStock_© freshidea
Europa-Fahnen: AdobeStock_© artfocus
Dörte Elß: Thorsten Greb
Einkauf: AdobeStock_© Robert Kneschke
Sarah Dhem: Timo Lutz Werbefotografie
Friedhelm Dornseifer: BVLH Wagenzik

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Studien und Analysen

Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft

Repräsentative Bevölkerungsumfrage 2020 von KANTAR Emnid im Auftrag des information.medien.agrar e.V. anlässlich des 60-jährigen i.m.a-Jubiläums.

Wasser darf was kosten

Wertewandel

Bisher wurde immer wieder angenommen, dass die Zahlungsbereitschaft der Mehrheit der Bevölkerung für Lebensmittel aus artgerechter Tierhaltung am höchsten ist. Das war ein Irrtum. Noch wichtpiger ist den Menschen sauberes Grundwasser.

Tierhaltung, regional erzeugte Lebensmittel, der Erhalt der Artenvielfalt, weniger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder die klimafreundliche Herstellung von Produkten - alles hat für die Bevölkerung weit weniger Bedeutung.

Die Zahlungsbereitschaft für sauberes Wasser ist bei den Bundesbürgern höher als für jede andere Leistung. Obwohl die Wasserversorgung in Deutschland ein deutlich höheres Niveau als in anderen vergleichbaren Ländern hat, wären die Menschen bereit, für die Sicherstellung dieser Versorgung künftig noch mehr Geld auszugeben.

Angenommen, für einige Dinge müssten Sie künftig mehr Geld ausgeben. Wie wichtig wären Ihnen dann folgende Dinge?


Frauen haben höhere Zahlungsbereitschaft

Das von den Vereinten Nationen verbriefte Menschenrecht auf sauberes Wasser ist auch für die Bevölkerung in Deutschland ein wichtiges Gut. 82 Prozent der Befragten würden dafür mehr Geld ausgeben - um zehn Prozent sogar deutlich mehr Frauen als Männer.

Auch in allen anderen in der Umfrage genannten Punkten sind die Frauen bereit, mehr als die Männer zu bezahlen: Bei der artgerechten Tierhaltung sind es 16 Prozent, beim Erhalt der Artenvielfalt 14 Prozent, die eine höhere Zahlungsbereitschaft haben. Jeweils zwölf Prozent beträgt der Abstand der Frauen zur Zahlungsbereitschaft der Männer bei regionalen Lebensmitteln und einer Verringerung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln.

Was hohen und niedrigen Einkommensschichten besonders wichtig ist

Mit 89 Prozent gibt es in den Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 1.500 Euro die größte Zahlungsbereitschaft für sauberes Grundwasser. Sie liegt sogar um zehn Prozent über der von Haushalten mit mehr als 3.500 Euro Nettoeinkommen.

Dagegen sind Haushalte mit hohem Einkommen zu 66 Prozent bereit, für regionale Lebensmittel mehr Geld auszugeben; besonders in der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren (71%), in Sachsen und Thüringen (72%) sowie in Baden-Württemberg (70%).

Die höchste Zahlungsbereitschaft für eine artgerechte Tierhaltung ist mit 74 bzw. 72 Prozent in der Bevölkerung zwischen 30 und 39 Jahren sowie bei den Senioren über sechzig Jahren verbreitet.

Mit 76 Prozent ist den Befragten in Berlin der Erhalt der Artenvielfalt um mehr als ein Drittel wichtiger als den Menschen in allen anderen Bundesländern.

  • Max Mustermann

    ↪ 82%: Sauberes Grundwasser ist mehr Geld wert

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    ↪ 70%: Zahlungsbereitschaft für mehr Tierwohl

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    ↪ 60%: Für regionale Lebensmittel wird gerne mehr ausgegeben

"Es ist leichter, zu sagen, dass man mehr Geld für Tierwohl ausgeben würde, als es dann auch wirklich zu tun"

Josef Seitz, Landwirt in Oberbayern

Als Bauernfamilie betreiben wir Hopfenanbau, Josef SeitzSchweinehaltung und Ackerbau, und produzieren, was der Handel sucht. Produkte, die immer gleich sind und die sich nicht ständig in Qualität, Größe, Gewicht und vielen weiteren Merkmalen ändern. Es gibt natürlich auch Marktlücken wie die Direktvermarktung am Hofladen, die für uns jedoch auch erst einmal mit Kosten verbunden ist und viel Zeit benötigt. Und wenn der Hofladen zu weit vom Verbraucher entfernt ist, deckt der Umsatz kaum die Kosten. Somit ist Direktvermarktung nicht für jeden Betrieb geeignet.

Sauberes Grundwasser ist für uns Landwirte die Grundlage erfolgreicher Arbeit; und nicht nur, weil auch wir an unsere Kinder denken. Wir düngen nur so viel, wie es unsere Pflanzen zum Wachstum brauchen. Je mehr dabei unsere Arbeit eingeschränkt wird, umso größer wird das Risiko, dass unsere Pflanzen nicht gedeihen und Ernten ausfallen.

Das von Verbrauchern gepriesene Interesse an mehr Tierwohl kommt bei vielen Umfragen zur Geltung, jedoch ist der Absatz der Tierwohlprodukte eher gering. Es ist leichter, in einer Umfrage zu sagen, dass man mehr Geld für Tierwohl ausgeben würde, als es dann auch wirklich zu tun, wenn beim Einkaufen die SUPER-RABATTE mit billigstem Fleisch locken.

Wäre das Kaufinteresse der Verbraucher anders, würden z.B. Supermärkte dies wahrnehmen und ihr Sortiment umstellen. Schlachthöfe würden die Forderungen der Vermarkter zu spüren bekommen und müssten dann mehr Geld für Tierwohlhaltung ausgeben, um mehr Tiere aus diesen Haltungssystemen zu bekommen, die sich der Verbraucher wünscht. Dann wären auch bei uns Landwirten die Preise besser und es würden sich vielleicht mehr Betriebe eine Umstellung überlegen. Es entscheidet also am Ende immer der Verbraucher, welche Produkte und Haltungssituationen er fördert.

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Bildquellen

Euro-Wasser: AdobeStock_© K.-U.Häßler
Hand im Wasser: AdobeStock_© Wunderbild
Frau mit Schweinen: i.m.a/Timo Jaworr
Hofladen: i.m.a/Timo Jaworr
Josef Seitz: privat

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Studien und Analysen

Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft

Repräsentative Bevölkerungsumfrage 2020 von KANTAR Emnid im Auftrag des information.medien.agrar e.V. anlässlich des 60-jährigen i.m.a-Jubiläums.

Anders essen

Was heute noch das Image sonderbarer Delikatessen hat oder deren Verzehr als Mutprobe wirkt, könnte in naher Zukunft unsere Speisenpläne bereichern: Insekten und Algen. Immer mehr Menschen zeigen sich offen für diese Alternativen in der Ernährung.

Was meinen Sie, könnte der weltweit immer größere Bedarf an Lebensmitteln in Zukunft durch vermehrten Verzehr von Lebensmitteln aus Insekten oder Algen gedeckt werden?


Die Zukunft unserer Ernährung ist auch eine Altersfrage

Die Weltbevölkerung wächst; in dreißig Jahren werden voraussichtlich neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Wie werden sie sich ernähren? Und vor allem: Werden die vorhandenen Nahrungsmittel ausreichen?

Die Suche nach neuen Lebensmitteln treibt Forscher und Unternehmer an. In Deutschland gibt es Unternehmen, die Anlagen bauen, in denen Algen als Sauerstoffproduzenten, Biomasse oder Lieferanten von Eiweiß, Kohlenhydraten und Omega-3-Fettsäuren gezüchtet werden. Andere Spezialisten vertreiben bereits seit vielen Jahren Speise-Insekten und Insektenprodukte als „Fleisch der Zukunft“, das Proteine, Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe enthält. Weltweit gelten mehr als 1.900 Insektenarten als essbar. In Deutschland werden zurzeit Heuschrecken, Grillen, Mehl- und Buffalowürmer zu Nahrungsmitteln verarbeitet. Erste Supermarktketten haben bereits Insektenprodukte im Sortiment und auch der Online-Handel nimmt zu.

Mit der Verbreitung der Produkte nimmt die Skepsis der Bevölkerung gegenüber dieser neuen Form der Ernährung ab. Weniger als die Hälfte, 47 Prozent der Befragten, lehnen den Verzehr von Lebensmitteln aus Algen und Insekten ab. Aber mit 45 Prozent stellen sich beinahe ebenso viele Menschen vor, dass wir den immer größer werdenden Bedarf an Lebensmitteln künftig auf diese Weise decken können.

Dabei sind Frauen noch skeptischer als Männer. Während 55 Prozent der männlichen Befragten Algen und Insekten als Nahrungsalternative anerkennen, wird sie von 56 Prozent der Frauen abgelehnt. Die Zustimmung ist mit 56 Prozent bei jungen Menschen zwischen 14 und 29 Jahren ebenso groß wie die Ablehnung unter Senioren jenseits von sechzig Jahren. Befragte mit höherer Bildung wie Abiturienten und Studenten befürworten zu 55 Prozent diese neue Ernährungsform, während sie von Menschen mit Volks- und Hauptschulbildung zu 54 Prozent abgelehnt wird. Hoch ist die Ablehnung auch bei den Befragten in Baden- Württemberg (57%), in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein (55%). Dagegen sind die Menschen in Berlin zu 73 Prozent davon überzeugt, dass Algen und Insekten zur Deckung des zunehmenden Bedarfs an Lebensmitteln beitragen können.

Werden also deutsche Landwirte künftig auch Insekten züchten und Algen anbauen?

  • Max Mustermann

    ↪ 47%: Skepsis bei Algen und Insekten als Nahrung

  • Bild-2

    ↪ Weltweit sind mehr als 1.900 Insektenarten essbar

  • Bild-3

    ↪ 45%: Zustimmung bei Insekten und Algen als Nahrung

"Wir werden eine radikale Veränderung in der Gewinnung pflanzlicher Grundstoffe erleben"

Gunnar Mühlstädt, Gründer und CEO der MINT Engineering GmbH

Ich bin sehr positiv überrascht, Gunnar Mühlstädtdass knapp die Hälfte aller Befragten einschätzt, dass zukünftig Algen als Alternative zur Deckung der Versorgung mit Lebensmitteln in Betracht kommen. Das zeigt mir ganz deutlich, dass den Menschen mittlerweile sehr bewusst ist, dass es drastische Veränderungen in der Landwirtschaft und Produktion von Nahrungsmitteln geben muss, um die Menschheit auch in Zukunft ausreichend und gesund ernähren zu können.

Mikroalgen werden dabei eine ganz wichtige Rolle einnehmen, da zur Kultivierung keine fruchtbaren Ackerflächen notwendig sind, die Produktion der Lebensmittel auch in urbanen Räumen direkt beim Konsumenten ohne lange Transportwege stattfinden kann. Das zeigen auch die Herausforderungen für den Landwirt in der Zukunft. Für ihn verändert sich das Berufsbild entscheidend – weg vom Großflächen bewirtschaftenden oder in hoch optimierter Massentierhaltung arbeitenden Landwirt hin zum Betreiber von dezentralen aquatischen Systemen. Wir werden eine radikale Veränderung in der Gewinnung landwirtschaftlicher pflanzlicher Grundstoffe erleben. Es bedarf eines neuen Verständnisses für die Produktion von Lebensmitteln, da es sich um völlig andere Pflanzen und technische Systeme handelt; neues Fachwissen muss vermittelt werden. Das macht den Beruf des „Landwirtes“ aus meiner Sicht jedoch nicht weniger attraktiv, denn schon heute ist die klassische Landwirtschaft bereits hoch technologisiert, und Landwirte sind aus meiner Erfahrung sehr offen für technische Innovationen. Die Integration von lebensmittelproduzierenden Systemen in Kreislaufprozesse wird auch die Komplexität der Systeme weiter erhöhen, Lebensmittelproduktion wird zukünftig ein aktiver Beitrag einer positiven Klimapolitik – und auch hier ist eine Neuordnung der Agrarsysteme politisch wie auch förderpolitisch notwendig, denn ohne eine politische Unterstützung wird es schwierig, diese Innovationen gegen subventionierte traditionelle Modelle durchsetzen zu können.

Es beginnt ein sehr spannender Prozess einer Agrarwende, den wir mit der Etablierung von wirtschaftlich und ökologisch sinnvollen Systemen zur Algenkultivierung gemeinsam mit vorantreiben möchten.

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Bildquellen

Gabelbissen: adobeStock_© snack insects witzeeze adobestoc
Algenproduktion: MINT
Gabelbissen: adobeStock_© snack insects witzeeze adobestock
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Gunnar Mühlstädt: MINT

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